"Welt umarmen" - NRW-Radsportler fahren für die gute Sache

David Kramer (mitte)

Radteam "Embrace the world" fährt in exotischen Ländern

"Welt umarmen" - NRW-Radsportler fahren für die gute Sache

Von Olaf Jansen

Das Bochumer Radteam "Embrace the world" ("Umarme die Welt") reist für Radrennen rund um den Globus. Es geht um Sport, aber auch um die gute Sache. Bei einer Rundfahrt in Togo ging's abenteuerlich zu.

David Kramer ist ein klassischer Quereinsteiger. "Für mich war die 'Tour du Togo' die erste Rundfahrt überhaupt. Allein das war schon ein Abenteuer für mich", sagt der 30-Jährige, der sozusagen auf dem zweiten Bildungsweg beim Radteam "Embrace the world" (ETW) anheuerte. Und dann gleich Togo. Afrika.

Für den Kölner Radkurier ein großes Abenteuer und ein noch größeres Erlebnis. "Eine andere Welt. Die Fahrer dort sind teilweise auf Rädern gefahren, die würden wir hier in den Müll geben. Zum Glück konnten wir einigen von unseren Konkurrenten mit neuem Material aushelfen und ihnen auch Trikots und Schuhe dalassen", sagt Kramer.

 "Embrace the world" - das etwas andere Radteam

Das Team "Embrace the world" ist die etwas andere Mannschaft im Radsportzirkus. 2015 von drei Bochumern gegründet, geht es dem 24-köpfigen Amateurteam seither schon darum, bei Radrennen möglichst erfolgreich zu sein. Am liebsten in etwas exotischeren Ländern wie Burkina Faso, Senegal, Kongo, Trinidad und Tobago oder eben Togo. "Wir möchten etwas von der Welt sehen, aber den Leuten vor Ort auch etwas Gutes tun", erklärt Team-Manager Enzo Watermann, der 2015 bei der Gründung auch schon mit dabei war.

Für jeden gefahrenen Kilometer spendet das Team einen Geldbetrag in die Radsportszene des Landes, in dem das Team startet - das ist das Grundprinzip. ETW verfügt über Sponsoren und Spender, die jene Beträge vor und während jeder Rundfahrt zur Verfügung stellen. "Zusätzlich sammeln wir bundesweit von allen uns bekannten Radsportlern in Deutschland überschüssige Materialien, die wir dann mit auf unsere Reisen nehmen und vor Ort verteilen", erklärt Watermann.

"Embrace the World": Ein Bochumer Rennrad-Team startet in aller Welt

Sportschau 06.03.2020 02:08 Min. Verfügbar bis 06.03.2021 ARD Von Luise Kropff

Container voll mit Material für Togo

Team Embrace the world bei der Tour du Togo

Team "Embrace the world" bei der Tour du Togo

Bei der "Tour du Togo" im vergangenen Jahr hatte man im Vorfeld sogar so viel Material sammeln können, dass Fahrer Julian Hellmann gemeinsam mit einem Bekannten im Vorfeld einen Container verschiffen ließ. Radteile, -schuhe und -trikots landeten so in dem westafrikanischen Land. "Wir merken auf unseren Reisen immer wieder, wie enthusiastisch die Leute uns und den Radsport feiern und lieben. Nur haben sie halt kein Geld, um sich vernünftig auszurüsten. Mit unseren Spenden wollen wir mithelfen, dass sie fahren können", erklärt Watermann.

Fahrer finanzieren ihre Flüge selbst

Aber natürlich geht es dem Team nicht nur um Spenden. Die Fahrer haben durchaus großen sportlichen Ehrgeiz. "Natürlich wollen wir möglichst viel gewinnen", sagt David Kramer, der in Köln als Radmechaniker arbeitet und nebenbei immer noch als Fahrradkurier unterwegs ist.

Das Team Embrace sei etwas für "Überzeugungstäter": "Hier sind Radsportler zusammen gekommen, die vorher durchaus höherklassig gefahren sind, sich in ihren ehemaligen Teams aber nicht mehr so richtig wiedergefunden haben. Hier bei Embrace geht's nicht überehrgeizig zu und die Fahrer interessieren sich auch noch für Anderes als nur den Sport", sagt Kramer, der, so erklärt er, wie alle seine Kollegen ohne finanzielle Interessen fährt: "Wir Fahrer finanzieren unsere Flüge zu den Rennen in der Regel selbst und versuchen durch Siegprämien zumindest einen Teil der Kosten wieder rein zu holen."

Steinwürfe auf das Peloton

In Togo gelang das nur zum Teil, denn in dem armen westafrikanischen Land gab es kaum Geldprämien. Und so reichte selbst der Tour-Gesamtsieg von Julian Wellmann nicht zur Re-Finanzierung der Kosten. "Das war nicht so schlimm, dafür haben wir jede Menge interessante Erfahrungen sammeln können", sagt Kramer. Zu Beginn der Tour übernachtete das Team ganz informell bei einer togoischen Familie in deren Privathaus. Die deutschen Gäste schlossen Freundschaften mit vielen afrikanischen Fahrern, am Schluss des Rennens mussten dann aber auch Steinwürfe der politischen Opposition des Landes überstanden werden.

"Afrika im Schnelldurchauf"

Als sich das Peloton auf einer unübersichtlichen Landstraße befand, flogen plötzlich von links und rechts Steine in den Konvoi. "Die Opposition hat sich das größte sportliche Event des Landes ausgesucht, um auf sich aufmerksam zu machen", glaubt Kramer. "Das war sozusagen afrikanische Wirklichkeit in einer Woche im Schnelldurchlauf", findet er.

Das Team wurde in Togo vom Kölner Filmemacher Philippe Opigez begleitet. Entstanden ist ein einstündiger Kinofilm, der am Freitag (06.03.2020) Premiere hat.

Stand: 06.03.2020, 07:30

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