Giro - Der Triumph des Bauernsohns aus den Anden

Richard Carapaz auf der 18. Etappe

102. Giro d'Italia

Giro - Der Triumph des Bauernsohns aus den Anden

Richard Carapaz, Bauernsohn aus den ecuadorianischen Anden, ist der Gesamtsieg beim Giro d'Italia kaum noch zu nehmen. Seinem Heimatland beschert er damit den größten Sieg im Radsport.

Eine einfache Jugend war es nicht, die Richard Carapaz erlebte. Der wohl kommende Sieger der Italien-Rundfahrt stammt aus dem kleinen Anden-Ort Julio Andrade nahe der Grenze zu Kolumbien. Dort wuchs er mit seinen beiden Schwestern auf dem Bauernhof seiner Eltern auf.

Als Teenager musste er in der Landwirtschaft mit anpacken. "Meine Mutter war damals an Brustkrebs erkrankt. Gemeinsam mit meinem Großvater habe ich mich um den Hof gekümmert. Um vier, fünf Uhr morgens bin ich aufgestanden und habe die Kühe gemolken. Dann bin ich zur Schule gegangen, danach habe ich trainiert, und als die Zeit kam, die Kühe auf eine andere Weide zu bringen, habe ich auch das gemacht", berichtete Carapaz.

Radsport-Glück in Kolumbien

Die Zeit zum Training war begrenzt, die Willenstärke umso größer. Carapaz sah die geringen Fördermöglichkeiten für Radsporttalente in seinem Heimatland Ecuador. "Ich liebe mein Land, aber es ist leider sehr fußballfokussiert. Du bekommst nur die nötige Hilfe, wenn du dich für diesen Sport entscheidest", sagte er und verließ den elterlichen Hof und das Anden-Dorf.

Richard Carapaz in Maria di Sala

Carapaz nach der 18. Etappe im Trikot des Gesamtführenden

Carapaz zog es nach Kolumbien. Das Nachbarland hat sich einen Ruf als Talentschmiede im Radsport verdient, durch die Höhenlage und eine gute Förderung gelten die Kolumbianer besonders im Gebirge als stark, nicht nur Ex-Giro-Sieger Nairo Quintana oder Top-Talent Egan Bernal (Team Ineos) stellen das regelmäßig unter Beweis. Auch Carapaz bestritt in jungen Jahren viele Rennen im Nachbarland. "Ich habe nie aufgegeben, das war der Schlüssel", erklärte Carapaz seinen Erfolg.

Stolzer Sieg bei der Vuelta de la Juventud

Im Jahr 2015 gewann er die Vuelta de la Juventud, die wichtigste Rundfahrt der U23-Kategorie in Kolumbien. "Ich gewann sie als bislang einziger Ausländer", sagte er stolz. Zu diesem Zeitpunkt war Carapaz in seiner Heimat schon als die "Lokomotive von Carchi" bekannt. Carchi ist die Provinz nahe der kolumbianischen Grenze, aus der der 26-Jährige stammt. Mit seinen guten Leistungen hatte er die Aufmerksamkeit des spanischen Movistar-Teams längst auf sich gezogen, für das er nun beim Giro den großen internationalen Durchbruch feiert.

Die Ziele, die er sich einst in Carchi setzte und nie aus den Augen verlor, verriet er nach seiner Vertragsunterschrift bei Movistar vor drei Jahren. "Mein größter Traum? Der Sieg beim Giro d'Italia", sagte er damals. Der ist jetzt ganz nah. 

red/dpa/sid | Stand: 31.05.2019, 07:00

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