Desert Dash - verlorene Radler in der Wüstenlandschaft

MTB-Rennen in Namibia

Desert Dash - verlorene Radler in der Wüstenlandschaft

Von Olaf Jansen, Windhoek

Der "Desert Dash" in Namiba gilt als eines der härtesten Mountainbike-Rennen der Welt. Ein Kölner war dabei. Und hat Beeindruckendes getan.

Desert Dash – verlorene Radler in der Wüstenlandschaft

373 Kilometer, Staub, Hitze, Kälte, Dunkelheit - und Uwe Diekmann ist dabei. Der 53-jährige Kölner ist am Wochenende beim legendären "Desert Dash" in Namibia gestartet. Legendär, weil es sich beim "Dash", wie ihn die Einheimischen liebevoll nennen, um eines der härtesten Eintagesrennen für Mountainbiker handelt.

Die schnellsten Profis schaffen die Tour von Windhoek im Zentrum des Landes nach Swakopmund am Atlantik in rund 14 Stunden. Die Hobbyfahrer, die den Großteil der rund 1.000 Starter ausmachen, brauchen bis zu zehn Stunden länger.

Und wie kommt ein Hobbyfahrer wie Diekmann dazu, sich eine solche Plackerei anzutun? "Die Idee, teilzunehmen, ist aus einer Wette heraus entstanden", erzählt Diekmann, der Namibia seit Jahren bereist. Er wettete mit seinem Hotelwirt, dass er auch als "Greenhorn" die Strecke schaffen würde. Um die Selbst-Motivation noch anzuheben, verband Diekmann seine Rad-Pläne mit einer guten Sache.

Radeln für eine gute Sache

Für jeden gefahrenen Kilometer, so verabredete der Leiter einer Steuerberatungsfirma mit einem Gutteil seiner Mandanten, sammele er Spendengelder für ein von ihm in Namibia unterstütztes Entwicklungshilfeprojekt.

Seit 2007 bereits finanziert Diekmann mit Bekannten und Geschäftsfreunden über einen Verein eine Grundschule für Waisenkinder in Namibias Süden. Im kleinen Ort Omomas, wo einst lediglich zwei Dutzend Schüler rudimentären Unterricht genossen, in einer kargen Wellblechhütte zu Mittag aßen und auf dem Boden schliefen, besuchen heute 130 Kinder die einst kirchliche Internatsschule am Rande der Kalahari-Wüste. Rund 100.000 Euro kostet dieses Engagement pro Jahr – einen Teil dieses Geldes will Diekmann also nun beim "Dash" zusammenfahren.

Heiße 35 Grad beim Start

Mit reichlich Sonnencreme im Gesicht, gut gefüllten Trinkflaschen und einigen Energieriegeln in den Trikottaschen geht es los. Die Strecke führt über die Berge des Khomas-Hochlandes, bevor es durch die Ausläufer der Namib-Wüste weiter bis zum Meer geht. Beim Start knallt die Sonne, in der rasch erreichten Wüstenlandschaft herrschen Temperaturen von rund 35 Grad.

Die Fahrer müssen sehr schnell einen in gleißender Sonne liegenden Anstieg auf einer Staubstraße erklimmen. Und Diekmann bekommt Probleme. Er benötigt für die rund 600 Höhenmeter bis zu Kilometer 37 satte zweieinhalb Stunden - erheblich mehr, als er kalkuliert hatte. Das passiert den meisten Startern. Trotz bester theoretischer Vorbereitung werden sie dann doch überrascht. Von den gerölligen Straßen, der Hitze, der Trockenheit - und was an diesem Freitag besonders hart ist: dem penetranten Gegenwind. Den Fahrern weht eine steife Brise von Westen ins Gesicht. Wie ein unsichtbarer Bremsklotz. Extrem anstrengend - vor allem mental.

Schon zur Hälfte: Beim Zeitlimit droht das Aus

Zu diesem Zeitpunkt hat Uwe Diekmann schon ein ernstes Problem: Er droht, das Zeitlimit zu verpassen - das wissen seine Begleiter, die bei Kilometer 179 erstmals die Chance haben, ihren Radler zu treffen und ihn zu versorgen. Diekmann hat seine Familie mitgebracht. Ehefrau, zwei Töchter und die baldigen Schwiegersöhne warten sich allerdings fast die Beine in den Bauch. Nach der Dunkelheit kommt am Checkpoint auch die Kälte. Um ein Uhr nachts hat es noch 13 Grad Celsius - die Wüste friert.

Und von Diekmann noch immer keine Spur. Erst um kurz nach drei Uhr der erleichterte Aufschrei bei der Familie: Diekmann biegt von den Strapazen gezeichnet am Checkpoint ein und lässt sich registrieren. "Brutal hart. Die Zeit ist mir einfach weggelaufen", stammelt er, nachdem er sich ein wenig frisch hat machen lassen und Kuchen, Riegel und Cola in sich hineingestopft hat. Nach zehn Minuten geht’s weiter. Es gilt jetzt, keine Zeit mehr zu verlieren, denn am nächsten Checkpoint 75 Kilometer weiter haben die Veranstalter einen "Cut" gesetzt. Wer hier nicht um 9 Uhr durchkommt, wird aus dem Rennen genommen. Die maximale Zielzeit von 15 Uhr in Swakopmund wäre nicht mehr zu erreichen.

Im Finale wartet tiefer Sand

Es folgen nun rund weitere 200 Kilometer durch beeindruckendes Gelände. Zunächst wird ein flaches, steiniges Hochplateau durchfahren und nachdem es auch für die Hobbyfahrer wieder hell geworden ist, geht es aus dem Gebirge hinunter in sandiges Terrain. Nun heißt es nochmal Kraft bolzen - zumndest für all jene, die davon noch etwas haben. Uwe Diekmann hat sie eigentlich nicht mehr, er kämpft aber tapfer. Bis 20 Kilometer vor dem Ziel in den Ausläufern der Namib-Wüste klar wird: Es wird nichts mit dem Zeitlimit. Diekmann steigt wankend vom Rad. Er fährt das letzte Stück im Betreuerauto.

Uwe Diekmann (r.) übergab einen Scheck über umgerechnet 50.000 Euro für die Grundschule.

Uwe Diekmann (r.) übergab einen Scheck über umgerechnet 50.000 Euro für die Grundschule.

Derweil ist der Sieger des Desert Dash 2018 schon seit vielen Stunden im Ziel und hat sich nach einem kleinen Nickerchen um 16 Uhr zur Siegerehrung wieder in den Zielbereich begeben. Konnie Looser aus der Schweiz hat das Rennen zum vierte Mal nacheinander für sich entschieden. Er benötigte gut 14 Stunden - rund eine Stunde mehr als 2017, als beim "Dash" Rückenwind geherrscht hatte.

Und trotz allen Leidens kann sich auch Diekmann am Ende freuen: Er hat mit seiner Tour sage und schreibe 50.000 Euro Spendengeld für seinen Verein eingefahren. Ein weiteres Jahr Grundschule ist für die 130 Kinder in Omomas schon zur Hälfte finanziert.

Stand: 10.12.2018, 15:37

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