Denifl gesteht Blutdoping - und erhebt neue Vorwürfe

Denifl gesteht Blutdoping

Radsport

Denifl gesteht Blutdoping - und erhebt neue Vorwürfe

Neuigkeiten in der Operation Aderlass: Der österreichische Radsportler Stefan Denifl hat eingeräumt, über Jahre Blutdoping eingesetzt zu haben. Als Betrüger sieht sich Denifl aber nicht - und erhebt neue, schwere Vorwürfe gegen seine ehemaligen Teammitglieder.

Ex-Radprofi Denifl hat vor dem Innsbrucker Landgericht Blutdoping eingestanden. Der Prozess gegen den 32-Jährigen, der im Zuge der Operation Aderlass aufgeflogen war, wurde aber zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben. Das bestätigte ein Sprecher des Gerichts. Denifl habe demnach erfolgreich darauf bestanden, dass zunächst weitere Zeugen vernommen werden müssten. Dabei handele es sich um Vertreter der Radsport-Teams, die ihn eingestellt hatten.

Denifl behauptet: Teams wussten Bescheid

"Das kann einige Zeit dauern, bis wir diese Personen ausfindig gemacht haben", erklärte der Gerichtssprecher. Der Sieger der Österreich-Rundfahrt von 2017 will beweisen, dass die Teams, für die er gefahren ist, von seinen Doping-Praktiken gewusst haben und ihn deshalb der Vorwurf des Betruges nicht trifft. Außerdem soll genau geklärt werden, in welcher Form den Teams ein Schaden entstanden ist. Denifl ist wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen schweren Betrugs angeklagt.

Ex-Radprofi Stefan Denifl gesteht Blutdoping

Sportschau 03.02.2020 01:15 Min. Verfügbar bis 03.02.2021 ARD

"Ich bin kein Verbrecher" beteuerte der 32-Jährige vor Gericht. Im Profiradsport würden Leistungen verlangt werden, die normal nicht mehr möglich seien, fügte er hinzu. Er habe nach seiner Knieverletzung mit dem Doping begonnen. "Ich wollte mit dem Doping meine Leistung erhalten, weil das mit der Knieverletzung normal nicht mehr möglich war", sagte Denifl.

Schaden von 580.000 Euro

Die Teams wüssten darüber Bescheid, ohne Doping hätte er nach einer Knieverletzung nie einen Vertrag erhalten, sagte Denifl. Viele der Athleten seien gedopt. "Im Radsport wird zu 90 Prozent gedopt, den supersauberen Sportler gibt es nicht", sagte der Rechtsanwalt Denifls. Sein Mandant hatte jedenfalls keinen Schädigungsvorsatz, betonte der Verteidiger. Laut Anklagebehörde sei durch die Auszahlung von Prämieren und Teamentgelt an Denifl ein Schaden von rund 580.000 Euro entstanden. Ihm drohen damit ein bis zehn Jahre Haft.

Auch Fuglsang im Visier

In Dänemark berichtete währenddessen die Tageszeitung "Politiken", dass Arzt Michele Ferrari, Spitzname "Dottore Epo", Beziehungen zum Astana-Team unterhalten und 2019 Top-Fahrer Jakob Fuglsang (Dänemark) betreut haben soll. Das Blatt verweist dabei auf einen vertraulichen 24-seitigen Bericht der unabhängigen Anti-Doping-Kommission CADF. Demnach soll Ferrari das Astana-Team bei der Katalonien-Rundfahrt im März begleitet haben. In Nizza/Monaco sei es zu einem Treffen mit Fuglsang gekommen, bei dem auch dessen kasachischer Teamkollege Alexej Luzenko anwesend gewesen sei, heißt es angeblich in dem Bericht.

Der 66-jährige Ferrari, der als eine der Schlüsselfiguren in Lance Armstrongs Dopingsystem galt, dementierte alle Vorwürfe. "Leider sehe ich mich einmal mehr dazu gezwungen, den jüngsten Schwindel der Medien zu dementieren", hieß es in einer Stellungnahme auf seiner Webseite. Unter anderem erklärte Ferrari, seit einem Jahrzehnt in keiner Beziehung zu Astana-Fahrern zu stehen und in 20 Jahren bei keinem Radrennen mehr gewesen zu sein.

Auch Fuglsang stritt die Vorwürfe vehement ab. "Ich bestreite, dass ich mich mit Dr. Ferrari getroffen habe", schrieb der Däne bei Instagram: "Mir ist kein Bericht bekannt, und ich kann bestätigen, dass die zuständigen Anti-Doping-Behörden noch kein Verfahren gegen mich eingeleitet haben. Dementsprechend habe ich keinen Grund, dazu Stellung zu beziehen. Ich bin äußerst besorgt, dass solche Gerüchte in der Presse verbreitet werden können."

Astana äußert sich

Auch das Astana-Team äußerte sich. Die Equipe sei dem Anti-Doping-Kampf verschrieben und verlange von ihren Fahrern die Einhaltung aller entsprechenden Regeln. Auch der Kontakt zu gesperrten Medizinern sei untersagt. Das Aufsuchen teamexterner Ärzte bei Fragen, die in Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit stehen, sei nicht erlaubt. Zudem verwies Astana auf die für das Jahr 2020 erneuerte Lizenz als Beleg für die Einhaltung aller Verpflichtungen. Man stehe in Kontakt mit der CADF und dem Weltverband UCI. "Bislang wurden keine Maßnahmen gegen einen Fahrer eingeleitet", hieß es in der Stellungnahme. Der 34-jährige Fuglsang fuhr 2019 eine seiner stärksten Saisons. Er gewann den Klassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich und das Tour-Vorbereitungsrennen Criterium du Dauphine. Bei der Vuelta in Spanien gewann Fuglsang eine Etappe.

red, sid, dpa | Stand: 03.02.2020, 18:46

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