Lambrechts Tod: Fassungslosigkeit und Trauer auf der vierten Etappe

Trauer um Bjorg Lambrecht - Gedenkminute im Ziel der 4. Etappe Sportschau 07.08.2019 00:59 Min. Verfügbar bis 07.08.2020 Das Erste

Polen-Rundfahrt

Lambrechts Tod: Fassungslosigkeit und Trauer auf der vierten Etappe

Nach der stillen, bedrückenden Zieleinfahrt und einer Schweigeminute brachen viele Betreuer und Teamkollegen des tödlich verunglückten Radprofis Bjorg Lambrecht erneut in Tränen aus. An Normalität war auf der vierten Etappe der 76. Polen-Rundfahrt am Dienstag (06.08.2019) nicht zu denken.

Zu tief sitzt der Schock über den tragischen Tod des 22 Jahre alten Belgiers einen Tag zuvor auf dem dritten Teilstück des WorldTour-Rennens.

Schon beim Start in Jaworzno standen die sechs Profis der belgischen Lotto-Soudal-Mannschaft nebeneinander aufgereiht mit gesenkten Köpfen und Tränen in den Augen vor den übrigen 143 Radprofis. Das gleiche Bild gab es dann am Ende. Alle Fahrer trugen Trauerflor.

Etappe neutralisiert

Die letzten zehn Kilometer fuhr Lambrechts Mannschaft an der Spitze - das Fahrerfeld folgte in gebührendem Abstand. Unmittelbar nach dem Ziel stoppten sie und gedachten ihres Kollegen. Auf dem Zielbanner stand groß Lambrechts Name und seine Startnummer 143, getaucht in die Farben der belgischen Flagge. Sein Teamkollege Tomasz Marczynski trug unter seinem Renntrikot die Nummer 143 von Lambrecht.

Lambrecht war am Montag auf regennassem Belag bei Rennkilometer 48 von der Straße abgekommen und gegen eine Betonkonstruktion geprallt. Der 22-Jährige wurde zunächst auf der Straße liegend reanimiert und anschließend im Krankenhaus in Rybnik operiert - erlag dabei aber seinen Verletzungen.

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Unfall auf nasser Straße

"Bjorg hatte brutales Pech. Er fuhr einfach im Feld, berührte einen Pflasterstein oder einen Verkehrsreflektor oder irgendwie sowas, verlor sein Gleichgewicht und fiel hart", schilderte Lambrechts Landsmann und Teamkollege Jelle Wallays den tragischen Unfall der belgischen Tageszeitung "Het Laatste Nieuws". Nicht mehr als 35 km/h sollen die Radprofis laut Wallays dabei gefahren sein.

Unfassbar war Lambrechts Tod auch für dessen Teamkollegen und Landsmann Enzo Wouters. "So schnell ändert sich das Leben. Heute morgen noch zusammen gefrühstückt, sechs Stunden später.... Ruhe in Frieden, Bjorg", schrieb Wouters auf Twitter gemeinsam mit einem Bild vom gemeinsamen Frühstück.

Noch während der Etappe erfuhren Lambrechts Teamkollegen von der Tragödie. "Die Nachricht über den Unfall von Bjorg kam durch den Kopfhörer. Man hörte, dass Panik ausgebrochen war. Ich wusste sofort, dass es schlimm war", sagte Wallays.

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Auch bei den anderen Teams herrschte Entsetzen, wie es zu dem Unfall kommen konnte. "Die Situation war in keiner Weise irgendwie kritisch, weder vom Wetter, noch von der Streckenführung oder der Rennsituation", sagte Christian Pömer, Sportlicher Leiter vom deutschen Bora-hansgrohe-Rennstall, vor dem Start der vierten Etappe. Der am Vortag nachträglich ausgesprochene Etappensieg von Bora-hansgrohe-Profi und Gesamtleader Pascal Ackermann geriet zur Bedeutungslosigkeit. "Das Ergebnis spielt keine Rolle", sagte der völlig geschockte Pfälzer. "Ich kann nicht glauben, wie tragisch unser Sport sein kann", twitterte André Greipel, der 2018 noch mit Lambrecht zusammen für Lotto Soudal fuhr.

Schon einige Erfolge

Lambrecht hatte in seiner jungen Karriere bereits einige Erfolge vorzuweisen. Beim diesjährigen Tour-Härtetest Criterium du Dauphine in Frankreich hatte er die Wertung des besten Jungprofis gewonnen, bei der U23-WM im Vorjahr belegte er im Straßenrennen den zweiten Rang. Lambrecht startete erst in seinem zweiten Jahr auf der World Tour.

sid/dpa | Stand: 06.08.2019, 18:15

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