Pedersen wird Rad-Weltmeister unter widrigen Bedingungen

Straßenrad-WM in Harrogate

Pedersen wird Rad-Weltmeister unter widrigen Bedingungen

Unter extremen Bedingungen ist der Däne Mads Pedersen im englischen Harrogate neuer Rad-Weltmeister geworden. Die deutschen Fahrer spielten bei der Vergabe der Medaillen keine Rolle.

Pedersen gewann den Sprint einer dreiköpfigen Spitzengruppe. Der Italiener Matteo Trentin wurde am Sonntag (29.09.2019) nach 261 Kilometern auf der verkürzten Strecke Zweiter. Die Bronzemedaille ging an den Schweizer Stefan Küng. Bei mieser Witterung mit Dauerregen, Wind und etwa zehn  Grad stiegen zahlreiche Profis vorzeitig aus, auch das TV-Signal war am Sonntag längere Zeit ausgefallen.

John Degenkolb wurde mit einem Rückstand von 1:10 Minuten als bester Deutscher 15. , Nils Politt landete auf dem 19. Rang (+1:14 Min.). Nur ein Bruchteil der gestarteten Fahrer erreichte überhaupt das Ziel. "Es war extrem. So etwas habe ich noch nie erlebt. Man musste jederzeit aufpassen, dass man nicht tauchen geht", sagte Degenkolb. "Ich habe mich ganz gut gefühl. Für ganz vorne hat es leider nicht gereicht." Sein Kölner Teamkollege Politt war trotz des verpassten Podests zufrieden: "Wir haben alles probiert. Ein Top-10-Platz wäre schön gewesen, aber wir haben ein super Rennen gezeigt." Der Bund Deutscher Radfahrer muss damit weiter auf den ersten WM-Titel seit Rudi Altig vor 53 Jahren warten.

Zuschauer harren im Regen aus

Die deutsche Mannschaft war vor allem durch Politt und Degenkolb lange präsent, aber in der entscheidenden Rennsituation nicht gut genug. "John macht einen sehr guten Eindruck. Bei mir war der Akku komplett alle, jetzt kämpft jeder für sich", sagte Simon Geschke nach seinem Ausstieg eingangs der Schlussphase. Auch Sprinter Pascal Ackermann wurde zu früh abgehängt. "Es war ein richtig hartes Rennen und extrem kalt", sagte er.

Die Straßen teilweise überflutet, der Regen unerbittlich: Es war das vom deutschen Teamchef Jens Zemke avisierte "grausame Rennen" und am Rande des Erträglichen. Routinier Marcus Burghardt, der seine Aufgabe etwa 100 Kilometer vor dem Ziel erledigt hatte und ausstieg, presste erschöpft heraus: "Scheiße, das ist ein richtiges Männerrennen." Eine britische Radsport-Party war es aber auch, die Zuschauer ließen sich von Nässe und Kälte nicht abhalten, standen immer wieder dicht gedrängt am Straßenrand.

Mitfavorit Gilbert steigt unter Tränen aus

Teilweise pflügten die Profis durch riesige Pfützen, das Wasser spritzte in Fontänen von den Rädern. Für den Belgier Philippe Gilbert, einen der großen Favoriten, war schon früh Schluss. Der Ex-Weltmeister stürzte auf dem Rundkurs, verletzte sich und musste unter Tränen aussteigen. Auch für viele andere Top-Fahrer, wie etwa den spanischen Titelverteidiger Alejandro Valverde, war das Rennen zu hart. Die Strecke war aufgrund starker Regenfälle kurzfristig um knapp 20 Kilometer verkürzt worden, zwei längere Anstiege mussten gestrichen werden, der Rundkurs über knapp 14 Kilometer um Harrogate wurde neun statt sieben Mal gefahren.

Straßenrennen bei der Rad-WM in Harrogate

Das deutsche Team hatte in Jonas Koch früh einen Fahrer in eine prominent besetzte Ausreißergruppe geschickt. Neben dem 26-Jährigen waren Vuelta-Sieger Primoz Roglic (Slowenien) und der frühere Giro-Gewinner Nairo Quintana (Kolumbien) Bestandteil dieses taktischen Manövers, das kurz nach Erreichen des Rundkurses in Harrogate beendet war. Dort begann das gnadenlose Aussieben. Trentin und Co. setzten sich ab, die Nachführarbeit von Politt blieb erfolglos. Im Sprint des Spitzentrios bewies Pedersen Nerven und die besten Beine.

Ernüchternde Bilanz

Nachdem am Samstag auch die BDR-Frauen ohne Podestplatz geblieben waren, endeten sowohl die Straßenrennen in Großbritannien als auch die Rennen in den vier olympischen Disziplinen ohne deutsche Medaillen. Silber in der Mixed-Staffel und Bronze durch Junior Marco Brenner im Zeitfahren stehen in der ernüchternden deutschen Bilanz.

red/dpa | Stand: 29.09.2019, 17:05

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