Paris-Roubaix: Nils Politt im erweiterten Favoritenkreis

Der deutsche Radprofi Nils Politt beim Paris-Roubaix-Rennen 2018

Paris-Roubaix

Paris-Roubaix: Nils Politt im erweiterten Favoritenkreis

Von Michael Ostermann

Radprofi Nils Politt hat am vergangenen Wochenende mit Platz fünf bei der Flandern-Runfahrt für Aufsehen gesorgt. Damit gehört er am Sonntag (14.04.2019) bei Paris-Roubaix zu den Mitfavoriten. Der Ritt durch die "Hölle des Nordens" liegt ihm sogar noch besser als die Ronde.

Paris-Roubaix ist ein ganz besonderes Radrennnen: Das unsortierte Kopfsteinpflaster, die Zielankunft im Radstadion von Roubaix, die offenen Steinduschen, in denen sich auch heute noch einige Fahrer den Dreck nach der 257 Kilometer langen Tortur vom auf den Pavés durchgeschüttelten Körper schrubben - das alles gibt es nur hier. Es wirkt, als sei die Zeit stehengeblieben. Ein Anachronismus des modernen Radsports, bei dem längst auch Zahlen, Daten, Wissenschaft Einkehr gehalten haben.

Fürs Kopsteinpflaster geboren

"Entweder man liebt es oder man hasst es", hat Nils Politt vor der Saison in einem Interview mit dem "Express" über Paris-Roubaix gesagt. Das mag eine Floskel sein, aber falsch ist der Satz dennoch nicht. Und klar ist auch, dass Politt Gefallen an diesem besonderen Radrennen mit dem Beinamen "Hölle des Nordens" gefunden hat. "Roubaix zu fahren macht Spaß, mir gefällt das Kopfsteinpflaster", sagt er. "Ich liebe das sogar, weil ich es kann. Ich bin quasi dafür geboren."

Bewiesen hat der 25 Jahre alte Kölner das auch schon. Im vergangenen Jahr beendete Politt den Frühjahrsklassiker als Siebter. Das Rennen liegt ihm. Politt ist ein sehr guter Zeitfahrer, und diese Tempohärte kommt ihm bei der Ausscheidungsfahrt über das Pflaster zugute. "Das Rennen ist konstant hart, das mag ich", sagt er.

Beieindruckender fünfter Platz in Flandern

Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich Politt zudem weiterentwickelt. Bei der Deutschland-Tour feierte er Ende August auf der Schlussetappe seinen ersten Profisieg. Und in dieser Saison hat der 1,92 Meter große Radprofi ebenfalls schon mit einigen guten Ergebnissen auf sich aufmerksam gemacht: Beim Einzelzeitfahren der Fernfahrt Paris-Nizza belegte er Rang zwei und vergangenes Wochenende landete er bei der Flandern-Rundfahrt einen beeindruckenden fünften Platz.

Man muss in den Annalen bis in das Jahr 2005 zurückblättern, um einen deutschen Radprofi zu finden, der den bedeutenden belgischen Klassiker auf einem Platz unter den ersten fünf beendet hat. Damals wurde Andreas Klier, heute sportlicher Leiter beim Team EF Education First-Drapac, Zweiter. Erik Zabel, der als Sportdirektor bei Politts Team Katusha-Alpecin arbeitet, belegte damals Rang vier.

Leaderrolle angenommen

Mit dem fünften Rang in Flandern gehört Politt nun wie auch John Degenkolb zum erweiterten Favoritenkreis bei Paris-Roubaix. "Ich werde mein Bestes geben und schaue, was dabei rumkommt. Die Motivation von hier nehme ich auf alle Fälle mit", erklärte er im Ziel der Flandern-Rundfahrt.

Sein Team hat Politt die Leaderrolle für die Klassiker übertragen. Er hat diese Rolle angenommen. "Die mentale Stärke ist da, und er hat die Leidenschaft dafür", hat Torsten Schmidt, sein damaliger sportlicher Leiter bei Katusha-Alpecin, schon vergangenes Jahr in Roubaix gesagt. Die Leistungen in diesem Jahr scheinen das zu bestätigen.

Ohne Druck

Aber Politt weiß auch, dass das alleine nicht reicht, um in Roubaix ganz nach vorne zu fahren. "Man kann Rennen wie die Ronde oder Paris-Roubaix nie voraussagen. Es kann immer viel passieren - man kann mit einem technischen Defekt ausscheiden oder einfach mal einen schlechten Tag haben", sagt er. "Ich gehe mit einer gewissen Lockerheit in diese Rennen. Wenn man sich zu sehr unter Druck setzt, geht es ja doch meistens in die Hose."

Diese Einstellung ist sicher nicht verkehrt, zumal Politt in seinem immer noch jungen Alter Zeit bleibt. Zeit, die er nutzen kann, um Erfahrung zu sammeln. Denn die ist mindestens so wichtig für Erfolge bei den Kopfsteinklassikern wie Tempohärte und taktisches Verständnis.

Stand: 12.04.2019, 17:26

Darstellung: