Lombardei-Rundfahrt: Schachmann noch einmal im Rennen

Maximilian Schachmann

Saisonabschluss in Europa

Lombardei-Rundfahrt: Schachmann noch einmal im Rennen

Von Michael Ostermann

Das Radsportjahr neigt sich dem Ende entgegen. Am Samstag (11.10.2019) findet mit der Lombardei-Rundfahrt das letzte große Rennen der europäischen Saison statt. Am Start steht dort auch Maximilian Schachmann, einer der Vertreter der neuen deutschen Radsportwelle.

Für den deutschen Radsport geht ein aufregendes Jahr zu Ende. Ein Jahr, das im Zeichen eines Generationenwechsels gestanden hat. Neue junge Gesichter haben sich in den Vordergund gedrängt: Emanuel Buchmann, 26, fuhr bei der Tour de France als Vierter nur knapp am Podium vorbei, Pascal Ackermann, 25, sprintete beim Giro d'Italia mit zwei Etappensiegen ins Trikot des Punktbesten, Nils Politt, 25, sorgte mit Platz zwei beim Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix für Aufsehen.

Neue deutsche Radsportwelle

Und dann ist da noch Maximlian Schachmann, 25, aus Berlin. Schachmann hat ein furioses Frühjahr erlebt. Mit drei Etappensiegen bei der Baskenland-Rundfahrt, einem Tageserfolg bei der Katalonien-Rundfahrt und vor allem Platz drei beim schweren Ardennenklassiker Lüttich-Bastogne-Lüttich. Auch er gehört zu jenen Radprofis, die eine neue Ära prägen sollen, nachdem Marcel Kittel seine Karriere vorzeitig beendet hat, André Greipels Zukunft unklar ist und Tony Martin sowie John Degenkolb zwar noch zur Weltelite zählen, aber beide auch schon jenseits der 30 sind.

"Erstmal finde ich es sehr schön, dass dieser Generationswechsel wahrgenommen wird", sagt Schachmann. "Das haben wir auch der Generation vor uns zu verdanken, die viel dafür getan hat, dass der Radsport in Deutschland wieder Glaubwürdigkeit zurückgewonnen hat. Für mich ist das auch Verpflichtung und Aufgabe, auf diesem Weg weiterzumachen." Das heißt vor allem glaubwürdig dafür einzustehen, dass man diesen Sport auch dopingfrei erfolgreich betreiben kann. Das zumindest ist es, wofür die Generation Kittel und Co. vehement geworben hat. Nun rückt die neue Garde auch in dieser Hinsicht in den Fokus.

Höhen im Frühjahr, Tiefen seit Juli

 Maximilian Schachmann im Ziel von Lüttich-Bastogne-Lüttich

Für Schachmann geht also ein aufregendes Jahr zu Ende, in dem er nicht nur die Höhen, sondern auch die Tiefen seines Sports erlebt hat. Im Juli gab er sein von großen Erwartungen begleitetes Tour-de-France-Debüt, das jedoch vorzeitig und schmerzvoll endete. Im Einzelzeitfahren stürzte Schachmann in einer Kurve und brach sich dabei die Mittelhandknochen der er linken Hand. "Den Sturz habe ich schnell weggesteckt. Stürze und Verletzungen gehören zum Radsport dazu. Ich wollte im Zeitfahren ein sehr gutes Ergebnis einfahren und bin voll gefahren. Leider war ich an dem Tag vom Pech verfolgt", sagt Schachmann.

Sechs Wochen nach der notwendigen OP saß Schachmann schon wieder auf dem Rennrad. Doch ein Rennen ist er bis vergangenen Dienstag nicht mehr gefahren. Mitte September verhinderte ein Infekt seinen Start bei zwei World-Tour-Rennen in Kanada. Die anschließende WM, bei der er als Kapitän des deutschen Teams vorgesehen war, musste er deshalb ebenfalls absagen. Auch die unwetterartigen Umstände beim WM-Rennen in Yorkshire mit Dauerregen bei Temperaturen um die zehn Grad erleichtern ihm im Rückblick nicht den Frust über die Absage. "Ich war ganz und gar nicht froh", sagt Schachmann. "Klar, ich friere auch bei solchen Bedingungen. Dennoch können so widrige Bedingungen auch eine Chance sein. Und in der Vergangenheit habe ich schon mehrfach gezeigt, dass ich in der Lage bin, mit solchen Wetterverhältnissen gut umzugehen."

Intervalltraining statt Rennen

Den Beweis dafür wird Schachmann am Wochenende nicht antreten müssen. Für die Lombardei ist am Samstag schönes Herbstwetter mit Temperaturen um die 20 Grad vorhergesagt. Die Lombardei-Rundfahrt ist der letzte große Klassiker der europäischen Saison. Das "Rennen der fallenden Blätter" gehört zu den fünf Monumenten des Radsports, den wichtigsten Eintagesrennen. Schachmann startet dort zum ersten Mal, aber natürlich kennt er die Bedeutung des Rennens, dessen Strecke durch die Berge entlang des Comer Sees führt. "Mit knapp 250 Kilometern und den zahlreichen topographischen Anforderungen ist es eines der schwersten Radrennen des Jahres", weiß Schachmann.

Wo er selbst steht, kann Schachmann aufgrund der langen Rennpause nicht sagen. "Die Beine fühlen sich wieder gut an", sagt er. "Dennoch fehlen mir aktuell Rennbelastungen, die der Form oft das entscheidende I-Tüpfelchen verleihen. Das habe ich versucht durch hartes Intervalltraining zu kompensieren. Von daher bin ich selbst gespannt zu sehen, wie meine Verfassung ist."

Abschluss in China

Um in Schwung für "Il Lombardia" zu kommen, stand der deutsche Meister am Dienstag und Mittwoch bei zwei italienischen Halbklassikern am Start. Das Rennen Tre Valli Varesine beendete er auf Platz 48, bei Mailand-Turin kam er nicht ins Ziel. Sein Teamkollege Emanuel Buchmann fuhr einen Tag später beim dritten italienischen Halbklassiker Gran Piemonte auf Platz vier und dürfte damit am Samstag der Kapitän des Bora-hansgrohe-Teams sein.

Schachmann wird von Italien noch in Richtung China reisen, wo ab dem 17. Oktober die sechstägige Gree-Tour of Guangxi stattfindet. Danach beginnt die Vorbereitung auf die kommende Saison, bei der die neue Generation bestätigen soll, dass sie halten kann, was sie in diesem Jahr versprochen hat. "Ich konnte mich wieder weiterentwickeln und bin nun in der Lage bei den großen Rennen vorne mitzufahren", lautet Schachmanns Saisonfazit. "Das gibt mir viel Motivation für den Winter."

Stand: 11.10.2019, 09:30

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