Martin will beim Giro raus aus dem Tief

Tony Martin

Italien-Rundfahrt

Martin will beim Giro raus aus dem Tief

Vor nicht allzu langer Zeit wäre Tony Martin als großer Favorit in das Auftaktzeitfahren des Giro d'Italia gegangen. Doch der viermalige Weltmeister hat seine Dominanz längst eingebüßt.

Tony Martin war über Jahre das Maß der Dinge im Zeitfahren, manchmal fuhr der viermalige Weltmeister gar in einer ganz eigenen Liga. Ein Auftakt im Kampf gegen die Uhr beim Giro d'Italia wäre für den Cottbuser eine Riesenchance auf das rosafarbene Führungstrikot gewesen. Doch das ist lange her. Vor dem Start der 101. Italien-Rundfahrt am Freitag (04.04.2018) in Jerusalem bestimmen längst andere Martins Paradedisziplin.

"Nicht zu 100 Prozent vorbereitet"

Dass der 33-Jährige vor einem Prolog wie diesem über 9,7 Kilometer in der israelischen Hauptstadt einräumt, er habe sich "aus Zeitgründen nicht zu 100 Prozent" vorbereiten können, wäre in seiner Glanzzeit nie vorstellbar gewesen. "Ich werde schon draufdrücken, aber ich gehe es entspannt an", sagte Martin im Teamquartier von Katusha-Alpecin.

Der einstige Seriensieger sucht einen Weg aus seinem nun schon erstaunlich langen Tief, das eigentlich nur durch den Zeitfahr-WM-Titel 2016 kurz unterbrochen wurde. Seit Martin 2015 im Gelben Trikot verletzt aus der Tour de France ausschied, hat es nahezu keine großen Triumphe mehr gegeben. Mal lag es an der Leistung, oft kam auch ein Defekt oder Sturzpech hinzu. Ein Zustand jedenfalls, der einen erfolgsgewohnten Radprofi durchaus zum Verzweifeln bringen könnte.

Mentaltrainer hilft

Ihn nicht, versicherte der gebürtige Lausitzer. "Ich arbeite daran, dass ich wieder dahin komme, wo ich schon war. Ich bin immer noch davon überzeugt, dass ich auch das Potenzial dazu habe", bekräftigte Martin. Das Zeitfahren habe dabei weiter Priorität, auch die WM im September in Innsbruck sei ein wichtiges Ziel, obwohl er zuletzt viel Arbeit und Energie in die großen Frühjahrsklassiker investierte - letztlich auch ohne Ertrag.

Martin berichtete, die begonnene Arbeit mit einem Mentaltrainer sei hilfreich. Es gehe dabei vor allem um Aspekte innerhalb des Wettkampfes. "Wir sind am Anfang, es verändert mich zum Positiven. Ich warte jetzt eigentlich nur darauf, dass es sich in Ergebnissen widerspiegelt", sagte Martin, der diese Saison auch um einen neuen Vertrag fährt. Der laufende Kontrakt endet im diesem Jahr.

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Sportschau | 02.05.2018

Spaß und das Wesentliche

Drei Wochen Giro d'Italia und später die Tour de France im Juli bieten noch genügend Gelegenheiten, die Eindrücke zu revidieren. "Wäre mir diese Pechsträhne mit 25, 26 passiert, würde ich wahrscheinlich wesentlich mehr mit mir hadern", sagte der Wahl-Schweizer. So will er mit "Spaß" am Rennfahren und der Konzentration "auf das Wesentliche" endlich die Trendwende herbeiführen.

Denn einfach so Mitrollen, das ist nach wie vor keine Option für den fünfmaligen Tour-Etappensieger. Auch nicht während der "Corsa Rosa", die Martin erstmals seit 2008 wieder bestreitet: "Es gibt auch in der zweiten und dritten Giro-Woche schöne Ziele. Ich habe 21 Chancen und will mindestens eine nutzen."

Sieben schwierige Bergankünfte

Bei den sieben schwierigen Bergankünften wird er aber wohl nicht vorne mit dabei sein. Die Favoriten auf den Gesamtsieg werden erstmals auf der sechsten Etappe gefordert. Dann steht die erste Bergankunft bevor, sie führt auf den höchsten Vulkan Europas, den Ätna auf Sizilien. Mit dem Aufstieg zum Monte Zoncolan auf der 14. Etappe beginnt die entscheidende Phase. Es folgen noch vier weitere schwere Bergetappen und ein langes Einzelzeitfahren, die Schlusswoche ist gespickt mit Höchstschwierigkeiten. Die abschließende Flachetappe nach Rom dürfte ähnlich der "Tour d'Honneur" bei der Frankreich-Rundfahrt auf den Champs Élysées in Paris ablaufen.

Stand: 03.05.2018, 12:05

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