Schachmann fährt cool an die Spitze der Deutschland-Tour

Maximilian Schachmann

2. Etappe

Schachmann fährt cool an die Spitze der Deutschland-Tour

Von Michael Ostermann, Trier

Mit seinem Etappensieg in Trier fährt Maximilan Schachmann ins Rote Trikot des Gesamtführenden bei der Deutschland-Tour. Das wird die Aufregung um seine Person noch einmal steigern. Doch der Berliner bleibt abseits des Rades so gelassen wie auf dem Sattel.

Der junge Fan seufzte und ließ Zettel und Stift wieder hängen, die er schon erwartungsfroh in Stellung gebracht hatte. "Jetzt fragen die ihn noch was", stöhnte er, als ihm klar wurde, dass er nun noch länger würde warten müssen auf das begehrte Autogramm des Mannes im Roten Trikot. Die Journalisten hatten tatsächlich noch einige Frage an den Spitzenreiter der Deutschland-Tour. Denn die nach zehn Jahren Pause wieder zum Leben erweckte Rundfahrt hat nun den Führenden, den sich irgendwie alle erhofft haben: Maximilian Schachmann, 24 Jahre jung, geboren in Berlin, gehandelt als der kommende deutsche Rundfahrer.

Gepflegtes Understatement

Mit dieser Erwartung lebt Schachmann nun schon seit Mai, als er eine Bergetappe beim Giro d'Italia gewann. Und diese Erwartungen werden kaum kleiner werden, sollte er die Wiederauflage der Deutschland-Tour am Sonntag (26.08.18) tatsächlich als Sieger beenden. Am Freitag gewann Schachmann zunächst einmal die 2. Etappe von Bonn nach Trier vor dem Slowenen Matej Mohoric und dem Tour-de-France-Zweiten Tom Dumoulin aus den Niederlanden.

Deutschland-Tour - die Zusammenfassung der 2. Etappe Sportschau 24.08.2018 05:39 Min. Verfügbar bis 24.08.2019 Das Erste

"Ich wollte hier gut fahren und wusste, es gibt für mich nur drei Chancen hier zu gewinnen", sagte Schachmann, der die flache erste Etappe für die Sprinter schon vor der Rundfahrt aus seinem Plan gestrichen hatte. "Deswegen bin ich froh, dass ich heute keine größeren Fehler gemacht habe."

Das war gepflegtes Understatement. Seinen Etappensieg hatte er nämlich sehr überzeugend herausgefahren, weil er in dem spannenden Finale immer die richtigen Entscheidungen traf. Er hatte die Attacke von Dumoulin am Petrisberg, dem letzten sehr giftigen Anstieg auf der 14 Kilometer langen Schlussrunde, als vorentscheidend identifiziert und war mit dem Niederländer davon gefahren. Auf dem Schlusskilometer hatte er sich dann auch nicht von Nils Politt überraschen lassen, der wie Mohoric noch zu dem Duo an der Spitze hatte aufschließen können und direkt danach angriff.

Verzicht auf den Jubel

"Ich habe schon geahnt, dass er gleich durchzieht, den Schwung mitnimmt", sagte Schachmann. "Er ist ein wirklich schneller Mann, aus dem Grund bin ich gleich mitgesprungen, weil ich wusste jetzt wird's eng." 250 Meter vor dem Ziel war er zurück an Politts Hinterrad, konnte 50 Meter Kraft sammeln und dann selbst attackieren.

Auf den Siegerjubel verzichtete Schachmann dennoch, weil Mohoric ihm zum Schluss noch einmal sehr nahe gekommen war, weshalb er im Ziel erst noch einmal Rücksprache mit dem Slowenen gehalten hatte. "Es sieht immer ein bisschen dumm aus, wenn man jubelt und hinterher doch Zweiter ist. Deswegen wollte ich nochmal seine Meinung dazu hören", sagte Schachmann.

Erstaunlich abgeklärt auf und abseits des Rades war das alles für einen jungen Mann in seinem zweiten Jahr als Profi. Überhaupt scheint Schachmann nicht die Nerven zu verlieren angesichts der Aufmerksamkeit, die ihm seit ein paar Monaten zuteil wird. "Ich habe schon gemerkt, dass die mediale Aufmerksamkeit größer geworden ist", erklärte er in Trier. "So ganz habe ich es aber noch nicht wirklich realisiert."

Nicht mehr selbst attackieren

Er weiß natürlich, dass das Radsportland der Sprinter und Zeitfahrer sich nach einem Fahrer sehnt, der bei den großen Rundfahrten wie der Tour de France im Gesamtklassement mitmischen kann. "Ich würde mich freuen, wenn ich diese Lücke schließen könnte", sagte Schachmann. "Aber wenn es nicht klappt, wäre das für mich auch nicht schlimm."

Maximilian Schachmann - Rundfahrt-Hoffnung dank langer Schulbusfahrten Sportschau 24.08.2018 02:14 Min. Verfügbar bis 24.08.2019 Das Erste

Wahrscheinlich ist es richtig, aus den öffentlichen Erwartungen nicht die eigenen zu machen und daran dann möglicherweise zu scheitern. Denn das passiert schnell und daran sind andere vermeintliche Hoffnungsträger schon zerbrochen. Schachmann sagt, er habe einfach Spaß, Radrennen zu fahren und wolle sich selbst stetig verbessern. Er tut das bei Quick-Step Floors, einem der weltbesten Teams, bei dem allein die Leistungsdichte einen besser mache, wie Schachmann meint.

Dabei hat er ein Niveau erreicht, dass ihn nun vielleicht zu seinem ersten Rundfahrsieg als Profi führt. "Mein Vorteil ist jetzt, dass ich nicht mehr selbst attackieren muss", sagte Schachmann mit Blick auf die beiden noch ausstehenden Etappen der Deutschland-Tour. Sein Vorsprung auf Mohoric und Dumoulin beträgt vier Sekunden. Das ist nicht viel, aber wenn Schachmann so cool bleibt wie auf der Etappe nach Trier, ist es gut möglich, dass sich die jungen Autogrammjäger auch noch in Stuttgart werden gedulden müssen, um seine Unterschrift zu ergattern.

Stand: 24.08.2018, 19:30

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