Deutschland-Tour: Buchmann in illustrer Gesellschaft

Rundfahrt startet in Hannover

Deutschland-Tour: Buchmann in illustrer Gesellschaft

Von Michael Ostermann (Hannover)

Die zweite Auflage der neu aufgelegten Deutschland-Tour hat ein illustres Starterfeld zu bieten. Auch der Tour-de-France-Vierte Emanuel Buchmann ist mit dabei. Aber um den Gesamtsieg fahren wohl andere.

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne. So war das im vergangenen Jahr, als die Deutschland-Tour erstmals seit 2008 wiederbelebt worden war. Nun im zweiten Jahr muss das Rennen halten, was es damals versprochen hat. Die Ausgabe 2018 war ja eine gelungene Wiedergeburt der Deutschland-Tour mit packendem Sport an jedem Tag und Spannung bis zum Schluss. So soll es wieder sein.

Klangvolle Namen in Hannover

Etwa 2.000 Radsportfans fanden sich am Mittwochabend (28.08.2019) vor dem Rathaus in Hannover ein, um die Präsentation der Teams mitzuerleben, die in den kommenden Tagen in vier Etappen nach Erfurt radeln. "Das Fahrerfeld ist die créme de la créme des Radsports - das ist super", sagt Claude Rach, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des Radsports, einem Tochterunternehmen des Tour-de-France-Veranstalters Aumaury Sport Organisation (ASO) und Veranstalter der Deutschland-Tour.

In der Tat haben sich Fahrer mit klangvollen Namen in Hannover, dem Startort der diesjähigen Deutschland-Tour eingefunden. Der Italiener Vincenzo Nibali, der schon alle drei großen Landesrundfahrten des Radsports gewonnen hat, gehört dazu. Der 34-Jährige kann sich sogar noch an die alten Zeiten der Deutschland-Tour erinnern, wo er 2005 als Jungprofi schon einmal am Start stand. "Ich kann mich nur noch an viel Müdigkeit und Stress erinnern", sagt er etwas lustlos.

Von Alaphilippe bis Cavendish

Neben Nibali gibt auch der Tour-de-France-Sieger von 2018 und Tourzweite in diesem Jahr, der Waliser Geraint Thomas, wie schon im Vorjahr sein Stelldichein. Der Franzose Julian Alaphilippe, der seine Landsleute bei der Tour de France mit 14 Tagen im Gelben Trikot verzückte, hat ebenfalls gemeldet. Richie Porte, Daniel Martin, Caleb Ewan, Mark Cavendish sind weitere hochdekorierte Fahrer, die mitfahren.

Deutschland-Tour hochkarätig besetzt

Sportschau 28.08.2019 01:25 Min. Verfügbar bis 28.08.2020 ARD

"Das zeigt auch, welchen Stellenwert Deutschland hat", findet Rach angesichts des illustren Fahrerfeldes. Den Tourveranstalter ASO treibt aber vor allem um, welchen Stellenwert der Radsport in Deutschland hat, und wie man hier verlorenes Terrain wieder zurückgewinnen kann. Das ist die Hauptgrund für das Engagement.

Buchmann und die neue Generation

Da trifft es sich gut, dass auch Emanuel Buchmann bei der Deutschland-Tour dabei ist. Buchmann hat im Juli bei der Tour de France als Gesamtvierter für Furore gesorgt. Das macht ihn zum neuen Aushängeschild des deutschen Radsports. Der 26-Jährige bekam lang anhaltenden Applaus in Hannover. "Das fühlt sich gut an", sagt Buchmann über seinen Schritt ins Rampenlicht. "Medial ist in jedem Fall viel mehr los als früher, aber diese Aufmerksamkeit ist ja nicht nur für mich gut, sondern für den deutschen Radsport generell."

Ralph Denk, Buchmanns Teamchef beim der Equipe Bora-hansgrohe, will den Ravensburger jedoch nicht alleine in den Mittelpunkt gestellt sehen. Er nennt seinen Sprinter Pascal Ackermann, den Klassiker-Spezialisten Nils Politt und den jungen Lennard Kämna als weitere Fahrer, die den deutschen Radsport in Zukunft vertreten sollen. Alle drei sind bei der Deutschland-Tour dabei.

Maximilian Schachmann, den Denk ebenfalls dazu zählt zur neuen Generation, fehlt wegen eines Mittelhandbruchs, den er sich bei einem Sturz im Einzelzeitfahren der Tour de France zugezogen hatte. Schachmann wäre angesichts des Profils der Deutschland-Tour einer der Topfavoriten auf den Gesamtsieg gewesen.

Entlang der einstigen Grenze

Für die Rundfahr-Spezialisten wie Buchmann oder Nibali ist das Rennen mangels langer Anstiege nicht schwer genug. Die vier Etappen führen durch das Mittelgebirge entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die sich vor 30 Jahren geöffnet hat. Die ASO liebt solche Anspielungen an die Geschichte.

"Das gehört zu unserer Philosophie. Radsport ist nicht nur Sport. Es ist die einzige Sportart, die nicht nur Sportliebhaber interessiert. Radsport ist stärker als nationalistische Ideen, denn man unterstützt keine nationalen Mannschaften", hat der Direktor der Tour de France, Christian Prudhomme, am Mittwoch in einem Interview in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt. "Radsport ist Entdeckung. Man lernt. Geschichte, Erdkunde. Man lernt Regionen kennen, Städte und Länder. Radsport ist Kultur."

Der neue Eddy Merckx

Aber natürlich geht es in den kommenden vier Tagen in erster Linie um das sportliche Geschehen. Es wird wohl wieder knapp zugehen. "Das Rennen wird über die Bonussekunden gemacht", glaubt Ackermann. Der Weg zum Gesamtsieg führe aber in jedem Fall über das Team Deceuninck-Quick Step, glaubt nicht nur Ackermann.

Die belgische Equipe um Julian Alaphilippe hat sechs Fahrer am Start, von denen jeder das Zeug dazu hat, als Sieger der Deutschland-Tour aus dem Rennen hervorzugehen. Darunter ist auch Europameister Remco Evenepoel. Der erst 19 Jahre alte Belgier wird in seiner Heimat schon als neuer Eddy Merckx gefeiert. Manch einer witzelt sogar, dass Merckx der alte Remco sei. Den Namen sollte man sich jedenfalls merken neben all den anderen illustren Gästen bei der Deutschland-Tour.

Stand: 29.08.2019, 08:30

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