Deutschland-Tour: Deutsche Sprinter gehen zum Auftakt leer aus

Pascal Ackermann

1. Etappe der Deutschland-Tour

Deutschland-Tour: Deutsche Sprinter gehen zum Auftakt leer aus

Von Michael Ostermann, Bonn

Bei der Rückkehr der Deutschland-Tour gewinnt der Kolumbianer Álvaro José Hodeg die erste Etappe. Die deutschen Sprinter gehen dagegen leer aus.

Es wollte nicht so recht laufen bei Pascal Ackermann. Schon etwa eine halbe Stunde war vergangen seit dem ersten Zieleinlauf der Deutschland-Tour nach zehn Jahren. Aber noch konnte der deutsche Straßenrad-Meister den Dopingkontrolleuren die gewünschte Probe nicht abliefern. So stand Ackermann in Bonn hinter dem Zaun, der den Bereich der Dopingkontrolle abtrennte und erklärte, warum er nicht als Erster über die Ziellinie gesprintet war. "Er kam mit der schnelleren Geschwindigkeit von hinten", erzählte Ackermann lächelnd. "Darum hat er verdient gewonnen."

Kittel steigt vom Rad

Er war in diesem Fall Álvaro José Hodeg vom Team Quick Step Floors. Der Kolumbianer schnappte sich in Bonn am Hofgarten den Sieg auf der 1. Etappe. Hodeg düpierte damit alle deutschen Sprinter, die bei der Rückkehr des Rennens auf die Radsport-Bühne, von der es 2008 wegen all der Dopingskandale verschwunden war. Schlagen musste Hodeg dafür jedoch lediglich Ackermann und den Italiener Niccolò Bonifazio. André Greipel und Marcel Kittel spielten beim Kampf um den Tagessieg keine Rolle. Greipel wurde Sechster, Kittel kam weit hinten im Feld ins Ziel gerollt.

Erklären wollten sich beide nicht. Kittel war im Durcheinander hinter dem Ziel wortlos davon gerollt Richtung Hotel. Greipel teilte auf dem Weg dorthin im Vorbeifahren mit, er habe nichts zu sagen. Beide werden wohl in diesem Jahr nicht mehr glücklich mit ihrer Saison, nachdem sie schon bei der Tour de France nicht erfolgreich gewesen sind und die Rundfahrt schon in den Alpen beenden mussten, weil sie aus dem Zeitlimit gefallen waren. Bei Kittel suchen seitdem die Teamärzte nach einer Ursache für seine körperliche Schwäche.

Noch am späten Donnerstagabend (23.08.2018) wurde bekannt, dass die Tour für Kittel schon vor der zweiten Etappe beendet ist. "Er hat sich heute im Rennen schon schlecht gefühlt. Nach Ankunft im Hotel hat sich sein Zustand nicht verbessert. Marcel und die Teamleitung haben dann gemeinsam entschieden, aus dem Rennen auszusteigen", teilte Teamsprecher Falk Nier mit.

Suche nach Gründen

Auf der 1. Etappe, die am morgen in Koblenz gestartet wurde, signalisierte Kittel seinem Team Katusha-Alpecin bereits 30 Kilometer vor dem Ziel, dass er sich nicht gut fühlte. "Daraufhin haben wir entschieden, dass wir für Rick Zabel fahren", erklärte der Sportliche Leiter Torsten Schmidt. Aber auch das gelang nur mittelprächtig. Zabel belegte am Ende in Bonn Platz neun.

Dass Kittels Formschwäche auch mit atmosphärischen Störungen innerhalb des Teams zu tun haben könnte, die bei der Tour de France zutage getreten waren, bestritt Schmidt in Bonn allerdings. "Die Mannschaft hat ein super Klima, zwischenmenschlich passt das gut zusammen. Sie sind auch motiviert für den Erfolg zu arbeiten. Es muss etwas Körperliches sein", betonte er.

Während Kittel physisch nicht in die Entscheidung eingreifen konnte, haperte es bei Greipel einmal mehr an der Sprintvorbereitung. Die Mannschaft hatte sich im Finale an die Spitze gesetzt, sich etwa fünf Kilometer vor dem Ziel von einer Attacke von Pascal Haller vom Heizomat-Team aus dem Konzept bringen lassen. Danach hatte Bora-hansgrohe die Spitze übernommen, um den Sprint für Ackermann vorzubereiten. "Ich denke man hat gesehen, dass wir den stärksten Zug hier hatten und wir auch harmonieren sagte und uns vertrauen", sagte Ackermann, der den Sprint dann eben etwas zu früh lancierte.

Ackermann einen Tick zu früh

250 Meter vor dem Ziel war er in den Wind gegangen. "Es ist am Ende eine Sekundenentscheidung und vielleicht habe ich ein wenig die Nerven verloren, da ich am Anfang was zeigen wollte", sagte Ackermann, der am vergangenen Sonntag beim World-Tour-Rennen in in Hamburg in einen Sturz verwickelt war. Sein Sportlicher Leiter Jens Zemke wertete den etwas zu früh angesetzten Sprint aber auch als Zeichen des großen Selbstvertrauens seines Schützlings. Ackermann hat zusätzlich zum Meistertitel in diesem Jahr seine ersten Siege als Profi eingefahren. Zuletzt war er zweimal bei der Polen-Rundfahrt erfolgreich, davor hatte er je zwei Etappensiege bei der Tour de Romandie und der Dauphiné-Rundfahrt gefeiert.

So war Ackermann trotz der knappen Niederlage der einzige zufriedene einheimische Fahrer am Ende dieses für den deutschen Radsport so wichtigen Tags. Er lachte, während er seine knappe Niederlage erklärte. Gerade die deutschen Profis hoffen ja, dass ihr hierzulande Jahre lang von der Öffentlichkeit verschmähter Sport weiteren Auftrieb bekommt durch die Rückkehr der nationalen Landes-Runfahrt. Doch so sehr der erst 21 Jahre alte Hodeg den Sieg verdient hatte, so sehr braucht die Deutschland-Tour einheimische Sieger, um ein wenig Euphorie zu entfachen. Alleine die Anwesenheit des Toursiegers Geraint Thomas, sowie dessen schärfstem Rivalen in Frankreich, dem Niederländer Tom Dumoulin wird dafür nicht reichen.

"Morgen nochmal was zeigen"

Ackermann ist derjenige, der nach den Eindrücken von Bonn am ehesten zuzutrauen ist, diesen Sieg zu landen und am Ende vielleicht sogar in der Gesamtwertung ganz vorne zu landen. "Die nächsten Tage werden interessant, weil sie nicht nur für die Sprinter sind", sagte er. Ackermann ist jemand, der auch gut über die Hügel kommt, die auf der 2. Etappe zwischen Bonn und Trier zu überfahren sind. Und er hat sich auch diese Etappen sehr genau angesehen. "Ich bin momentan gut in Form und will morgen nochmal zeigen, was ich kann."

Er hofft, dass der Zuschauerzuspruch entlang der Strecke an den kommenden Tagen auch noch besser wird. Am Donnerstag war es zumindest an den beiden Sprintwertungen und der Bergwertung sowie im Ziel ordentlich. "Vielleicht werden es ja noch mehr, wenn sich rumspricht, dass die Deutschland-Tour hier in der Gegend ist", sagte Ackermann. Er selbst will dabei helfen.

Stand: 23.08.2018, 10:37

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