Deutschland-Tour - Ackermann mit Buchmanns Hilfe ganz vorne

Pascal Ackermann gewinnt die erste Etappe der Deutschland-Tour

Sprinter gewinnt 1. Etappe

Deutschland-Tour - Ackermann mit Buchmanns Hilfe ganz vorne

Von Michael Ostermann (Halberstadt)

Pascal Ackermann landet einen souveränen Sprintsieg bei der ersten Etappe der Deutschland-Tour. Er profitiert dabei auch von der Unterstützung des Tour-de-France-Vierten Emanuel Buchmann.

Der Mann des Tages war schon wieder in Zivil: Das Rote Trikot des Gesamtführenden hatte Pascal Ackermann abgelegt und gegen ein Leibchen seiner Mannschaft Bora-hansgrohe eingetauscht. Die Fans erkannten den Sieger der ersten Etappe der Deutschland Tour in Halberstadt aber natürlich trotzdem und forderten ihre Selfies und Autogramme ein, die Ackermann auf einer verdorrten Wiese abseits des Zielbereichs geduldig lieferte.

Im Sprint konkurrenzlos

Es war ein Sieg mit Ansage gewesen, den der deutsche Sprinter nach 167 Kilometern von Hannover nach Halberstadt abgliefert hatte. Diese Etappe war jene, die am ehesten nach einem Massensprint aussah, weshalb Ackermann schon im Vorfeld erklärt hatte, er habe sich dieses Teilstück markiert. "Ich habe jetzt erstmal mein Soll erfüllt mit dem Etappensieg heute", sagte Ackermann mit dem breiten Grinsen, das er eigentlich fast immer im Gesicht trägt.

Deutschland-Tour - die Zusammenfassung der 1. Etappe Sportschau 29.08.2019 07:33 Min. Verfügbar bis 29.08.2020 Das Erste

Im Grunde war Ackermann am Schluss konkurrenzlos gewesen. Mit deutlichem Abstand auf den Etappenzweiten Alexander Kristoff aus Norwegen war der 25 Jahre alte Pfälzer über den Zielstrich gerauscht und hatte damit gezeigt, dass er der stärkste Sprinter im Feld der Deutschland-Tour ist. "Er hat überlegen mit mehreren Radlängen gewonnen, da hat niemand eine Chance gehabt", bemerkte Ackermanns sportlicher Leiter Enrico Poitschke.

Bora-hansgrohe hat alles unter Kontrolle

Diese Überlegenheit war im Vorfeld nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Noch am vergangenen Sonntag bei den Cyclassics in Hamburg war Ackermann am Waseberg abgehängt worden und gar nicht erst im Sprint dabei gewesen. "Viele haben gezweifelt nach Hamburg, aber wir haben heute gezeigt, das war nur ein schlechter Tag", sagte er in Halberstadt.

Deutschland-Tour - die letzten drei Kilometer der 1. Etappe Sportschau 29.08.2019 03:22 Min. Verfügbar bis 29.08.2020 Das Erste

Sein Team jedenfalls hatte das Vertrauen in seinen Sprinter auch nach Hamburg nicht verloren und deshalb das Rennen den ganzen Tag über kontrolliert, in dem es zunächst die vierköpfige Ausreißergruppe in Schach gehalten und dann im Finale auf den letzten 20 Kilometern die Dinge in Richtung Sprint gelenkt hatte. Alle Versuche der Konkurrenz, Bora-hansgrohe in die Parade zu fahren, liefen ins Leere.

"Wir haben uns nicht beeindrucken lassen von den Attacken und haben einfach unser Ding gemacht", berichtete Ackermann. "Die letzten zwei, drei Kilometer ist unser Team dann einfach so stark von vorne gefahren, dass gar keiner nebendran fahren konnte und von daher war das heute ein perfektes Finale für uns."

Mit Buchmanns Hilfe

Auch Emanuel Buchmann, der Gesamtvierte der Tour de France, hatte seinen Anteil daran, dass Ackermann am Ende den Sprint recht mühelos unter Dach und Fach bringen konnte. Schon auf dem zwei Kilometer langen Anstieg in Huy-Nienstedt war Buchmann für den wegen eines Defekts verhinderten Marcus Burghardt in die Bresche gesprungen und hatte an der Spitze des Feldes das Tempo hochgehalten.

Ackermann - "Mein Team hat einen richtig geilen Job gemacht" Sportschau 29.08.2019 01:03 Min. Verfügbar bis 29.08.2020 Das Erste

Dem Australier Caleb Ewan wurde das zum Verhängnis. Der Sprinter vom Team Lotto-Soudal, der bei der Tour de France im Juli drei Etappen gewann und nun frisch aus dem Urlaub zurück ins Renngeschehen kommt, fiel zurück und kam mit mehr als viereinhalb Minuten Verspätung ins Ziel.

Buchmann war unterdessen auch noch mal zwischen Kilometer sieben und zwei vor dem Ziel vorne gefahren und hatte sich ganz in den Dienst des Teams gestellt. "Emu hat von sich aus vorher schon gesagt, dass er hier für das Team arbeiten will, was zurückgeben will für die Saison", sagte Ackermann. "Ich denke, dass ist nicht normal für so einen Leader."

Das allerdings sieht Buchmann offenbar ganz anders, dem die Rundfahrt für eine gute Platzierung nicht schwierig genug ist, weil die hohen Berge fehlen. Zudem befindet er sich nach einer verdienten Rennpause nach der Tour de France erst wieder im Formaufbau. "Ich habe hier wenig Chancen, selbst zu gewinnen", erklärte Buchmann daher. "Wieso soll ich dann nicht schauen, dass Pascal, der hier wirklich zig Chancen bei fast jeder Etappe hat, gewinnt. Das mache ich dann auch gerne."

Keine Opfer für Rot

Ackermann trägt nun also das Rote Trikot des Gesamtführenden. Aber ob er es behalten wird, ist eine ganz andere Frage. Bora-hansgrohe wird möglicherweise auch gar nicht so viel investieren wollen, um Ackermann an der Spitze zu halten. Die alleinige Verantwortung für das Rennen will das Team jedenfalls nicht übernehmen. "Ich glaube, es sind auch andere Mannschaften in der Pflicht. Wir werden sicherlich nicht das Rennen für andere kontrollieren", erklärte Enrico Poitschke.

Zumal dem Team mit dem verletzten Maximilian Schachmann jener Fahrer fehlt, der eigentlich für den Kampf um den Gesamtsieg vorgesehen war. Dass Ackermann in den kommenden Tagen an der Spitze der Gesamtwertung bleiben kann, glaubt Poitschke nicht. "Es gibt doch einige Anstiege, wo einige Mannschaften viel stärker besetzt sind, so dass er da wahrscheinlich Zeit verlieren wird", sagte Poitschke. "Über Podium oder Sieg nachzudenken wäre wahrscheinlich ein bisschen überambitioniert."

Autogramme schreiben und für Selfies posieren müssen wird Ackermann aber wohl auch in den kommenden Tagen. Die Fans erkennen den schnellen Mann ja schließlich auch in Zivil.

Stand: 29.08.2019, 20:09

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