Politt bei der Deutschland-Tour immer nur nah dran

Polit Nils

Mohoric übernimmt Rotes Trikot

Politt bei der Deutschland-Tour immer nur nah dran

Von Michael Ostermann, Merzig

Auf der 3. Etappe der Deutschland-Tour sind die deutschen Fahrer im Pech. Nils Politt fährt erneut knapp an seinem ersten Profisieg vorbei, und Maximilan Schachmann verliert die Gesamtführung. Beiden bleibt noch eine Chance, das zu korrigieren.

Das Unheil sah Nils Politt unterhalb seiner linken Schulter herannahen, während er auf das Ziel zusprintete. Der Sieg auf der 3. Etappe der Deutschland-Tour von Trier nach Merzig schien ihm da schon fast sicher. "Ich habe an den Sieg geglaubt", sagte Politt. Aber dann sah er eben aus dem Augenwinkel, dass der Slowene Matej Mohoric seinen Sprint anzog. Der Mann mit dem Golden Helm zog vorbei und Politt blieb nur Platz zwei. Wieder war es nichts mit dem ersten Profisieg für den Kölner.

Noch eine Chance

Der 24 Jahre Radprofi vom Team Katusha-Alpecin gehört zu den talentiertesten deutschen Fahrer. Er ist ein tempoharter Fahrer, der sich auf einem mit kurzen giftigen Anstiegen gespickten Kurs, wie ihn die Deutschland-Tour bietet, zuhause fühlt. Zum zweiten Mal war er nun schon nah dran am ersehnten Erfolg. Auf der 2. Etappe am Vortag war er als Vierter im Ziel in Trier angekommen, was er mit einem sehr lautstarken Fluch bedachte.

Deutschland-Tour: Mohoric schlägt Politt und holt sich das Rote Trikot Sportschau 25.08.2018 04:07 Min. Verfügbar bis 25.08.2019 Das Erste

In Merzig fehlte, nachdem er sich diesmal lange im Windschatten des Weißrussen Vasil Kiryienka vom Team Sky aufgehalten und dann seinen Sprint lanciert hatte, nun noch weniger. Wie schon im Frühjahr beim Etappenrennen Paris-Nizza. Dort war Politt auf der 5. Etappe als Ausreißer gemeinsam mit Jerôme Cousins Richtung Ziel gefahren. Der Franzose hatte sich jedoch geweigert, sich an der Führungsarbeit zu beteiligen und Politt schließlich im Sprint geschlagen. Nicht die feine Radsport-Art, aber erfolgreich.

Politt: "Irgendwann wird es auch bei mir klappen" Sportschau 25.08.2018 00:28 Min. Verfügbar bis 25.08.2019 Das Erste

Diesmal war Mohoric im Sprint schlicht schneller. "Ich gebe nicht auf", sagte Politt, "irgendwann wird es auch bei mir mal klappen." Bei der Deutschland-Tour bleibt ihm nun nur noch eine Chance. Die vierte Etappe von Lorsch nach Stuttgart ist allerdings weniger selektiv als die Etappen am Freitag und Samstag. "Wir werden uns schon eine Taktik zurecht legen und nichts unversucht lassen", sagte Politt in Merzig. Zumal er auch in der Gesamtwertung einen Platz nach vorne gerückt ist. Als Drittplatzierter hat er zehn Sekunden Rückstand auf den neuen Gesamtführenden Mohoric.

Schachmann muss das Rote Trikot abgeben

Der Slowene hat beste Chancen, in Stuttgart den Gesamtsieg unter Dach und Fach zu bringen. Mit seinem Sprintsieg in Merzig eroberte er das Rote Trikot, das tags zuvor Maximilian Schachmann übernommen hatte. In Merzig kam Schachmann als Siebter in Ziel, während Mohoric für seinen Sieg noch zehn Bonussekunden gut geschrieben bekam. Sechs Sekunden liegt der Berliner nun zurück. "Mohoric hat das stark gemacht", sagte Schachmann.

Die Topplatzierten in der Gesamtwertung waren alle gemeinsam auf die 9,5 Kilometer lange Schlussrunde gegangen, in der mit dem Eller Weg noch eine Rampe zu bewältigen war, die, wie Schachmann erklärte, aber nicht selektiv genug gewesen sei. Auf der Abfahrt hatte sich Schachmann dann eine Weile selbst an die Spitze des Feldes gesetzt, um sich aus etwaigem Unheil herauszuhalten. "Am Ende habe ich dann Mohorics Hinterrad verloren", gestand er. Zusätzlich wurde er noch etwas gebremst durch einen Sturz kurz vor dem Ziel. "Natürlich hätte ich das Trikot gerne verteidigt, aber es kann halt immer was dazwischen kommen", sagte Schachmann: "Noch ist es nicht vorbei."

Schachmann verliert Trikot, aber "es ist noch nicht vorbei" Sportschau 25.08.2018 00:33 Min. Verfügbar bis 25.08.2019 Das Erste

Mohoric will auf Nummer sicher gehen

Das weiß auch Mohoric, der nun aber einen klaren Vorteil gegenüber seinen beiden Konkurrenten hat. "Wir hoffen jetzt natürlich, dass wir das Trikot nach Hause bringen können", sagte er. In Stuttgart wartet im Finale mit dem Herdweg wieder ein kurzes Steilstück, das schon bei der Straßenrad-WM 2007 Teil der Strecke war. Von dort geht es noch rund sechs Kilometer ins Ziel. Mohoric ist der endschnellste Mann unter den Anwärtern auf den Gesamtsieg. Ein guter Abfahrer ist er ebenfalls.

Aber auf alles das will er es gar nicht erst ankommen lassen. "Wenn wir die Attacken am letzten Anstieg abdecken können, überlassen wir den Sprintern das Feld", sagte Mohoric: "Wir selbst werden auf Nummer sicher gehen und nur darauf achten, dass wir das Trikot nicht verlieren." Politt und Schachmann werden versuchen, ihm diesen Plan zu vermasseln.

Stand: 25.08.2018, 18:46

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