Der neuen Deutschland-Tour gelingt der Auftakt

Deutschland-Tour

Positive Bilanz der Veranstalter

Der neuen Deutschland-Tour gelingt der Auftakt

Von Michael Ostermann, Stuttgart

Die Veranstalter der Deutschland-Tour ziehen eine positive Bilanz der Wiederauflage des Rennens nach zehn Jahren Pause. Die vielen Zuschauer, das gut besetze Fahrerfeld und der spannende Rennverlauf sollen nun die noch fehlenden Sponsoren anlocken.

Die Nummer eins des Radsports kam frisch geduscht in schwarzer Trainingshose und grauem T-Shirt aus einem mittelgroßen Wohnmobil geklettert, das in der Innenstadt von Stuttgart geparkt war. Dort gab Geraint Thomas dann den wartenden Fans, die ihn auch ohne Gelbes Trikot als den Gewinner der Tour-de-France erkannt hatten, ein paar Autogramme und zog seine eigene Bilanz der Deutschland-Tour. “Es hat großen Spaß gemacht”, lautete sein Fazit: “Es waren jeden Tag gute Rennen, alle sind aggressiv gefahren und für mich war es gut wieder einzusteigen.”

Plattform für die deutschen Profis

Für Thomas war die Deutschland-Tour das erste Rennen seit seinem Triumph in Frankreich. Seine Anwesenheit bei der ersten Ausgabe der Rundfahrt nach zehn Jahren Pause war ein große Ehre für ein Rennen, das im Ranking des Weltverbandes UCI nicht weit oben angesiedelt ist. Auch wenn es andere waren, die die Deutschland-Tour sportlich prägten. Der Gesamtsieger Matej Mohoric aus Slowenien etwa oder die beiden jungen deutschen Radprofis Nils Politt und Maximilian Schachmann, die am Ende Rang zwei und drei des Klassements belegten und je eine Etappe gewannen.

"Wir sehen, dass die deutschen Fahrer wie Nils Politt oder Maximilian Schachmann, die in der deutschen Öffentlichkeit noch nicht den Stellenwert haben wie die Fahrer, die schon eine Tour-de-France-Etappe gewonnen haben, diese Plattform nutzen", sagt Claude Rach, der Chef der Deutschland-Tour. Schachmann und Politt nutzten dabei den vom Sportlichen Leiter des Rennens Fabian Wegmann ausgeheckten Kurs, der eben jene von Thomas erwähnte aggressive Fahrweise förderte. Jede der vier Etappen bot deshalb packende Finals.

Großer Zuschauerzuspruch

Daran allerdings hatten die Veranstalter auch vorher ebenso wenig gezweifelt wie an einem reibungslosen organisatorischen Ablauf. "Wir wussten natürlich, wie man ein Radrennen veranstaltet", sagt Rach. Der 31 Jahre alte Luxemburger ist Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des Radsports, eines Tochterunternehmens der Amaury Sport Organisation (ASO), die viele wichtige Radrennen organisiert, darunter dieTour-de-France. Die Amtssprache hinter den Kulissen der Deutschland-Tour war deshalb französisch, das Personal teilweise das gleiche wie bei der großen Tour, inklusive der Dienstbekleidung.

Rach hatte sich im Vorfeld eher Sorgen gemacht, ob das deutsche Publikum die Rückkehr des Rennens nach zehn Jahren Pause goutieren würde, nachdem sich die deutsche Öffentlichkeit wegen der Dopingskandale seit 2006 vom Radsport angewidert abgewendet hatte. Der Zuschauerzuspruch sei die große Unbekannte gewesen, als man sich auf das "Abenteuer" eingelassen habe, sagt Rach. Nach den vier Tagen mit vielen, phasenweise wie in Stuttgart sogar sehr vielen Zuschauern konnte er auch diese Sorge beiseite legen. "Wenn man jetzt schon sieht, dass die Basis so ist, wie sie ist, kann man eigentlich nur positiv in die Zukunft blicken", meint Rach.

Hoffen auf Sponsoren

Für zehn Jahre hat sich die ASO in einem Vertrag mit dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) verpflichtet, mit der Deutschland-Tour dem Profiradsport in Deutschland eine neue, möglichst stabile Basis zu verschaffen. Der nächste Schritt soll deshalb nun die Einstufung der Deutschland-Tour in die Rennkategorie HC des Weltverbandes sein. Das ist die Stufe direkt unterhalb der World-Tour. Das soll vor allem dazu dienen, Sponsoren anzulocken. Denn wenn es etwas zu verbessern gebe, dann sei es vor allem das Interessen der deutschen Unternehmen am Radsport zu wecken, sagt Rach. Denn noch ist die Deutschland-Tour ein Zuschussgeschäft.

"Wir müssen Sponsoren gewinnen, wir müssen Partner gewinnen", sagt auch BDR-Präsident Rudolf Scharping. Dass der Aufstieg in die Kategorie HC gelingen wird, daran hat Rach keinen Zweifel. "Wir haben HC angefragt und ich wüsste nicht, warum das nicht erfolgreich sein soll", sagt Rach: "Von der Qualität der Fahrer, der Strecke, der Medienpräsenz sind wir besser ausgerichtet als viele World-Tour-Rennen."

Stars und Rahmenprogramm

Tatsächlich konnte die Deutschland-Tour ein prominent besetztes Fahrerfeld präsentieren aus dem neben Tour-de-France-Sieger Thomas, der Tourzweite Tom Dumoulin und der Franzose Romain Bardet herausstachen. "Die internationalen Fahrer haben verstanden, dass es um mehr geht als nur ein Radrennen zu fahren, sondern auch den Radsport in Deutschland wieder präsent zu machen", sagte Rach.

Auch das Konzept, das Profirennen in den Etappenorten in ein Rahmenprogramm einzubetten, wertete man als gelungen. Am Jedermann-Rennen in Stuttgart zum Abschluss nahmen mehr als 3.000 Teilnehmer teil. Auch die Kinderrennen in den Zielorten kamen gut an und sollen eine erste Verbindung zum Profisport bilden. "Das sind so die Initialzündungen, bei denen Karrieren entstehen. Wir haben ein Produkt, dass super ist - den Radsport", sagte Ralph Denk, Chef des deutschen World-Tour-Teams Bora-hansgrohe, dem Kölner Stadt-Anzeiger: "Diese Sportart kann man verfolgen und selbst ausüben. Wir haben auf jeden Fall Potenzial für die Zukunft."

Nach dem gelungenen Auftakt gehen BDR und ASO positiv gestimmt in die Vorbereitung der kommenden Ausgabe des Rennens. Die Strecke der Deutschland Tour 2019 soll im Frühjahr des nächsten Jahres feststehen. Wichtig sei, dass die Städte und Regionen, das Gesamtkonzept mit Innenstadtrunden und Rahmenprogramm unterstützen, sagt Rach: "Die Leute sollen nicht zum Radsport kommen, sondern der Radsport zu ihnen."

Stand: 27.08.2018, 09:59

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