Bahnrad-Weltcup in Berlin - Kluge zwischen den Schubladen

Roger Kluge (r.) mit seinem Partner Theo Reinhardt

Weltmeister startet im Madison

Bahnrad-Weltcup in Berlin - Kluge zwischen den Schubladen

Von Michael Ostermann

Roger Kluge ist einer der wenigen Radprofis, die im Winter von der Straße auf die Bahn wechseln. Sein Start beim Bahnrad-Weltcup in Berlin dient schon der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

Am Wochenende steht für Kluge eine intensive Trainingseinheit an. Der 32 Jahre alte Radprofi startet beim Bahnrad-Weltcup in Berlin. Aber natürlich rollt Kluge nicht nur mit im Oval des Berliner Velodroms. Schließlich trägt er das Regenbogentrikot des Weltmeisters im Madison, dem Zweier-Teamzeitfahren. Den Titel gewann er im Frühjahr an der Seite seines Partners Theo Reinhardt. Der Status des Weltmeisters verpflichtet, zumal es in Berlin auch um Punkte für die Olympiaqualifikation geht.

Madison zurück im Olympiaprogramm

Madison wird anders als 2016 in Rio 2020 wieder olympisch sein. Aus diesem Grund ist der Weltcup in Berlin vor allem ein wichtiges Training für die Medaillenjagd in Tokio. "Ich bereite mich jetzt schon auf die Spiele 2020 vor. Vielleicht habe ich die Form, um im Madison, im Omnium und in der Mannschaftsverfolgung antreten zu können", hat Kluge in diesen Tagen in einem Interview mit der Zeitung "Neues Deutschland" gesagt. Die Ambitionen für Olympia hat Kluge auch in seinem Profivertrag beim belgischen Team Lotto-Soudal festhalten lassen, für das er in der kommenden Saison auf der Straße fahren wird.

Kluge ist einer der wenigen Radprofis, die Bahn und Straße erfolgreich verbinden. Dafür schlüpft er in unterschiedliche Rollen. Auf der Bahn ist er ein medaillendekorierter Siegfahrer. 2010 war er im Madison schon Europameister, bei den Olympischen Spielen in Peking 2008 gewann er die Silbermedaille im Punktefahren. Auf der Straße dagegen rückt er meist ins zweite Glied, obwohl er 2016 eine Etappe des Giro d'Italia gewinnen konnte.

Sprints anfahren für Ewan

Doch seine Hauptrolle dort ist die des Helfers. In den vergangenen Jahren hat Kluge die Sprints für den Australier Caleb Ewan angefahren. Der 24-Jährige gehört zu einer jungen Sprintergeneration, die dabei ist, die Führung in den Massensprints zu übernehmen. Zu dieser Generation zählen auch der Kolumbianer Fernando Gaviria, der Niederländer Dylan Groenewegen und der Deutsche Pascal Ackermann.

Gaviria und Groenewegen haben beide schon Etappen bei der Tour de France gewonnen, Ewan hatte dagegen noch nicht die Gelegenheit, bei der Tour sein Können unter Beweis zu stellen. Das Team Mitchelton-Scott verzichtete im vergangenen Juli darauf, ihn nach Frankreich mitzunehmen, um dem Briten Adam Yates eine Mannschaft mit Blick auf die Gesamtwertung beiseite zu stellen.

Darum war auch für Kluge kein Platz im Kader. Ewan sprintet deshalb nun im kommenden Jahr für Lotto-Soudal, wo er André Greipel als Mann für die Sprintfinale ablöst. Seinen Anfahrer Kluge hat Ewan dorthin mitgenommen. "Ich wollte bei Caleb bleiben und er fragte, ob ich Lust hätte, mitzugehen. Zudem hatte Mitchelton Scott ohne Ewen für mich keine Verwendung mehr", hat Kluge diese Woche der "Bild-Zeitung" erklärt.

Bahn - Straße und zurück

Kluge weiß, dass ihm die Straße trotz aller Erfolge auf der Bahn mehr Aufmerksamkeit beschert. Zwei unterschiedliche Schubladen seien das, sagt er. Ein Touretappensieg sei für seine nahe Zukunft wichtiger als Gold bei Olympia. Soll heißen, seinen Lebensunterhalt finanziert ihm vor allem sein Vertrag als Radprofi.

Doch die Runden auf der Holzbahn bleiben eine zentrale Leidenschaft. Weshalb nicht nur der Weltcup in Berlin, seinem einzigen Weltcupstart in diesem Winter, sondern auch das Sechstage-Rennen in der Hauptstadt Ende Januar zu seinem Programm gehört. Zwischendurch wechselt er nochmal kurz die Schubladen: Mitte Januar startet er bei der Tour Down Under in Australien in die Straßensaison.

Zwei Podestplätze für Bahnrad-Asse in Berlin

Sportschau 30.11.2018 01:14 Min. Verfügbar bis 30.11.2019 ARD

Stand: 30.11.2018, 13:05

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