Weltreiterspiele - Dressur-Kür gestrichen

Sönke Rothenberger

Weltreiterspiele in Tryon

Weltreiterspiele - Dressur-Kür gestrichen

Es war Sönke Rothenberger nach seinem missglückten Grand Prix Special sofort anzusehen, dass er sich das doch alles ganz anders vorgestellt hatte. Der Dressur-Youngster war mit seinem Wallach Cosmo zu den Weltreiterspielen nach Tryon gekommen, um Einzel-Weltmeister zu werden. Doch statt Gold gab es für den 23-Jährigen nur Blech - und die Wiedergutmachung in der Kür muss ausfallen.

Wie der deutsche Equipe-Chef Klaus Roeser am Samstag (15.09.2018) mitteilte, fiel die Dressur-Kür bei den Weltreiterspielen in Tryon/North Carolina demTropensturm Florence zum Opfer. "Die Prüfung wird offiziell abgesagt", sagte Roeser.

Die abschließende Medaillenentscheidung in der Dressur hätte planmäßig am Sonntag stattfinden sollen. Am späten Freitagabend (Ortszeit) hatten die Organisatoren die Dressur-Kür und das Springen der Vielseitigkeit zunächst auf Montag verlegt, da für Sonntag schwere Regenfälle in der Gegend um Tryon prognostiziert wurden.

Dressur-Kür am Montag ein "veterinärmedizinisches No-Go"

Sämtliche europäischen Pferde sollten am Montag jedoch schon wieder den Flug in die Heimat antreten. Die Kür vorher am Montag durchzuführen, wäre "aus veterinärmedizinischen Gründen ein No-Go", erklärte Roeser.

"Wir können kein Pferd in eine Prüfung gehen lassen, um es anschließend in einen Flieger zu stellen. Das ist in keinster Weise vertretbar, das Risiko kann und darf auch keiner eingehen." Sowohl das britische als auch das US-amerikanische Team hatten sich für eine Absage ausgesprochen. "Und damit auch wir, weil wir werden nicht reiten, wenn zwei der anderen starken Nationen nicht an den Start gehen", erklärte Roeser.

Im Vorfeld waren mehrere Ausweichmöglichkeiten diskutiert worden. Doch die Option, die Kür schon am Samstagabend im kleinen WM-Stadion auszutragen, war unter anderem wegen fehlender Fernsehkameras verworfen worden, berichtete Roeser. Auch die Reining-Halle kam als alternativer Austragungsort wegen des Bodens und fehlender Trainingsmöglichkeiten nicht infrage.

Kein drittes Gold für Dressur-Königin Werth

Die Dressur war in Tryon ein deutscher Medaillengarant. Am Donnerstag holte die Mannschaft von Bundestrainerin Monica Theodorescu souverän zum zwölften Mal den WM-Titel in der Nationenwertung, am Freitag legte die sechsmalige Olympiasiegerin Isabell Werth auf ihrem "Traumpferd" Bella Rose Gold im Grand Prix Special nach.

"Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust", kommentierte Werth die Absage: "Ich wäre die Kür sehr gerne geritten." Die 49-Jährige zeigte aber auch Verständnis für die Absage. "Auf der anderen Seite ist es natürlich richtig so, es wäre ein zu großes Risiko gewesen."

Werth wäre auch in der Kür Top-Favoritin auf ihr drittes Gold bei den Weltreiterspielen gewesen. Für den mit großen Ambitionen gestarteten Rothenberger fiel mit der Absage auch die Chance zur Wiedergutmachung aus, nachdem der Bad Homburger im Grand Prix Special nur auf einem ernücherternden vierten Platz landete - und sich Isabell Werth deutlich geschlagen geben musste.

Rothenberger: "Enttäuschung natürlich groß"

"Die Enttäuschung ist natürlich groß, weil wir uns ein bisschen mehr erhofft hatten", sagte der Bad Homburger nach seinem vierten Platz zerknirscht. Klar, der Titel mit der Mannschaft am Tag zuvor war ein Riesenerfolg, doch die Goldmedaille im Einzel lachte ihn doch ein bisschen mehr an. Die ging im Special aber an Isabell Werth mit ihrer Traumstute Bella Rose - die Dressur-Königin, die Rothenberger in Tryon eigentlich vom Thron stoßen wollte.

Forsch, selbstbewusst und ohne Angst vor großen Namen - so hatte sich Rothenberger noch vor dem WM-Start präsentiert. "Ich will am Ende, wenn alles gut geht, Weltmeister werden. Da ist es egal, wer startet", sagte der Vize-Europameister. Und: "Ich weiß: Wenn Cosmo fehlerfrei und gut geht, kann er jeden schlagen."

Und genau dies gelang dem Paar nun nicht, dabei ist der Special eigentlich die Lieblingsprüfung des elfjährigen Wallachs. Doch diesmal patzte Cosmo in den Einerwechseln, normalerweise eine sichere Bank. "Hätte ich die Fehler nicht gehabt und wären die Kleinigkeiten dazwischen noch präziser gewesen", meinte Rothenberger jedoch, "dann wäre denke ich auch noch viel mehr drin gewesen als nur eine Medaille, in Anführungsstrichen." Also selbst die sagenhaften 86,246 Punkte von Bella Rose und Werth, zu denen Rothenberger und Cosmo fast fünf Punkte fehlten? "Ja definitiv", sagte der Team-Olympiasieger von Rio überzeugt: "Ich denke, dieses Pferd hat es eigentlich verdient, eine Einzel-Goldmedaille zu gewinnen, allein von seiner Grundqualität im Vergleich zu anderen Pferden her."

Zwischen Selbstvertrauen und Arroganz

Es sind Aussagen wie diese, die Rothenbergers immenses Selbstbewusstsein unterstreichen - die ihm aber auch auf die Füße fallen, wenn wie im Special nicht alles nach Wunsch klappt. So hatte er im Sommer schon eine großspurige Kampfansage an Werth geschickt. "Isabell weiß, dass sie sich zu hundert Prozent anstrengen muss, um uns zu schlagen", tönte er.

Diese ließ sich jedoch auf keine Spielchen ein und lieferte stattdessen in Tryon auf den Punkt ab. Rothenberger brachte hingegen seine Spitzenleistung im entscheidenden Moment nicht auf das Viereck. Aber eine Chance bleibt ja noch, es besser zu machen. Die Zuversicht ist bei Rothenberger jedenfalls schon wieder da. "Ich liebe meine Kür wirklich", blickte er voraus, "und ich kann es kaum erwarten, sie zu reiten."

Vielseitigkeitsreiterin Klimke greift nach Gold

Die Equipe der deutschen Vielseitigkeitsreiter hat sich unterdessen in Tryon in eine glänzende Ausgangslage gebracht. Am zweiten Tag der Dressur überzeugte Europameisterin Ingrid Klimke auf Hale Bob mit 23,3 Punkten. Es war die bis dahin zweitbeste Wertung nach ihrer Teamkollegin Julia Krajewski auf Chipmunk (19,9).

"Ich bin sehr zufrieden", sagte Klimke und blickte auf die letzte Disziplin am Montag voraus: "Ich weiß, dass Bobby ein guter Springer ist. Von daher freue ich mich auf das Abschlussspringen."

Zurückgefallen ist hingegen Julia Krajewski (Warendorf). Die nach der Dressur noch führende deutsche Meisterin fiel beim anspruchsvollen Geländeritt aus der Spitzengruppe, nachdem ihr Wallach Chipmunk an einem Hindernis verweigert hatte. Auch in der Nationenwertung verlor die deutsche Equipe zunächst die Führung und liegt vor dem Springen auf Rang sechs. Diesen muss die Equipe auch halten, um bereits die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 zu schaffen.

Bereits ausgeschieden ist hingegen Weltmeisterin Sandra Auffarth (Ganderkesee). Die Titelverteidigerin, die in Tryon nur als Einzelreiterin an den Start gegangen war, gab nach Problemen mit ihrem Hengst Viamant du Matz an den Wasserhindernissen auf.

Nach den wetterbedingten Absagen soll die Entscheidung um die Medaillen in der Vielseitigkeit mit dem abschließenden Springen weiterhin am Montag fallen, der Rückflug der Buschpferde ist erst für Dienstag geplant. Allerdings werden auch am Montag heftige Regenfälle erwartet.

Thema in: Sport aktuell, Deutschlandfunk, 15.09., ab 22.50 Uhr

sid/dpa | Stand: 15.09.2018, 21:55

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