Springreiterin Simone Blum gewinnt WM-Gold

Weltreiterspiele in den USA

Springreiterin Simone Blum gewinnt WM-Gold

Simone Blum hat die Nerven behalten. Als letzte Starterin ritt die 29 Jahre alte Springreiterin ins WM-Finale - und sicherte sich im US-amerikanischen Tryon mit einer famosen Runde die Goldmedaille.

Auf ihrer Stute Alice feierte sie am Sonntag (23.09.2018) den ersten deutschen Einzelerfolg seit 1994. Fünf Mal ritt die Reiterin aus dem bayerischen Zolling in Tryon ohne Abwurf, das gelang sonst niemand. Zweiter wurde der Schweizer Martin Fuchs mit Clooney vor seinem Landsmann Steve Guerdat mit Bianca. 

Viel Lob für Stute Alice

Martin Fuchs (l, Silber), Simone Blum und Steve Guerdat.

Martin Fuchs (l, Silber), Simone Blum und Steve Guerdat.

Der Präsident des Reiterverbandes FN war unabhängig vom Ausgang voll des Lobes über Blum. "Wie sie hier reitet, ist unglaublich", sagte Breido Graf zu Rantzau und schwärmte von dem neuen Top-Paar, das vor einem Jahr bei der EM noch das Reserve-Duo war: "Das Pferd ist unglaublich, und die Reiterin macht es immer besser." Auch Blum lobte ihr Pferd. "Je höher ein Springen ist, desto mehr Freude hat sie daran", sagte sie über die elfjährige Stute, die sie innerhalb eines Jahres in die Weltspitze getragen hat. "Das Rundum-Paket stimmt bei ihr."

"Simone ist der Hammer, wie die hier geritten ist", kommentierte Bundestrainer Otto Becker den ersten WM-Auftritt der jungen Frau. Einmal Edelmetall hatte die WM-Debütantin vorher schon gewonnen, die Bronzemedaille aus dem Team-Wettbewerb. Blum war mit Alice erst spät in die Saison gestartet. "Sie hatte sich blöd verletzt", berichtete die Reiterin. "Wir haben ihr ein bisschen mehr Zeit gegeben, damit es richtig ausgeheilt ist."

Gute Chancen bei Olympia in Tokio

Der geplante Start bei den deutschen Meisterschaften in Balve fiel für sie aus. 2017 hatte sie dort noch den Titel gewonnen. Die bayerische Reiterin hatte in den USA das nach Ansicht vieler Experten beste Pferd unter dem Sattel - was Alice angesichts der Olympischen Spiele in zwei Jahren in Japan heiß begehrt macht. Doch verkauft wird die Stute nicht, trotz Angeboten von mehreren Millionen Euro. "Sie wird in jedem Fall bei uns alt werden", sagte Blum. "Alice stand nicht zum Verkauf und wird nicht zum Verkauf stehen. Sie wird bis zum Ende bei uns bleiben."

Für Blum hat es sich ausgezahlt, dass sie sich nach dem Master-Studium in Chemie und Biologie vor zwei Jahren auf den Sport konzentriert und kein Referendariat absolviert hat. "Das lässt sich mit dem Reiten nicht vereinbaren", erklärte sie: "Wir haben uns selbstständig gemacht, im Moment steht der Reitsport im Vordergrund." Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Hans Günther Goskowitz betreibt Blum einen Sportstall im oberbayerischen Landkreis Freising . 

Team-Bronze holten auch Marcus Ehning aus Borken und Laura Klaphake aus Mühlen, die am Sonntag in der ersten Runde des Einzelfinales allerdings ausschieden und nicht in den Schlussdurchgang der besten Zwölf kamen. Ehning kassierte mit Pret A Tout acht Strafpunkte und kam auf Platz 15. Klaphake hatte mit Catch me if you can einen Abwurf und beendete ihre erste WM auf Rang 14. "Ich bin trotzdem zufrieden", sagte Klaphake. "Es ist zwar schade, dass noch ein Fehler passiert ist, aber es war insgesamt eine tolle Woche. Und ich reise trotzdem froh mit einer Medaille nach Hause."

Ehning: "Mit einem guten Gefühl nach Hause"

Routinier Ehning war trotz der Patzer am Sonntag mit seinem Pferd zufrieden. "Er ist heute super gesprungen", kommentierte Ehning seine zwei Abwürfe. "Das ist aber natürlich ein bisschen ärgerlich, für mich persönlich wäre hier heute noch mehr möglich gewesen." Sein Fazit fällt angesichts der Bronze-Medaille mit der Mannschaft aber ebenfalls versöhnlich aus: "Ich gehe mit einem guten Gefühl nach Hause."

sid/dpa | Stand: 22.09.2018, 21:05

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