Sexueller Missbrauch: Reiter-Verband FN ändert seine Regeln

Reitsport

Härtere Strafen für Sexual-Straftäter im Pferdesport

Sexueller Missbrauch: Reiter-Verband FN ändert seine Regeln

Von Andrea Schültke

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat Anfang Mai mehrere Maßnahmen gegen Alkoholmissbrauch und sexuelle Übergriffe veröffentlicht. Unter anderem geht es um sexuellen Missbrauch. Ist ein Reiter hier zum Täter geworden, kann die FN ihm künftig die Jahresturnierlizenz "für einen bestimmten Zeitraum verweigern oder entziehen".

Eine empfindliche Sanktion, denn ohne Turnierlizenz keine Teilnahme an Wettbewerben und damit mögliche Umsatzeinbußen. In seiner Pressemitteilung betont der Verband ausdrücklich, "dass solche Verstöße auch dann nach geltendem Verbandsrecht geahndet werden, wenn sie sich außerhalb eines Turniers ereignen".

 "Anscheinend ist ein Ruck durch die FN gegangen", meint Rechtsanwältin Kerstin Bartsch. Denn die Regeländerung geht zurück auf einen Fall, in dem sie viele Schreiben an den Verband gerichtet hat. Und dieser lange nicht handelte.

Straftäter reitet weiter auf Turnieren

Rückblick: Im Februar hatte die Disziplinarkommission der FN einem rechtskräftig verurteilten Sexualstraftäter die Turnierlizenz für das laufende Jahr verweigert. Der Mann hatte seine zur Tatzeit 13-jährige Reitschülerin mehrfach schwer sexuell missbraucht. Die Familie erstattete Anzeige, der Mann wurde verurteilt.

Nach dem Urteil im Mai 2017 hatte die FN dem Mann zwar die Trainerlizenz entzogen - nicht aber die viel wichtigere Jahresturnierlizenz. Die Folge: Der zu einer mehr als vierjährigen Haftstrafe Verurteilte bekam bereits nach einem Jahr Haft Ausgang und ritt wieder auf Turnieren. Dort hätte er auf sein Opfer treffen können.

Worte ohne Wert sport inside 05.12.2018 09:43 Min. Verfügbar bis 05.12.2019 WDR

"Sport inside" berichtete

Über diese Entwicklung hatte Kerstin Bartsch, die Anwältin der Familie, den Verband auf dem Laufenden gehalten. Der tat sich mit einer empfindlichen Sanktion des verurteilten Sexualstraftäters zunächst schwer. Erst die Hartnäckigkeit der Familie und die Berichterstattung von "Sport inside" führten zu einer Lizenzverweigerung für das laufende Jahr. Damals sah die FN ihre Sanktionsmöglichkeiten ausschließlich auf Übergriffe auf einem Turnier beschränkt. Aus dem Urteil gegen den Reitlehrer ging hervor, dass mindestens einer der Übergriffe auf einem Turnier stattgefunden hatte. Erst der Hinweis darauf bewegte die FN schließlich zum Handeln.

Zuständigkeit auch außerhalb von Turnieren

In der Regeländerung von Anfang Mai hat der Verband nun ausdrücklich auch eine Zuständigkeit außerhalb von Turnieren formuliert. Für Rechtsanwältin Kerstin Bartsch "ein wichtiger Fortschritt". Denn die Beziehung der Reiterinnen zum Reitlehrer werde im Training aufgebaut und das sei schließlich die Vorbereitung auf den Wettkampf. Wenn es zu sexuellen Übergriffen komme, dann eher im Training.

"Wir freuen uns sehr, unser Einsatz wurde belohnt", so die Mutter der Betroffenen gegenüber "Sport inside". "Jetzt sind wir gespannt, welche Auswirkungen diese Regeländerung in der  Praxis dann tatsächlich hat." Das könnte sich bereits zum Jahresende zeigen, wenn der Verurteilte kurz vor seiner möglichen Haftentlassung eine neue Turnierlizenz beantragt.

Stand: 29.05.2019, 09:00

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