Deutsche Springreiter wahren Chancen im Nationenpreis

Der deutsche Reiter Daniel Deußer auf Tobago überspringt ein Hindernis.

Reit-EM in Rotterdam

Deutsche Springreiter wahren Chancen im Nationenpreis

Die deutschen Springreiter haben nach dem ersten Tag des Nationenpreises bei der EM gute Titelchancen. Von Platz zwei aus geht es am Freitag in die Entscheidung.

In der VIP-Lounge vergaß Ludger Beerbaum Häppchen und Schampus. "Das war sehr spannend und bleibt sehr spannend, noch ist alles drin", sagte der viermalige Olympiasieger, nachdem die letzte Nullrunde von Daniel Deußer die deutschen Springreiter bei der EM in Rotterdam im Rennen um den Mannschaftstitel gehalten hatte.

Nullrunden-"Maschine" Alice liefert

Dicht hinter den führenden Belgiern geht die deutsche Equipe am Freitag (23.08.2019) in die zweite Halbzeit des Nationenpreises, und Bundestrainer Otto Becker musste sich nach dem ersten Umlauf "erst mal ein bisschen beruhigen. Die Nullrunde von Daniel hält uns im Geschäft", sagte Becker: "Ohne die wäre es schwer geworden."

Dabei hatte die deutsche Mannschaft im ersten Umlauf zunächst dort weitergemacht, wo sie mit vier fehlerfreien Ritten im Zeitspringen am Mittwoch aufgehört hatte. Weltmeisterin Simone Blum und ihre Nullrunden-"Maschine" Alice kamen erneut fehlerfrei durch den Parcours, in dem die Hindernisse zehn Zentimeter höher waren als am Vortag. Sie genieße jeden einzelnen Moment, sagte Blum: "Ich bin super glücklich." Becker nannte die Leistung von Blum und ihrer Alice überragend: "Du brauchst solche herausragenden Paare, wenn du was gewinnen willst."

Ahlmann und Ehning patzen zwei Mal

Von diesen herausragenden Paaren hat Deutschland durchaus noch mehr, aber Christian Ahlmann mit dem Schimmelhengst Clintrexo und dann auch Marcus Ehning mit seinem kleinen Wirbelwind Comme il faut patzten jeweils zweimal. "Sie sind gut geritten", sagte Becker: "Das sind Fehler, die passieren. Es gehört natürlich immer auch ein bisschen Glück dazu, damit eine wackelnde Stange liegen bleibt."

Bei Ahlmann und Ehning fielen die Stangen gleich viermal, was vor allem Ehning überhaupt nicht verstehen konnte. "Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich zuletzt in einem Parcours zwei Steilsprünge gerissen habe", sagte der Routinier: "Das waren Fehler, die gar nicht zu meinem Pferd passen." Und so lag es am Ende an Daniel Deußer und seinem ebenfalls nicht sonderlich großen Fuchshengst Tobago, die Chancen seiner Mannschaft am Leben zu halten. Deußer lieferte, obwohl die obere Planke an einem Hindernis bedrohlich wackelte. "Das ist es, was ich meine", sagte Otto Becker: "Daniel hatte zum richtigen Zeitpunkt genau das Glück, das er brauchte."

Brite Maher übernimmt Führung in der Einzelwertung

Am Freitag starten die zehn besten Teams in den zweiten Umlauf. In der Einzelwertung liegen Deußer und Blum auf den aussichtsreichen Plätzen vier und sechs. Die besten 25 Reiter qualifizieren sich für das Einzelfinale am Sonntag. Ahlmann (20.) und Ehning (24.) müssen im zweiten Umlauf ihre Chancen nutzen. Es führt der Brite Ben Maher, Europameister Peder Fredricson (Schweden) fiel mit einem Abwurf auf Platz acht zurück. Zuletzt holte eine deutsche Springreiter-Equipe bei der EM 2011 in Madrid den Titel. 2015 in Aachen reichte es immerhin noch zu Platz zwei hinter Großbritannien, 2017 in Göteborg wurde Deutschland Fünfter. Bis dato letzte deutsche Europameisterin war 2007 Meredith Michaels-Beerbaum.

sid | Stand: 22.08.2019, 15:06

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