Reiter wollen bei der WM sportliche Schlagzeilen machen

Sönke Rothenberger jubelt auf Cosmo

Weltreiterspiele

Reiter wollen bei der WM sportliche Schlagzeilen machen

Bei den Weltreiterspielen im US-amerikanischen Tryon (11. bis 23.09.2018) will die deutsche Reit-Equipe nach den Skandalen um Alkoholexzesse und sexuelle Übergriffe wieder positive sportliche Schlagzeilen schreiben.

Vor dem Start der WM in North Carolina trübten Skandale um Jungreiter die Stimmung in der deutschen Mannschaft. Die WM kommt nun aus deren Sicht gerade recht, um die negativen Schlagzeilen durch sportliche Glanzleistungen zu überstrahlen.

"Belastende Situation" soll sportliche Leistungen nicht beeinträchtigen

"Natürlich wird hier vor Ort im Team darüber gesprochen", sagte Dennis Peiler, Chef der Mission der deutschen Equipe in Tryon. Eineinhalb Wochen vor der WM hatte der Spiegel über junge Springreiter aus dem Nationalkader berichtet, die unter Alkoholeinfluss auf Turnieren junge Mädchen gefügig und sexuell missbraucht haben sollen.

"Obwohl das für den Verband eine belastende Situation ist, bin ich davon überzeugt, dass dies keinerlei Auswirkungen auf die sportlichen Leistungen unserer Reiter, Fahrer und Voltigierer haben wird", sagte Peiler: "Alle werden ihr Bestes geben, hier in Tryon für erfreuliche Schlagzeilen zu sorgen."

Missbrauch nach KO-Tropfen WDR aktuell 31.08.2018 01:44 Min. Verfügbar bis 31.08.2019 WDR

Am besten funktioniert so etwas erfahrungsgemäß mit Medaillen - noch wichtiger wäre aber aus Sicht der Verantwortlichen, die Zukunft mit guten Ergebnissen abzusichern: "Oberste Priorität hat für uns die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Das bedeutet für die olympischen Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit eine Platzierung unter den besten sechs Mannschaften", so Peiler. Zudem wolle man "natürlich an die Erfolge zurückliegender Weltreiterspiele anknüpfen und uns im Medaillenspiegel unter den besten drei Nationen behaupten".

Reit-WM - Deutsches Team möchte nach Medaillen greifen

Sportschau 11.09.2018 01:16 Min. Verfügbar bis 11.09.2019 ARD

Fakten zu den Weltreiterspielen

  • Seit 1990 werden die Weltmeisterschaften sämtlicher Disziplinen bei den Weltreiterspielen ausgetragen.
  • Neben Springen, Dressur und Vielseitigkeit werden auch im Voltigieren, Distanzreiten, Westernreiten, Vierspännerfahren und in der Para-Dressur Medaillen vergeben.
  • 51 Pferde, 47 Reiter, Fahrer und Voltigierer aus Deutschland werden an den Spielen teilnehmen.
  • Die ersten Medaillen werden am 13. September im Teamwettkampf der Dressur vergeben. Einen Tag darauf folgt die erste Einzel-Entscheidung im Grand Prix Special, am 16. September geht es in der Kür um Gold.
  • Die Entscheidung im Mannschaftswettbewerb der Springreiter fällt am 21. September. Zum Abschluss der WM am 23. September geht es um Medaillen im Einzel.
  • Aufgrund der Zeitverschiebung von sechs Stunden fallen viele Entscheidungen zu deutscher Zeit am späten Abend oder in der Nacht.

Erste Medaillenchancen in der Dressur

Die erste große Medaillenchance bietet sich den Dressurreitern. Sowohl in den beiden Einzel-Konkurrenzen als auch in dem am Mittwoch (12.09.2018) beginnenden Teamwettkampf führt der Weg zu Gold auf dem Viereck nur über die deutschen Paare.

"Für uns geht es zunächst um die Teamwertung. Dort ist Gold unser Traum", sagte Isabell Werth. Die sechsmalige Olympiasiegerin mit ihrer Wunderstute "Bella Rose" und Mannschafts-Olympiasieger Sönke Rothenberger mit "Cosmo" sind zudem die beiden großen deutschen Hoffnungen in den Einzel-Wettbewerben.

"Frisches Blut" bei den Springreitern

Für die Springreiter wird es erst in der zweiten Woche ernst. Bundestrainer Otto Becker nominierte vor allem "frisches Blut": Simone Blum (29), Laura Klaphake (24) und Maurice Tebbel (24) - einzig Routinier Marcus Ehning (44) verfügt über WM-Erfahrung. Für Becker jedoch kein Problem. "Unser Ziel ist ganz klar eine Medaille", sagte er schon vor dem CHIO in Aachen im Juni. Mit dem überraschenden Sieg im Nationenpreis in der Soers bewies die junge Equipe bereits, dass sie auch unter Druck bestehen kann.

Eine große Lücke müssen hingegen die Vielseitigkeitsreiter stopfen. Der dreimalige Olympiasieger Michael Jung wird Bundestrainer Hans Melzer wegen einer Verletzung seiner Stute Rocana fehlen. "Für unser Team ist das natürlich ein ganz herber Verlust", bedauerte Melzer: "Das ist nicht zu ersetzen." Seit der EM 2009 hatte Jung an jedem Großereignis teilgenommen und Medaillen gewonnen. Nun ruhen die Hoffnungen auf Europameisterin Ingrid Klimke und Aachen-Siegerin Julia Krajewski.

sid/red | Stand: 11.09.2018, 08:35

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