Skandal bei Olympia-Qualifikation im Pferdesport aufgedeckt

Mathilda Karlsson

Vor den Olympischen Spielen in Tokio

Skandal bei Olympia-Qualifikation im Pferdesport aufgedeckt

Knapp fünf Monate vor den Olympischen Spielen hat der Reitsport-Weltverband FEI einen Skandal aufgedeckt und dabei eigene Fehler zugegeben. Beim Kampf um Startplätze für die Spiele in Tokio wurde bei mehreren Turnieren manipuliert.

"Es ist ein gutes Zeichen, dass es rausgekommen ist", sagte Soenke Lauterbach. Der Generalsekretär der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN kommentierte die aufgeflogenen Mauscheleien: "Mit Fairplay und dem olympischen Gedanken hatte das nicht so viel zu tun."

Ähnlich sieht es der FN-Präsident. "Ich will bestimmten Reitern keine Vorwürfe machen, aber irgendeiner wollte da betrügen", kommentierte Breido Graf zu Rantzau: "Das macht ja keiner aus Lust und Laune. Gut, dass auch die FEI ihre Fehler eingesehen hat."

Ergebnisse "aus Versehen anerkannt"

Nach Protesten von verschiedenen Verbänden und Reitern hatte die FEI in den vergangenen Wochen Turniere in Frankreich und in Syrien untersucht. Dabei fiel ein Trick auf, um Punkte für die Olympia-Qualifikation zu ergattern.

"Die Untersuchung der drei Turniere in Villeneuve-Loubet im Dezember 2019 hat ergeben, dass entgegen der FEI-Regularien zwei Prüfungen nach Nennungsschluss hinzugefügt wurden, die für die Olympische Rangliste und die Weltrangliste zählten", teilte die FEI mit. Und sie gab zu: "Die aktualisierten Zeiteinteilungen der drei Turniere wurden aus Versehen von der FEI anerkannt."

Prüfungen für elitären Kreis

Der Trick war, dass nur informierte Reiter sich für die entsprechenden Prüfungen anmeldeten. Diese Wettkämpfe wurden bewusst für "einen kleinen Kreis organisiert, damit bestimmte Reiter Punkte sammeln können", erklärte der FN-Generalsekretär. Bei einer dieser Prüfungen waren beispielsweise nur fünf Paare am Start.

Der gleiche Trick wurde im Januar 2020 bei drei weiteren Turnieren in Villeneuve-Loubet genutzt. Auch die dort erzielten Ergebnisse wurden nun nach FEI-Angaben "entfernt", die Reiter verlieren ihre dort gewonnen Punkte.

Mathilda Karlsson aus Schleswig-Holstein betroffen

Davon betroffen ist Mathilda Karlsson, die in Grönwohld in Schleswig-Holstein lebt. Die 35 Jahre alte Schwedin, die seit drei Jahren für Sri Lanka startet, war in Villeneuve-Loubet am Start, und das Gestüt Grönwohldhof vermeldete noch am Dienstag (18.02.2020) auf der Internetseite die erfolgreiche Olympia-Qualifikation. Nach der Neuberechnung der Punkte sind aber nun zwei der 13 Einzel-Startplätze für Tokio an Taiwan und Hongkong gegangen - nicht an Thailand und Sri Lanka.

dpa | Stand: 18.02.2020, 13:23

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