Galoppsport - mit Karacho in die Krise

Pferde starten auf der Horner Rennbahn

Pferdesport mit Problemen

Galoppsport - mit Karacho in die Krise

Von Oliver Jensen

Rennbahnen kämpfen um das Überleben. Die Wetteinnahmen sind um mehr als 75 Prozent gesunken. Der deutsche Galoppsport steckt in einer Krise, hat sich aber noch nicht aufgegeben.

Bleibt die Galopprennbahn in Bremen erhalten oder nicht? Am 26. Mai haben die Bürger per Volksentscheid die Wahl. Die rot-grüne Regierungskoalition würde das 36 Hektar große Areal gerne für den Wohnungsbau nutzen.

Bremen, Frankfurt, Neuss - Rennbahnen vor dem Aus

Jan Antony Vogel, Geschäftsführer des Direktorium für Vollblutzucht und Rennen e.V., weiß, dass die großen Rennbahnen den Politikern ein Dorn im Auge sind – nicht nur in Bremen. "Das Problem ist, dass die Städte so ein zentral gelegenes Gelände oft gerne anderweitig nutzen möchten“, sagt er im Gespräch mit sportschau.de.

Auch die Galopprennbahn in Neuss kämpft ums Überleben. In Frankfurt hat der Pferdesport den Kampf bereits verloren: Auf dem Gelände der alten Galopprennbahn entsteht das Leistungszentrum des Deutschen Fußball Bundes.   

Online-Wetteinnahmen gehen am Pferdesport vorbei

Peter Schiergen

Peter Schiergen

Der deutsche Galoppsport steckt in einer Krise. Nicht nur weil Bahnen geschlossen werden, sondern vor allem weil die Wetteinnahmen sinken. Zwar gibt es in Deutschland noch immer viele Menschen, die beim Pferderennen ihren Tipp abgeben.  Das tun sie allerdings nicht am Wettschalter, sondern lieber im Internet. Das Geld geht also am Pferdesport vorbei. "Wir machen das Produkt und die anderen leben davon“, sagt Trainer Peter Schiergen.

Vogel erklärt: "Vor der Einführung der Online-Wetten haben wir über 100 Millionen Euro im Jahr eingenommen. Im Jahre 2018 betrug der Umsatz noch 25.405.249 Euro.“ Besonders ärgerlich für die deutschen Rennvereine: Haben die Online-Wettanbieter ihren Sitz im Ausland, und das trifft auf die meisten zu, werden sie nicht einmal an den Steuereinnahmen beteiligt.

Weniger Zuschauer an der Bahn

Auch die Zuschauerzahlen bewegen sich nicht auf dem früheren Niveau. Das Deutsche Derby in Hamburg, das wichtigste Rennen im deutschen Galoppsport, wurde im vergangenen Jahr von 20.000 Zuschauern besucht. In den 1990er Jahren waren rund 50.000 Zuschauer die Regel. Das schreckt auch Sponsoren ab.

Der Gesamtumsatz des Hamburger Rennclubs ist nur noch halb so hoch wie in den 1990er Jahren. Hätte Kaffee-Millionär Albert Darboven nicht finanziell ausgeholfen, hätte dem Derby in Hamburg das Aus gedroht.

In anderen Ländern wie Frankreich, England, Japan oder China ist der Galoppsport weiterhin lukrativ - trotz der Konkurrenz durch die Online-Wetten. Vogel nennt die Gründe: "Das Publikum ist in diesen Ländern insgesamt wettfreudiger. Zudem fließen mehr Einnahmen in den Pferdesport zurück, und es gibt mehr Renntage.“     

Höhere Wettgewinne, mehr Umsatz?

Mit verschiedenen Maßnahmen möchte der deutsche Galoppsport zurück auf die Erfolgsspur finden. Seit diesem Jahr werden bei den Sieg- und Platzwetten 85 statt der bisherigen 77 Prozent der Wetteinnahmen an die Gewinner ausgezahlt. Durch die höhere Gewinnausschüttung sollen mehr Menschen dazu motiviert werden, wieder auf der Rennbahn zu wetten. "Wir spüren bereits nach den ersten Renntagen, dass der Wettumsatz signifikant steigt“, sagt Vogel. 

Zudem ist er zuversichtlich, dass die Rennwettsteuer-Rückerstattung so verändert wird, dass der deutsche Galoppsport auch an den Steuereinnahmen durch ausländische Wettanbieter auf inländische Veranstaltungen beteiligt wird. Das würde für die deutschen Rennvereine 1,5 Millionen Euro im Jahr bringen.

Vor allem aber setzen die deutschen Rennvereine nicht nur auf das Wettpublikum. Der Galoppsport möchte mit einem bunten Rahmenprogramm, von der Hüpfburg bis zum Bobbycar-Parcours, ein Familienevent sein. "Mehr auf Familien zu setzen, hat sich bewährt. Das zeigt sich mittlerweile auch an den Zuschauerzahlen“, so Vogel.

Allerdings lässt sich das nur umsetzen, wenn die Rennbahnen erhalten bleiben – zum Beispiel in Bremen.  

Stand: 19.03.2019, 06:00

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