Schaffelhuber vor WM entspannt wie selten

Anna Schaffelhuber

Parasport | Ski-alpin-WM

Schaffelhuber vor WM entspannt wie selten

Anna Schaffelhuber fühlt sich vom Druck der vergangenen Jahre befreit und blickt der WM entspannt entgegen. Weitere Pläne 2019: Uni-Abschluss, Hochzeit und Hausbau.

So hatte man Anna Schaffelhuber noch nicht gesehen: Ausgelassen bejubelte die Monoskifahrerin bei den Spielen in Pyeongchang ihre sechste Goldmedaille bei Paralympics. Für die 25-jährige Regensburgerin war es eine Befreiung. Die fünf Titel von Sotschi 2014 hatten Erwartungsdruck ausgelöst, waren auch zur Last geworden. Doch in Korea bestätigte Schaffelhuber ihre Leistung – und blickt nun entspannt wie selten zuvor auf die Weltmeisterschaften im Para-Ski-alpin im slowenischen Kranjska Gora sowie im italienischen Sella Nevea (21. Januar bis 1. Februar).

Inzwischen macht Schaffelhuber aus ihrer Gefühlslage vor den Paralympics kein Geheimnis mehr. Sie gibt zu: "Ich habe mir die Situation schöngeredet, um mir selbst etwas den Druck zu nehmen." Sie erklärt: "Vorfreude auf die Spiele war bei mir nicht wirklich vorhanden. Ich hatte Respekt vor der Situation." Über die vier Jahre habe sich schon Druck aufgebaut, so Schaffelhuber. In Sotschi jubelte sie fünfmal, gewann in allen Rennen Gold und krönte sich selbst zur Königin des paralympischen Wintersports – mit gerade einmal 21 Jahren. Die Athletin des TSV Bayerbach sagt: "In Sotschi bin ich das Beste eingefahren, was ich mir vorstellen konnte. Doch so schön es war, so groß war auch die Aufgabe, die sich daraus ergeben hat."

Schaffelhubers Druck entlädt sich beim Abfahrtsgold

Anna Schaffelhuber

Anna Schaffelhuber

Gold-Anna schrieb Geschichte, wurde in zehn Tagen zum Gesicht des Behindertensports in Deutschland, hatte Auftritte im Fernsehen, bei Empfängen und Galas. Doch neben der gestiegenen Bekanntheit und dem Trubel war da noch ihr sportlicher Ehrgeiz. Die Weltbehindertensportlerin von 2015 erklärt: "Ich wollte unbedingt die Erfolge bestätigen und noch eine Goldmedaille holen. Das war das große Ziel. Ich wollte zeigen, dass ich keine Eintagsfliege bin."

Deswegen auch der Jubel, als sie gleich am ersten Wettkampftag in der Abfahrt zu Gold raste: "In diesem Moment hat sich alles entladen. Dieser Sieg war für meine Familie, die mich auch nach Südkorea wieder begleitet hat und mich seit Jahren so unterstützt." Die Goldmedaille habe ihr den Druck genommen. "Doch ich wusste auch: Wenn ich diesmal kein Gold hole, dann hat das in der Öffentlichkeit nicht gerade eine schöne Außenwirkung. Ich wollte nicht, dass es dann heißt, dass ich über den Zenit hinaus bin", berichtet die querschnittgelähmte Monoskifahrerin. Auf Gold in der Abfahrt folgten der Titel im Super-G und Silber in der Super Kombination. Im Slalom und im Riesenslalom verpasste die 25-Jährige das Podium als Vierte und Fünfte knapp. Schaffelhuber sagt: "Ich bin absolut zufrieden. Im Sommer bin ich dann etwas zur Ruhe gekommen, konnte resümieren und habe für mich einen großen Haken gemacht."

Schaffelhubers Jahr: WM, Uni-Abschluss, Hochzeit, Hausbau

Anna Schaffelhuber

Anna Schaffelhuber im Riesenslalom

Ob nach neun paralympischen Medaillen, darunter sieben in Gold, noch eine weitere hinzukommt, lässt sie offen: "Das kann ich noch überhaupt nicht absehen. Ich lasse es Schritt für Schritt auf mich zukommen – und mir geht's momentan sehr gut mit dieser Situation." Planlos ist die Regensburgerin deswegen nicht. Nach den Weltmeisterschaften richtet sich der Fokus auf den Uni-Abschluss. Acht Prüfungen stehen bis Ende März an. Dann will die Lehramtsstudentin das zweite Staatsexamen in der Tasche haben. Im Mai heiratet sie standesamtlich am Chiemsee, im August folgt die kirchliche Trauung. Schaffelhuber zählt auf: "Dazu bauen wir ein Haus und im September beginnt das Referendariat."

Anna Schaffelhuber

Anna Schaffelhuber hat fünfmal in Sotschi abgeräumt.

Doch zunächst steht die WM vom 21. Januar bis 1. Februar im Vordergund - mit den technischen Disziplinen in Kranjska Gora und den Speed-Disziplinen in Sella Nevea. Für Schaffelhuber und das deutsche Team, dem nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Noemi Ristau nur noch sechs Aktive angehören, ist es nach wenigen Wettkämpfen in dieser Saison eine Reise ins Ungewisse. Schaffelhuber bilanziert nach zwei Siegen im Riesenslalom und einem zweiten Rang im Slalom: "Das mag ich eigentlich nicht so, wenn man nicht recht weiß, wo man steht. Mit den drei bisher absolvierten Rennen kann ich aber sehr zufrieden sein."

Lösch startet nicht mehr

Fehlen wird ihre langjährige Konkurrentin Claudia Lösch. Die Österreicherin hatte ihre Karriere vor der Saison beendet. Schaffelhuber sagt: "Ich kenne sie, seit ich fünf Jahre alt war und wir haben uns viele spannende Duelle geliefert. Es ist komisch, dass sie nicht mehr dabei ist." Nun sind die stärksten Gegnerinnen wohl die Japanerin Momoka Muraoka und Teamkollegin Anna-Lena Forster. Gute Platzierungen sollen wieder herausspringen nach dreimal Gold und zweimal Silber bei der WM 2017. Die 25-Jährige betont: "Ich sehe es wirklich ganz entspannt. Das hatte ich seit Jahren nicht mehr – aber es ist ein verdammt angenehmes Gefühl." Nach der WM wird sie die Saison beenden. Dann dominieren andere Ziele das Leben der siebenfachen Paralympics-Siegerin - zumindest für einige Zeit.

Thema in MOMA in Das Erste am 23.01.19, 5.30 Uhr

pm/mkö | Stand: 16.01.2019, 13:20

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