Parasport - Weltspitze zieht an Deutschlands Athleten vorbei

Tamara Adam

Nachwuchsprobleme im deutschen Parasport

Parasport - Weltspitze zieht an Deutschlands Athleten vorbei

Von Olaf Jansen

Einst waren deutsche Parasport-Athleten international weit vorn. Das ist längst vorbei. Andere Nationen sind vorbeigezogen. In der Nachwuchsförderung besteht Nachholbedarf.

Auf der Leichtathletik-Bahn wird gelacht, die Mädchen in der Leverkusener Sporthalle an der Kalkstraße im Stadtteil Manfort sind mit sichtlich guter Laune bei der Sache. Sie sind allesamt gehandicapt. Es ist die Parasport-Leistungsgruppe, die in diesen Tagen der Herbstferien in Leverkusen ein Trainingslager abhält.

Eine von ihnen ist Tamara Adam. An der Geschichte der 15-Jährigen aus der Nähe von Bremen ist ganz gut die aktuelle Problematik im deutschen Parasport zu erkennen. "Wenn ich auf höchstem Niveau trainieren will, muss ich immer diese gut 300 Kilometer zwischen Bremen und Leverkusen zurücklegen. Das geht natürlich nicht so oft, wie ich eigentlich trainieren müsste, um meine Ziele zu erreichen", sagt die junge Sprinterin, bei der nach einer Krebserkrankung eine Beinamputation vorgenommen werden musste.

Kaum Trainingsmöglichkeiten für deutsche Parasportler

Deutschlands Parasportler haben ein Problem: Sie verlieren zunehmend den Kontakt zur Weltspitze, weil die Strukturen hierzulande nicht mehr zeitgemäß sind. "Es gibt bei uns viel zu wenig Vereine, die hochklassiges Training für Parasportler anbieten", klagt Jörg Frischmann. Der 55-Jährige ist Geschäftsführer der Parasportabteilung beim TSV Bayer Leverkusen, gleichzeitig ist er Vorstandsmitglied Leistungssport im Deutschen Behindertensportverband.

Der deutsche Parasport und seine Nachwuchsprobleme

Sportschau 17.10.2019 02:24 Min. Verfügbar bis 17.10.2020 ARD Von Alexander Lorenz

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"Früher, als ich noch aktiv war, sah das anders aus. Da haben deutsche Parasportler international quasi die Medaillen abgeräumt. Doch andere Nationen sind längst an uns vorbeigezogen. Weil sie modernere Strukturen geschaffen haben und viel mehr Geld in den Parasport investieren", erklärt Frischmann.

Andere Nationen sind vorbeigezogen

Jörg Frischmann

Jörg Frischmann

Nationen wie Frankreich, Großbritannien, China und zuletzt vor allem Russland dominieren mittlerweile die Weltspitze im Parasport. "Das sind vor allem diejenigen Nationen, die in der Vergangenheit Paralympische Spiele ausgerichtet haben. Dort wurde intensiv in den Parasport investiert. Es wurde Infrastruktur geschaffen und der Anreiz für die Athleten durch hohe Preisgelder erhöht", sagt Frischmann.

In Deutschland hingegen gebe es seit Jahren nur ganz wenige Stützpunkte wie Cottbus oder Leverkusen, die Parasportler auf höchstem Niveau ausbilden können. "Wir erreichen zu wenig Nachwuchssportler", sagt Frischmann, der gern einige Dinge im Parasport verändern würde. "Wir müssen erreichen, dass in der normalen Trainerausbildung auch der Parasport berücksichtigt wird. Es wäre schon viel geholfen, wenn mehr Sportlehrer die Scheu vor der Arbeit mit Parasportlern verlieren würden", fordert der Leverkusener.

Jörg Frischmann: "Es müssen mehr Vereine gefunden werden, die bereit sind, mit behinderten Sportlern zu arbeiten"

Sportschau 16.10.2019 03:57 Min. Verfügbar bis 16.10.2020 ARD

Talentscout für Parasportler in NRW

Zudem müsse man aktiver auf die potenziellen jungen Athleten zugehen. Ein erster Schritt auf diesem Weg wurde in Nordrhein-Westfalen bereits getan: Es wurde mit Lina Neumair ein Talentscout für den Parasport installiert. "Lina ist im Land unterwegs und sichtet potenzielle Para-Nachwuchssportler. Und denjenigen, die Potenzial haben, hilft sie bei der Suche nach ortsnahen und geeigneten Trainingsmöglichkeiten", erklärt Jörg Frischmann das Konzept.

Neue Wege im Para-Sport: Talentsucherin scoutet sportartübergreifend Sportschau 25.09.2019 02:59 Min. Verfügbar bis 25.09.2020 Das Erste

Die Karriere der jungen Tamara Adam aus Bremen haben allerdings noch hauptsächlich ihre Eltern angeschoben. "Meine Mutter hat schon ganz früh Kontakt nach Leverkusen aufgenommen und mich letztlich auch hier untergebracht", erklärt die Gymnasiastin. Um ihre sportlichen Ziele zu erreichen, wird sie demnächst einen wichtigen Schritt tun: "Ich möchte unbedingt einmal bei den Paralympics starten. Dafür werde ich jetzt bald von Bremen in ein Internat nach Leverkusen ziehen. Damit ich dann jeden Tag hier trainieren kann", sagt sie.

Stand: 16.10.2019, 07:26

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