Paralympics-Siegerin Marieke Vervoort beendet ihr Leben durch Sterbehilfe

Parasportlerin Marieke Vervoort bei den Paralympics 2016 in Rio auf dem Podest.

Unheilbare und extrem schmerzhafte Muskelkrankheit

Paralympics-Siegerin Marieke Vervoort beendet ihr Leben durch Sterbehilfe

Ihren Tod durch Sterbehilfe hatte Marieke Vervoort schon 2008 geplant. Jetzt setzte die schwer erkrankte Paralympicssiegerin aus Belgien ihren Wunsch um.

So sollten die letzten Momente ihres Lebens aussehen. Mit einem Glas Sekt in der Hand, noch einmal anstoßen mit der Familie und Freunden - dann der Abschied. Marieke Vervoort hatte ihren Tod seit 2008 geplant, am Dienstag (22.10.2019) war es soweit. Die belgische Paralympicsgewinnerin trat mittels Sterbehilfe aus dem Leben. Mit 40 Jahren, die letzten geprägt durch extreme Schmerzen, verursacht durch eine unheilbare Muskelkrankheit. "Bis zu ihrer letzten Minute führte sie Regie über ihr Leben", sagte ihr Leibarzt Wim Distelmans der Tageszeitung "De Standaard".

Belgien trauert

Der Bürgermeister ihres Heimatortes Diest hatte den Tod Vervoorts verkündet. Jeder Belgier kannte ihre Geschichte. "Ein wahrer Champion und eine Quelle der Inspiration", twitterte Tennis-Grand-Slam-Gewinnerin Kim Clijsters zum Tod ihrer Landsfrau, "aber vor allem war sie eine wunderbare, warmherzige Frau."

Doch Vervoort konnte und wollte die Qualen nicht mehr ertragen, zuletzt waren noch epileptische Anfälle hinzugekommen. Vor elf Jahren schon besorgte sie die erforderlichen Papiere für die in ihrer Heimat erlaubte, in Deutschland verbotene Sterbehilfe. Das Wissen, ihren Todeszeitpunkt selbst bestimmen zu können, gab ihr "ein Stück Ruhe und Würde. So weiß ich, wenn es für mich genug ist, dann habe ich die Papiere", sagte sie damals.

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Große Erfolge bei den Paralympics

Doch zunächst hatte Vervoort, in der Heimat ehrfürchtig das "Biest von Diest" genannt, noch einiges vor. Auch als Sportlerin. Bei den Paralympics in London 2012 gewann sie als Handbikerin Gold über 100 Meter und Bronze über 200 Meter. 2016 in Rio de Janeiro eroberte sie Silber über 400 Meter und Bronze über 100 Meter. In dem Jahr landete sie bei der Wahl zum "Sportler des Jahres" in Belgien auf Platz zwei hinter Fußballstar Kevin de Bruyne.

Marieke Vervoort - Portrait einer Kämpferin Sportschau 23.10.2019 06:03 Min. Verfügbar bis 23.10.2020 Das Erste

Zustand rapide verschlechtert

Ende 2017 verschlechterte sich Vervoorts Zustand rapide. "Ich werde immer depressiver, diese Gefühle hatte ich vorher nie. Ich weine sehr oft", schilderte Vervoort dem Londoner "Telegraph" ihre Gefühlslage: "Jetzt schwindet auch mein Sehvermögen immer mehr. Bei einem Auge liegt die Sehkraft nur noch bei 20 Prozent, beim anderen bei zehn Prozent. Mein Arzt sagt, er könne nichts machen."

Kein Kuchen, nur Champagner

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie noch einen Teil ihrer Wunschliste abgearbeitet. So war sie im September 2017 Bungeejumpen und in einem Lamborghini über die Rennstrecke von Zolder gerast. Zudem schrieb sie als Mutmacher für Schicksalsgenossen zwei Bücher.

Vervoort hatte auch klare Vorstellungen über ihre Beerdigung. Es soll keinen Gottesdienst geben und keinen Kuchen. "Ich möchte, dass alle mit einem Glas Champagner dastehen und an mich denken", erklärte sie im Dezember 2017 dem Londoner "Telegraph".

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sid | Stand: 23.10.2019, 12:25

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