Bundestrainer Rombach sieht mehrere deutsche WM-Medaillen

Ralf Rombach, Bundestrainer Paraski-Team Deutschland

Para-Ski-Nordisch-WM

Bundestrainer Rombach sieht mehrere deutsche WM-Medaillen

Von Felix Thiel

Ralf Rombach hat neun Starter und drei Begleitläufer für die Para-Ski-Nordisch-WM im kanadischen Prince George (15.-24. Februar) nominiert. Im Interview mit sportschau.de spricht der Bundestrainer über die Vorbereitung, die deutschen Medaillenchancen und die Zeit nach der WM.

Frage: Bis 7. Februar ist ein Großteil der deutschen Athleten im Trainingslager im italienischen Livigno. Wie läuft die Vorbereitung auf die Para-Ski-Nordisch-WM?

Ralf Rombach: "Ich bin mit der Vorbereitung sehr zufrieden. Wir haben viel Schnee bekommen und damit gute Bedingungen. Bis auf Clara Klug sind alle WM-Fahrer im Trainingslager. Sie schreibt zwei Klausuren an der Uni und hat daher eine Ausnahmegenehmigung. Clara bereitet sich mit ihrem Begleitläufer in Mittenwald vor. Mittlerweile sind dort super Trainingsbedingungen. Und sie wissen, was sie zu tun haben."

Können alle nominierten Athleten an der WM teilnehmen?

"Anja Wicker hat derzeit Probleme mit ihren Armen. Da haben wir momentan Sorge. Es scheint hartnäckiger zu sein, sie ist intensiver in Therapie. Es steht noch ein kleines Fragezeichen hinter einem WM-Einsatz. Wir versuchen, konservativ einzuwirken und hoffen, dass die Zeit für uns spielt."

Para-Biathletin Anja Wicker

Anja Wicker

Was ist bis zum ersten Wettkampftag noch zu tun?

"Wir haben viel Umfang trainiert. Jetzt kommt die Phase der Feinausbildung. Wir machen intensive Einheiten und trainieren wettkampfnah. Speziell die Komplexleistung beim Biathlon ist eine Sache, wo man gutes Feintuning braucht. Dass man nach einem schnellen Lauf auch noch die Ruhe am Schießstand hat."

Welche Medaillenchancen hat das deutsche Team?

"Andrea Eskau kann wieder um Medaillen mitlaufen und -schießen. Man muss anerkennen, dass sich die beiden US-Amerikanerinnen gesteigert haben. Allen voran Kendall Gretsch, die im Biathlon eine echte Macht ist. Das gleiche gilt für Oksana Masters. Es wird schwer, an den beiden vorbeizukommen. Andrea ist erfahren genug, um ruhig zu bleiben. Wenn sie ihre Chance wittert, wird sie diese auch versuchen zu nutzen. Eine Goldmedaille im Biathlon wird aber sicher kein Selbstläufer."

Andrea Eskau und Anja Wicker in Vuokatti

Andrea Eskau und Anja Wicker in Vuokatti

Und bei den Männern?

"Bei den Männern ist die Konkurrenz enorm. Alexander Ehler und Steffen Lehmker haben gezeigt, dass sie nah dran sind. Ich will nicht ausschließen, dass der eine oder andere eine Überraschung schafft. Das Potenzial ist da, die Arrivierten ärgern zu können. Martin Fleig hat auch seine Chancen. In der sitzenden Konkurrenz gibt es fünf bis sechs Leute, die um Medaillen kämpfen. Läuferisch kann Martin mit Favorit Daniel Cnossen mithalten. Er muss sein Potenzial beim Schießen nutzen, dann kann er ihn schlagen. Es wird auch auf die Tagesform ankommen."

Haben Sie und/oder das Team ein Minimalziel ausgegeben?

"Für uns steht im Vordergrund, dass jeder seine beste Leistung abruft. Wenn uns das gelingt, wäre ich zufrieden. Und dann kann es auch für mehrere unserer Athleten zu einer Medaille reichen. Die Konkurrenz ist allerdings auch da. Man kann nur die eigene Leistung beeinflussen. Wenn jemand anderes dann besser ist, ist es so."

Andrea Eskau und Ralf Rombach

Andrea Eskau und Ralf Rombach

Auf welchen Wettkampf freuen Sie sich besonders?

"Jeder Wettkampf hat seine Besonderheiten. Am meisten freue ich mich auf den Teamwettbewerb, die Biathlonrennen und den Langlaufsprint."

Was ist für die wettkampffreien Tage geplant?

"Manchmal gibt es vom Veranstalter Events, die wir als Vertreter Deutschlands gemeinsam besuchen. Dabei geht es weniger um Sport. In Kanada spielen die First Nations eine wichtige Rolle. Die Gegend ist geprägt von den Ureinwohnern, dieser kulturelle Rahmen wird gepflegt. Da wollen wir uns auch zeigen. Wir konzentrieren uns aber vorwiegend auf den Sport und lassen das andere auf uns zukommen."

Was steht nach der WM auf dem Plan?

"Nach der WM haben wir eineinhalb Wochen Pause, ehe die Weltcupfinals in Sapporo anstehen. Wir werden dort mit einer Rumpfmannschaft hinfahren. Martin Fleig wird aus beruflichen und privaten Gründen beispielsweise nicht mitreisen. Athleten wie Clara Klug, Alexander Ehler oder Nico Messinger werden zum Team gehören. Vor allem die Athleten, die noch eine Chance haben, im Gesamtweltcup auf das Podest zu kommen."

Martin Fleig in Vuokatti

Martin Fleig in Vuokatti

Haben Sie nach der langen Saison Urlaub geplant?

(lacht) "Ab 19. März werde ich versuchen, die heimische Sonne zu genießen und auf dem Frühlingsfirn zu laufen. Es kann bei uns im Schwarzwald eine schöne Zeit im Frühling sein: morgens langlaufen und nachmittags in Freiburg auf ein Kaltgetränk in einem der vielzähligen Straßencafés. Am meisten freue ich mich aber auf mehr gemeinsame Zeit mit meinen Kindern."

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der WM.
Der Flieger nach Kanada hebt am 12. Februar ab.

Die deutschen Athleten

Thema in MOMA in Das Erste am 21.02.19, 5.30 Uhr

Stand: 04.02.2019, 14:14

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