Für Bundestrainer Wolf und sein Team sollte etwas Gutes herauskommen

Justus Wolf, Bundestrainer des Deutschen Para-Ski-Team-Alpin

Para-Alpin-WM | Deutsches Alpinteam

Für Bundestrainer Wolf und sein Team sollte etwas Gutes herauskommen

Von Felix Thiel

Justus Wolf und sein Team stehen kurz vor der Para-Alpin-WM. Im Interview mit sportschau.de spricht der Bundestrainer über Ziele, das Duell Forster gegen Schaffelhuber und verletzungsbedingte Ausfälle.

Frage: Wie lief die Vorbereitung auf die Para-Alpin-WM?

Justus Wolf: "Die Vorbereitung lief gut. Leider hat sich Noemi Ristau beim Slalom in Kühtai den Knöchel gebrochen. Georg Kreiter, der sich im Herbst an der Schulter verletzt hat, musste am Donnerstag die Notbremse ziehen. Er hatte schon den ganzen Herbst Probleme mit der Schulter und ist nicht rechtzeitig wettkampffähig geworden. Dennoch hatten wir ein gutes Abschlusstrainingslager."

Was ist bis zum ersten Wettkampf noch zu tun?

"Nach unserer Ankunft am Freitag haben wir einen Tag Pause. Am Sonntag ist dann schon die erste Hangbefahrung für den Riesenslalom, am Montag startet Thomas Nolte in den ersten Wettkampf."

Thomas Nolte

Thomas Nolte startet in der sitzenden Klasse (Archiv)

Inwiefern hat es die Vorbereitung beeinträchtigt, dass der Weltcup im italienischen Sella Nevea im Dezember dem schlechten Wetter zum Opfer fiel?

"Wir hatten damit gerechnet und stattdessen unseren Aufenthalt nach dem Europacup in St. Moritz verlängert. Wir haben dort drei Tage gut trainiert. Es wäre sicher gut gewesen, die Strecke in Sella Nevea vorab zu fahren. Die meisten haben das noch nicht gemacht. Es ist aber auch kein Nachteil, da es den anderen Nationen auch so geht."

Wie schwer wiegen die Ausfälle von Kreiter und Ristau für das Team?

"Es ist immer schade, wenn jemand vom Team verloren geht. Dennoch ist jeder kurz vor einem Großereignis fokussiert und auf sich konzentriert. Es gehört dazu, dass man so professionell ist und das ausblenden kann. Beim Ski alpin passieren leider Gottes immer wieder Verletzungen und damit verbundene Ausfälle."

Welche Kriterien gaben den Ausschlag für die fünf Starterinnen und Starter, die Sie für die WM nominiert haben?

"Es gibt im Normalfall sportartspezifische Qualifikationskriterien. Diese basieren darauf, dass man im Weltcup gewisse Ergebnisse erzielt. Durch die Planung vom Weltverband IPC hätten wir nur den Weltcup in Sella Nevea gehabt. Es gab daher keine Möglichkeit, sich zu qualifizieren. Deshalb wurden alle zur WM nominiert, die eine Weltcup-Quali hatten - also alle, die sich mit einem Weltcuprennen theoretisch hätten qualifizieren können. In unserem Fall wären es die sieben Athleten gewesen, die auch an den Paralympics teilgenommen haben."

Anna Schaffelhuber beim Slalom

Anna Schaffelhuber (Archiv)

Wer gehört zu Ihren Titelfavoriten?

"Wenn man von den Klassen ausgeht, ist bei den stehenden Damen die Französin Marie Bochet als Favoritin zu nennen. Wir hoffen, dass Andrea Rothfuss sie wie vor zwei Jahren ärgern kann. Andrea ist erwartungsgemäß in allen Disziplinen eine Podestfahrerin. In den technischen Disziplinen kann man von Anna-Maria Rieder eine Überraschung erwarten. Unsere Jüngste hat vor zwei Jahren in Tarvisio schon eine Bronze-Medaille im Slalom gewonnen. An einem guten Tag ist es möglich, dass sie diesen Erfolg wiederholt. Im Slalom kann einem auch ein Ausscheiden der anderen Fahrerinnen in die Karten spielen. Bei den sitzenden Damen haben wir mit Anna-Lena Forster und Anna Schaffelhuber in allen Disziplinen Goldchancen.

In der sitzenden Klasse, in der auch Thomas Nolte startet, schreibe ich dem Niederländer Jeroen Kampschreur die größten Chancen zu. In den Speeddisziplinen ist sicher mit den Nordamerikanern, vor allem dem US-Amerikaner Andrew Kurka und Kurt Oatway aus Kanada, zu rechnen."

Was erwarten Sie vom Duell Forster gegen Schaffelhuber?

"Im Slalom hat Anna-Lena als amtierende Paralympicssiegerin schon einen Favoritenstatus. Aufgrund ihrer Slalomstärke könnte die Superkombination ebenfalls an Anna-Lena gehen. Im Speedbereich oder im Riesenslalom hat Anna wiederum die besseren Karten."

Anna-Lena Forster

Anna-Lena Forster jubelte in Pyeongchang zweimal über Gold (Archiv)

Auf welchen Wettkampf freuen Sie sich besonders?

(lacht) "Ich freue mich auf jeden Wettkampf gleichermaßen. Da sollte man keine Abstriche machen, es sind alles enge Medaillen-Entscheidungen. Die Chancen sind gleich verteilt, sodass ich nichts präferieren würde."

Haben Sie und/oder das Team ein Minimalziel ausgegeben?

"Ich denke, dass jeder das Bestmögliche abliefern möchte, was wiederum zu einem guten Teamergebnis führt. Wir versuchen, unsere Trainingsleistung zu zeigen. Wenn uns das gelingt oder wir sogar noch zulegen können, sollte unter dem Strich etwas Gutes herauskommen. Da das Abschneiden auch von der Konkurrenz abhängt, kann man ein Ergebnis schlecht nur in Medaillen messen. Wenn jemand mit einer guten Leistung Vierter wird, ist es aus sportfachlicher Sicht gut, auch wenn schlussendlich nur Medaillen zählen werden."

Was ist für die trainingsfreien Tage geplant (Teambuilding-Maßnahmen, Themenabende o.ä.)?

(lacht) "Wenn wir keine Rennen haben, wird trainiert. Falls wir zwischen Hangbefahrung und Wettkämpfen doch einmal Luft haben sollten, steht die Regeneration im Vordergrund. Erfahrungsgemäß haben wir sehr straffe Zeitpläne mit Teambesprechungen, Mannschaftssitzungen oder Dopingkontrollen. Auch wegen dieser Rahmentermine haben wir bei einer WM wenig Freizeit."

Justus Wolf, Bundestrainer des alpinen Para-Skiteams

Para-Alpin-Bundestrainer Justus Wolf (Archiv)

Was steht nach der WM auf dem Plan? In Kranjska Gora findet drei Tage nach der Abschlussfeier der nächste Weltcup statt. Werden Sie und das Team an den Wettkämpfen in Slowenien teilnehmen?

"Wir werden nicht teilnehmen, weil unsere drei Topathleten Forster, Rothfuss und Schaffelhuber die komplette WM fahren. Anna-Maria Rieder muss wieder zur Schule und auch andere Nationen treten nach der WM die Rückreise an. Für die Organisatoren ist es natürlich schade, wenn ein Weltcup nicht hochkarätig besetzt ist."

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei der WM.

Thema in MOMA in Das Erste am 23.01.19, 5.30 Uhr

Stand: 18.01.2019, 21:30

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