Goalball - Wenn's im Kasten klingelt

Goalball EM

Goalball-EM 2019

Goalball - Wenn's im Kasten klingelt

Von Johannes Doerfert

Beim Goalball sind laute Fangesänge während des Spiels undenkbar, denn die Spieler müssen sich vollkommen auf ihr Gehör verlassen. Die weltweit beliebteste Ballsportart für Sehbehinderte ist rasant, abwechslungsreich und spannend. Am Dienstag (08.10.2019) startet in Rostock die Europameisterschaft.

Die Geschichte

Es war 1946, als der Österreicher Hans Lorenzen und der Deutsche Sepp Reindle eine Idee hatten: Soldaten, die während des Zweiten Weltkriegs ihr Augenlicht ganz oder zum Teil verloren hatten, sollten die Möglichkeit haben, sich über eine neue Sportart zu rehabilitieren.

Also machten sie sich daran, eine Ballsportart zu erfinden – eine, die ohne Sehen und stattdessen über den Hörsinn funktioniert. Mit nur leicht abgewandelten Regeln nennt sich diese Sportart heute Goalball. Seit 1976 ist sie paralympisch und erfreut sich seitdem großer Beliebtheit.

Deutsche Goalballer bereiten sich auf Heim-EM vor Sportschau 08.10.2019 01:59 Min. Verfügbar bis 08.10.2020 Das Erste

Die Regeln

Die Basis von Goalball ist ein Feld so groß wie das vom Volleyball: 18 mal neun Meter. An beiden schmalen Enden wird das Feld in der kompletten Breite von Toren ausgefüllt. Neun Meter breit und 1,30 Meter hoch sind diese Tore.

Gespielt wird zu dritt pro Team, bei Bedarf können drei Auswechselspieler zum Einsatz kommen. Das Spiel geht über zwei Halbzeiten, die jeweils zwölf Minuten lang sind. Das Spielgerät ist ein 1,25 kg schwerer Hartgummiball, der innen mit Glöckchen gefüllt ist. Der Grund: Alle Spieler tragen blickdichte Brillen, um die unterschiedlich stark ausgeprägten Sehbehinderungen auszugleichen. Der wichtigste Sinn beim Goalball ist somit das Hören, die Glocken helfen beim Verorten des Balls.

Goalball Feld

18 mal neun Meter groß ist das Feld, auf zwei Seiten wird es komplett vom Tor eingenommen.

Das Ziel ist simpel: Möglichst wenig Tore kassieren, möglichst viele Tore erzielen – es also im gegnerischen Kasten klingeln lassen. Allerdings dürfen die Spieler den Ball nur rollen, hohes, direktes Werfen ist verboten. Er muss mindestens zweimal aufkommen, um der verteidigenden Mannschaft eine Chance geben, ihn zu verteidigen. Mit bis zu 80 km/h kommt der Ball dann auf die drei Verteidiger zu, die versuchen, einen möglichst großen Teil des Tores mit ihrer Körperfläche abzudecken. Wurde der Ball erfolgreich geblockt, hat die Mannschaft zehn Sekunden Zeit ihn auf das Tor des Gegners zu werfen. Wird gegen eine Regel verstoßen, gibt es Strafwurf, dann darf nur ein einziger Spieler das Tor verteidigen.

Das Turnier

Die Europameisterschaft findet alle zwei Jahre statt, dieses Jahr wird sie vom 8. bis 13. Oktober in Rostock ausgetragen. Es wird sowohl der Herren- als auch der Damen-Europameister ermittelt. Insgesamt nehmen zwanzig Teams aus 15 Ländern teil. Bei Herren und Damen gibt es jeweils zwei Gruppen ("Pools" genannt) mit je fünf Mannschaften, die in der Vorrunde alle einmal gegeneinander antreten.

Anschließend werden über Endspiele die Platzierungen ermittelt. Die drei letzten der zehn Mannschaften steigen in den sogenannten B-Pool ab, der Europameister qualifiziert sich für die Paralympischen Sommerspiele 2020 in Tokio.

Die Favoriten

Die deutschen Herren gehen als Mitfavoriten in die Goalball-EM. Nachdem sie sich 2016 noch knapp für die Paralympics in Rio qualifiziert hatten, folgte anschließend eine Leistungssteigerung: 2017 holte man bei der EM Silber, auch die WM 2018 konnte man auf dem zweiten Platz abschließen. Durch den Vizeweltmeistertitel sind die Herren auch schon für die Paralympics in Tokio qualifiziert. Ihr härtester Gegner dürfte Serieneuropameister Litauen sein, das zuletzt dreimal in Folge den EM-Titel holte.

Die deutschen Damen kämpfen bei der Heim-EM vor allem um den Klassenerhalt, dafür müssten sie mindestens Siebte werden. Durch einen sensationellen Titelgewinn könnten sie sich aber auch noch für die Paralympics in Tokio qualifizieren. Die Titelfavoritinnen kommen aus der Türkei und Russland: Gold und Silber teilten sich die beiden Länder bei den jüngsten drei Europameisterschaften immer untereinander auf.

Stand: 07.10.2019, 16:08

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