Kleiner Forster-Fanclub ist bei den Weltmeisterschaften dabei

Anna-Lena Forster mit ihrer Goldmedaille im Slalom von Pyeongchang

Parasport | Deutsches Alpinteam

Kleiner Forster-Fanclub ist bei den Weltmeisterschaften dabei

Von Maria Köhler

Anna-Lena Forster hat bei den Paralympics im März 2018 Gold in der Super-Kombination und im Slalom gewonnen. Bei Weltmeisterschaften wartet sie noch auf einen Titel. Zur lautstarken Unterstützung reisen wieder einige Angehörige an.

Frage: Anna-Lena Forster, die alpinen Weltmeisterschaften in Kanjska Gora und Sella Nevea stehen an. Sind Sie schon aufgeregt?

Anna-Lena Forster: "Noch hält es sich in Grenzen, eigentlich bin ich noch nicht aufgeregt. Das kommt erst, wenn wir vor Ort sind und den Hang gesehen haben."

Schon am Freitag fahren Sie vom Training in Pfelders in Südtirol zur Wettkampfstätte. Werden Ihre Eltern wie bei den Paralympics auch bei den Weltmeisterschaften dabei sein?

"Ja, die kommen auch. Eltern und Tante, und noch ein paar Bekannte. Ein kleiner Fanclub ist dabei. Das ist schon immer schön, eine seelische Unterstützung zu haben, gerade bei Großereignissen. Die Teamkollegen sind auf sich fokussiert. Dann ist es schön, dass da noch jemand dabei ist."

Bisher haben Sie bei den Weltmeisterschaften zweimal Silber und zweimal Bronze gewonnen. Wie ist vor dieser WM Ihr Gefühl?

"Hm. Das ist voll schwer einzuschätzen, da wir noch keinen Weltcup hatten, nur das Europacuprennen bisher. Da kann man nicht so gut einschätzen, wer wie gut drauf ist. Da kann man nur nach dem Trainingsgefühl gehen. Im Herbst ging gar nichts. Die Bedingungen waren schwierig. Es gab wenig Schnee und viel Wind. Ich werde mein Bestes geben und hoffe, dass ein Titel herausspringt."

Beim Weltcup in Zagreb war keine einzige sitzende Frau am Start. Wer könnte zu Ihrer ärgsten Konkurrenz zählen?

"Ja, natürlich meine Teamkollegin Anna (Schaffelhuber, Anm. d. Red.) und die Japanerin Momoka Muraoka, die in Korea in allen fünf Disziplinen eine Medaille geholt hat. Mit Claudia Lösch fällt eine starke Konkurrenz weg, aber es gibt immer wieder starke Überraschungen, mit denen man nicht rechnet. Barbara van Bergen könnte in den Speed-Disziplinen schon eine Konkurrenz sein. Sie hat schon Rollstuhlbasketball gespielt."

Los geht es mit dem Riesenslalom am Dienstag. Das ist nicht so Ihre Lieblingsdisziplin, oder?

(Lacht) "Es geht so. Tatsächlich gehört das nicht so ganz zu meinen Lieblingsdisziplinen. Anna und ich waren beide sehr erstaunt, wie weit wir zurücklagen in Südkorea. Ich kann es gar nicht einschätzen. Ich zähle den Slalom zu meiner stärksten Disziplin."

Warum der Slalom?

"Ich weiß nicht. Das hat mir immer am besten gelegen. Ich habe mich stetig verbessert und konnte meine Trainingsleistung gut im Wettkampf umsetzen."

Wer hat im Training die Nase vorn gehabt – sie oder Anna Schaffelhuber?

"Das ist schwierig und kommt auf die Faktorzeit an, die wir im Training nicht messen. Im Slalom könnte es für mich reichen. Meine Zeit sollte schon noch ein bisschen schneller sein, dass ich mir sicher sein kann. Im Riesenslalom ist sie mir in dieser Saison deutlich voraus. Da bin ich in der vergangen Saison besser gewesen. Super-G und Abfahrt haben wir kaum trainiert."

Hat sich irgendetwas verändert, zum Beispiel das Equipment?

"Nein. Ich habe schon vor den Paralympics viel ausprobiert. Irgendwann hat man davon die Schnauze voll. Ich konzentriere mich auf mich und mein Training."

Wenn das Wetter oft nicht mitspielte - welche Alternativen gab es in der Vorbereitung zum Training im Schnee? Georg Kreiter haben Sie ja zum Beispiel schon einmal auf einem Rollstuhl durch eine Tiefgarage gezogen?

"Der Fokus lag auf der Kondition. Wir haben mit Thomas Münch jemanden dabei, der mit uns verschiedene Übungen macht. Da gibt es immer mal wieder witzige Sachen. Wir machen Bergsprints. Wir mobilisieren oft die Schultern, machen viel für die Rumpf und Bauchmuskulatur. In diesem Winter war das extrem. Irgendwann hing uns das Konditionstraining zum Hals raus."

Seit einigen Monaten gehören Sie zur Sportfördergruppe "Zoll Ski Team". Was bedeutet das?

"Dadurch, dass wir beim Zoll angestellt sind, sind wir versichert, verbeamtet. Bei einem Trainingsunfall gilt das als Berufsunfall. Zudem wird schon in die Altersvorsorge eingezahlt. Das hat mehrere Vorteile. Wir können uns besser auf den Sport konzentrieren."

War der Trainingsumfang für Sie genauso wie vor den Paralympics in Pyeongchang?

"Er wäre identisch gewesen, wenn alles nach Plan gelaufen wäre. Aber durch das Wetter war er das nicht ganz."

Anna-Lena Forster über die Schneemengen in Tignes: "Ich habe noch nie so viel Schnee auf einmal gesehen."

Aufnahme in Tignes. Im Winter 2017/18 waren die Bedingungen besser.

Was ist hängen geblieben von Pyeongchang - abgesehen vom Sportlichen?

"Was ich total schön fand, war das Alpenhaus. Da hatte man abends die Möglichkeit zu plaudern und sich mit anderen Athleten auszutauschen. Das war eine tolle Atmosphäre mit den Österreichern und Schweizern. Mir tat das total gut. Die Sportler der anderen Disziplinen sieht man sonst auch nicht."

Wo hängen beziehungsweise liegen nun Ihre Medaillen?

(Lacht) "Eigentlich sollte man das nicht erzählen. Die haben noch keinen so besonderen Platz. Da muss ich mir noch etwas überlegen. Im Sommer waren sie noch viel unterwegs."

Thema in MOMA in Das Erste am 23.01.19, 5.30 Uhr

Stand: 17.01.2019, 17:11

Darstellung: