WADA-Gremium fordert vier Jahre Ausschluss für Russland

Welt-Anti-Doping-Agentur

Dopingvorwürfe

WADA-Gremium fordert vier Jahre Ausschluss für Russland

Aus für die Olympischen Spiele 2020, keine Teilnahme an den Winterspielen 2022 - Russlands Sport steht in der Doping-Affäre um manipulierte Daten vor einer historisch drastischen Strafe. Die Fußball-EM im nächsten Jahr soll davon nicht betroffen sein.

Das zuständige Gremium der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA empfahl am Montag (25.11.2019) einen Komplettausschluss Russlands für vier Jahre - das 26-seitige Schreiben der Compliance Review Committees (CRC) birgt jede Menge Sprengstoff.

Seppelt zu Russlands Manipulation von Doping-Daten: "Atemberaubend und beispiellos" Morgenmagazin 26.11.2019 03:02 Min. Verfügbar bis 26.11.2020 Das Erste

Angesichts der in den Augen der Prüfer "extrem ernsten" Verfehlungen im Fall um gefälschte, gelöschte und frisierte Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA, die nun wieder suspendiert werden soll, bieten sich laut CRC nur härteste Sanktionen an. Diese veröffentlichte die WADA am Montagabend.

So dürfte Russland für vier Jahre an keinen sportlichen Wettbewerben teilnehmen, kein sportliches Großereignis ausrichten, russische Offizielle wären für den gleichen Zeitraum von allen großen Wettkämpfen wie Weltmeisterschaften ausgeschlossen. Einzelsportler dürften nur nach eingehender Prüfung als neutrale Athleten starten.

Fußball-EM nicht betroffen?

"Die Euro 2020 ist nicht betroffen, da es ein kontinentales Einzelsportereignis ist", teilte die WADA auf SID-Anfrage mit. Einige Spiele der Fußball-EM sollen in St. Petersburg ausgetragen werden, das russische Team ist bereits qualifiziert.

Die Europäische Fußball-Union (UEFA) hält sich bei der Frage nach Auswirkungen eines möglichen Komplettausschlusses Russlands aus dem Sport noch bedeckt. "Zum jetzigen Zeitpunkt möchte die UEFA das nicht kommentieren", ließ der Verband wissen.

IOC unterstützt die "härtesten Sanktionen"

Das Internationale Olympische Komitee wird "die härtesten Sanktionen" gegen alle Verantwortlichen für die Manipulation von Dopingdaten aus dem Moskauer Analyselabor unterstützen. Zugleich wurden die russischen Behörden erneut eindringlich aufgefordert, "die Rohdaten zu übermitteln, auf die sich dieser Fall stützt". Das bekräftigte das IOC in einer Mitteilung.

Endgültige Entscheidung am 9. Dezember

Eine endgültige Entscheidung über das Strafmaß fällt das WADA-Exekutivkomitee am 9. Dezember in Lausanne. Der Vorsitzende des CRC, Jonathan Taylor, hatte in der ARD bereits erklärt, er erwarte, dass das Exekutivkomitee die Vorschläge seines Gremiums "befürworten" werde.

Damit könnte Russland nicht an den Olympischen und Paralympischen Spielen in Tokio 2020 (Sommer) und Peking 2022 (Winter) teilnehmen.

Hohe Hürden für RUSADA

Für die Wiederaufnahme der RUSADA setzte das CRC hohe Hürden an. Hintergrund ist die Affäre um mutmaßlich manipulierte Daten aus dem Moskauer Kontrolllabor. Mit diesen sollen das genaue Ausmaß des systematischen Dopings in Russland belegt und individuelle Strafen für Athleten möglich werden. Wie die WADA am Montag in Bezugnahme auf das CRC darlegte, seien die Daten "weder vollständig noch authentisch" gewesen.

Hunderte von auffälligen Testbefunden seien ebenso entfernt worden wie eine Vielzahl von Dateien. Manche Daten sollen erst Ende 2018 entfernt worden sein - kurz vor der geforderten Übergabe der Daten an die WADA.

Ende November 2017 hatte die WADA durch einen Whistleblower eine Kopie des Labor-Informations- und Management-Systems (LIMS) erhalten. Bei Vergleichen mit den Anfang 2019 übergebenen Originaldateien fielen die Unregelmäßigkeiten auf. Die WADA leitete daraufhin Mitte September ein Verfahren gegen die RUSADA ein. Die RUSADA war bereits von 2015 bis 2018 von der WADA ausgeschlossen. Die Wiederaufnahme hatte damals viel Kritik ausgelöst, da Russland zwei grundlegende Forderungen nicht erfüllte - unter anderem die Übergabe der Labordaten, diese bekam die WADA erst Anfang Januar 2019.

sid/dpa | Stand: 26.11.2019, 09:05

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