Winterspiele - das IOC sollte Orte mehrfach nutzen

Ein Zweierbob bei den Olympischen Spielen

Vergabe Olympia 2026

Winterspiele - das IOC sollte Orte mehrfach nutzen

Von Chaled Nahar

Calgary erwägt, seine Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2026 zurückzuziehen. Das IOC hat bei den Winterspielen Probleme, geeignete Kandidaten zu finden. Es sollte das Format überdenken und nicht jedes Mal neue Standorte suchen.

Drei offizielle Kandidaten gibt es beim Internationalen Olympischen Komitee für die Winterspiele 2026, alle drei Bewerbungen wackeln aus finanziellen Gründen: In Calgary streiten sich die Bundesregierung und die Regionalverwaltung um die Finanzierung der Spiele, die italienische Regierung will kein Geld in die Bewerbung von Mailand/Cortina d'Ampezzo stecken und in Schweden gibt es ebenfalls Kritik an den Kosten möglicher Winterspiele.

Das Image der Winterspiele ist in strukturellen Fragen noch schlechter als das der Sommerspiele. Das IOC hat mit vielen Problemen zu kämpfen, die die Zahl der Bewerber immer weiter einschränken.

Olympia 2026 - Calgarys Bewerbung vor dem Aus

Sportschau | 30.10.2018 | 01:41 Min.

Die Probleme: Klimawandel, Geld und Nachnutzung

Eines der Probleme ist der Klimawandel. In den Alpen soll einigen Klimaforschern zufolge der klassische Ski-Urlaub nur noch einige Jahrzehnte möglich sein. Auch in anderen Regionen der Erde bedroht die Erderwärmung den Betrieb des Wintersports. Investoren schrecken davor zurück, eine Infrastruktur zu bauen, deren Einnahmenseite für die Zukunft unsicher erscheint.

Die Winterspiele sind ohnehin teuer und naturschädigend, wie die Beispiele Sotschi und Pyeongchang zeigten. Die übliche Forderung nach Steuerfreiheit und geringer Kostenbeteiligung des IOC führt in immer mehr Fällen zu ablehnenden Resultaten in Bürgerbefragungen. Die Frage der Nachnutzung ist bei Sommerspielen leichter zu klären als bei Winterspielen. Eine in vielen Ländern unbeachtete Sportart beispielsweise ist das Bobfahren, kaum eine Disziplin ist aber nur zu derart hohen Kosten zu betreiben.

Und dann bleiben die Fragen nach Menschenrechtsthemen in den ausrichtenden Ländern und die mögliche Inszenierung autokratischer Regierungen.

Mögliche Lösung: wenige Orte, häufiger genutzt

Das IOC kann das bisherige Format bei Sommerspielen vielleicht beibehalten. Schwimmbäder, Fußballstadien oder Sporthallen sind im Gegensatz zu Bobbahnen und Abfahrtspisten fast überall nach den Spielen nutzbar. Bei den Winterspielen stellt sich allerdings die Frage, warum das IOC Sportstätten nur einmal nutzen sollte. Seit dem Jahrtausendwechsel sind in zahlreichen Orten Wintersportstätten für Olympische Winterspiele entstanden. Statt sie wie die teure Bobbahn in Turin verfallen zu lassen, sollte das IOC häufiger dorthin zurückkehren.

Ein Rotationsprinzip zwischen einer geringen Zahl von Standorten in Nordamerika, Europa und Asien würde eine gewisse Vielfalt ermöglichen, gleichzeitig aber verlässliche Strukturen für Athleten, IOC, Fans und Medien sicherstellen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur könnte permanente und überprüfbare Standorte errichten.

Die langfristige Bindung des IOC an einige wenige Orte könnte in Zeiten der zerstörten Integrität der Sportweltverbände zudem neues Vertrauen entstehen lassen. Denn das IOC wäre an Bau und Instandhaltung der Sportstätten interessiert und damit mindestens indirekt beteiligt - idealerweise würde es die Standorte sogar betreiben. Und die Einnahmenseite könnte für alle Beteiligten steigen, wenn die Kosten durch mehrfache Nutzung sinken. Das Thema Korruption bei der Vergabe wäre auf Dauer mindestens verkleinert.

Das IOC muss etwas ändern

Ein undenkbares Szenario? Ungewöhnlich wäre es, aber die wackeligen Bewerbungen für 2026 zeigen, dass sich das IOC in seiner Anspruchshaltung verändern muss. Und manchmal können sich solche Veränderungen lohnen: Das DFB-Pokal-Endspiel im Fußball fand auch lange Zeit jedes Jahr an einem anderen Ort statt - dass es seit Mitte der 80er jährlich in Berlin ausgetragen wird, stellt heute niemand in Frage.

Stand: 31.10.2018, 11:50

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