Die kleinen Spiele? - IOC berät über Tokio 2021

Nationalstadion Tokios für die Olympischen Spiele 2021

IOC Session

Die kleinen Spiele? - IOC berät über Tokio 2021

Nachdem das Executive Board am Mittwoch (15.07.2020) getagt hat, steht heute die IOC-Session an. Und die Probleme mit Blick auf die Olympischen Sommerspiele 2021 sind groß: Denn die Infektionszahlen in Tokio und Japan steigen wieder. Indes sind die Jugendspiele in Dakar auf 2026 verschoben worden.

Zwei Sitzungen, ein großes Thema: Wie soll es 2021 gehen?

Am Mittwoch hatte Präsident Thomas Bach die IOC-Exekutive zu einer Sitzung per Videokonferenz eingeladen, am Freitag findet ebenfalls in einer Videokonferenz die IOC-Vollversammlung statt. Wichtigster Tagesordnungspunkt bei beiden Terminen ist natürlich die nun für 2021 geplanten Olympischen Spiele und die Paralympischen Spiele in Tokio.

IOC-Session - Das Bangen um Olympia 2021

Sportschau 16.07.2020 01:00 Min. Verfügbar bis 16.07.2021 ARD Von Marcus Tepper

Am Mittwoch ließ sich Bach noch nicht viel entlocken und vertröstete auf Freitag. Nach der Exekutivsitzung in Lausanne sagt er: "Olympische Spiele hinter verschlossenen Türen ist etwas, das wir nicht wollen." Die Organisatoren der wegen der Coronavirus-Pandemie ins nächste Jahr verschobenen Tokio-Spiele würden derzeit eine "Vielzahl von Szenarien" prüfen, um die Austragung von Olympia in Japan zu sichern. "Wir arbeiten an einer Lösung", sagte Bach.

John Coates, Leiter der IOC-Kommission für Tokio

John Coates, Leiter der IOC-Kommission für Tokio

Ein Mensch steht dabei im Mittelpunkt: John Coates, Vorsitzender der IOC-Koordinierungskommission für Tokio. Bei beiden Sitzungen soll er laut der beiden Tagesordnungen über die Lage berichten. Und schon im Vorfeld sprach er mehrere Schwierigkeiten an.

Zahlreiche Fragen zu Aktiven, Zuschauern und Medienschaffenden

"Wir haben echte Probleme, weil wir Athleten haben, die aus 206 verschiedenen Nationen kommen", sagte das IOC-Mitglied in einer Presserunde. Zuletzt meldete die Weltgesundheitsorganisation WHO 230.000 Neuinfektionen an nur einem Tag.

Coates sagte, es sei schwierig, zehntausende Menschen zu untersuchen. "Wir haben 11.000 Athleten, 5000 Offizielle und Trainer, 20.000 Medienvertreter, 4000 Menschen arbeiten derzeit im Organisationskomitee, und 60.000 Volunteers kommen hinzu", zählte Coates auf. Bei den Paralympics sind mehr als 4000 Athleten dabei. Dadurch würden sich für die Organisation der Spiele jede Menge Fragen ergeben. "Stellen wir das Olympische Dorf unter Quarantäne? Müssen alle Athleten in Quarantäne? Beschränken wir die Zuschauerzahl? Trennen wir die Sportler von der Mixed Zone, wo sich die Medien aufhalten?", fragte Coates. Denn in Tokio verschlechtert sich die Lage in der Pandemie zurzeit.

Die Infektionszahlen in Tokio steigen wieder

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen in Japans Hauptstadt lag zuletzt mehrfach über 200 und erreichte am Freitag ein Allzeithoch von 243. Einem Medienbericht vom Mittwoch zufolge wird in der Stadt die höchste von vier Alarmstufen im Zusammenhang mit Coronaviren ausgerufen. Hintergrund sind steigende Fallzahlen vor allem bei jungen Menschen in den Amüsiervierteln der Stadt.

Olympia: Die Hochrisikospiele von Tokio? Sportschau Thema 12.07.2020 04:56 Min. Verfügbar bis 12.07.2021 Das Erste

Seit der Aufhebung des landesweiten Corona-Notstandes am 25. Mai steigen die Ansteckungs-Zahlen wieder. Die Regierung hatte den Notstand damals mit der Begründung aufgehoben, dass die Pandemie so gut wie unter Kontrolle sei. Nach Zahlen der amerikanischen Johns-Hopkins-Universität in Baltimore gibt es in Japan bisher fast 22.500 bestätigte Infektionsfälle, von denen rund 18.100 als genesen gelten. 984 Menschen starben demnach in Japan an oder mit dem Virus.

Absage kein Tabu, eine weitere Verschiebung schon

Der kämpferische Ton ist den Funktionären in der Zwischenzeit abhandengekommen. "Wir können nicht noch einmal verschieben, und wir müssen davon ausgehen, dass es keinen Impfstoff oder nicht genug davon geben wird, um ihn auf der ganzen Welt zu verteilen", sagte Coates. Der Oktober 2020 werde eine entscheidende Phase sein. Wenn es Anzeichen dafür gebe, dass die Pandemie bis dahin eingedämmt, wenn auch noch nicht ausgerottet sei, werde man damit beginnen, "die verschiedenen Szenarien vorzubereiten, nach denen der Sport stattfinden könnte". Die neuen Zahlen aus Japan und die weltweite Entwicklung sprechen nicht dafür.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann sagte im "Sportschau Olympia-Podcast": "Wir müssen und werden auch Alternativszenarien durchspielen und uns auch mit dem Gedanken anfreunden, dass es eventuell nicht klappen kann." Bereits Ende April hatte Tokios OK-Geschäftsführer Yoshiro Mori nach einem Gespräch mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe erklärt, dass eine Austragung im Sommer 2021 die einzige Option und eine weitere Verschiebung nicht möglich sei, sofern das Coronavirus weiter eine Gefahr darstelle: "In diesem Fall würden die Spiele abgesagt." IOC-Chef Bach unterstützte zuletzt diese Haltung.

Der Sportschau Olympia Podcast #2: Hier spricht Alfons Hörmann

Sportschau 14.07.2020 42:47 Min. Verfügbar bis 14.07.2021 ARD Von Moritz Cassalette & Fabian Wittke

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Sportler mit großen Sorgen und wenig Vorfreude

Bedenken gibt es auch unter den Sportlern, etwa bei Stabhochspringer Raphael Holzdeppe. "Ich glaube, dass man noch in diesem Jahr einen Impfstoff oder ein wirkungsvolles Medikament haben müsste, damit die Spiele im kommenden Jahr stattfinden können", sagte Holzdeppe in einem Eurosport-Podcast. Zudem werde die Qualifikation angesichts fehlender Wettkämpfe immer schwieriger. Die Spiele sollen am 23. Juli 2021 eröffnet werden. Doch im Grunde beginnen sie viel früher, denn in den Monaten zuvor müssen die Teilnehmer in Qualifikationswettbewerben ermittelt werden.

Max Hartung, Vorsitzender des Vereins Athleten Deutschland, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "So wie ich mir die Spiele gewünscht habe, mit einem vollen Stadion, mit Freunden und Familie sowie wilden Partys nach unseren Wettkämpfen, das halte ich doch für völlig unrealistisch." Er kritisierte zudem, dass das IOC die Athleten nicht ausreichend einbeziehe, was die Planung angehe.

Reduzierte Spiele auch für die Kostenfrage möglich

In der Diskussion bleibt die Kostenfrage. Nachdem die Spiele ohnehin schon deutlich teurer wurden als veranschlagt, soll nun alleine die Verschiebung auf 2021 bis zu sechs Milliarden Euro kosten - bei denen unklar ist, wer sie trägt. Für das IOC stellt sich bei den Finanzen zudem die Frage, ob alle Sponsoren auch 2021 dabei bleiben.

Im Gespräch zur Kostensenkung sind angeblich reduzierte Spiele, bei denen möglicherweise auf einige Wettbewerbe verzichtet wird. Geisterspielen ohne Fans erteilte Bach bereits eine Absage. "Der Olympische Geist beruht auch darauf, die Fans zu vereinen. Dass Fans aus aller Welt gemeinsam in einem olympischen Stadion sind, macht die Spiele so einzigartig", sagte er der BBC.

IOC hat zumindest politische Stabilität

Yuriko Koike bleibt nach einer Wiederwahl Gouverneurin der Präfektur Tokio, was dem IOC eine gewisse politische Stabilität gewährleistet. Mitbewerber hatten sich für eine sofortige Absage der Spiele ausgesprochen.

Die Bürgerinnen und Bürger in Tokio sind einer Umfrage zufolge geteilter Meinung. 51,7 Prozent finden, dass die Spiele und die anschließenden Paralympics entweder abgesagt oder nochmals verschoben werden sollten, wie aus einer Ende Juni veröffentlichten Umfrage der japanischen Tageszeitung "Tokyo Shimbun" unter rund 1000 Menschen hervorging. 46,3 Prozent wollten dagegen, dass die Spiele im Sommer des nächsten Jahres stattfinden.

Die Zukunft der Olympischen Spiele Sportschau Thema 12.07.2020 05:01 Min. Verfügbar bis 12.07.2021 Das Erste

Jugendspiele in Dakar um vier Jahre verschoben

Indes gab Bach am Mittwoch nach der Sitzung des Exekutivkomitees bekannt, dass die Olympischen Jugendspiele in Senegals Hauptstadt Dakar von 2022 auf 2026 verschoben werden. "Fünf Olympische Spiele in drei Jahren wären einfach zu viel Arbeit für alle Beteiligten gewesen" erklärte Bach. Senegals Staatspräsident Macky Sall sagte: "Ich möchte betonen, dass das IOC meine volle Unterstützung für die Organisation der auf 2026 verschobenen Olympischen Jugendspiele hat."

IOC verschiebt Jugendspiele, um Olympische Spiele 2021 abzusichern

Sportschau 15.07.2020 00:51 Min. Verfügbar bis 15.07.2021 ARD Von Holger Kühner

nch mit sid/dpa/afp | Stand: 17.07.2020, 09:27

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