Olympische Spiele 2032 - "Lasst die Bewegung von unten kommen"

Olympische Ringe im Barra Olympic Parc,

Rhein Ruhr City 2032 - Privatinitiative für Olympische Spiele

Olympische Spiele 2032 - "Lasst die Bewegung von unten kommen"

Von Olaf Jansen

  • Privatinitiative Rhein Ruhr City 2032 wirbt für Olympische Spiele in der Region
  • Zuletzt votierten die Bürger bei Befragungen gegen die Ausrichtung Olympischer Spiele
  • Sportökonomen warnen vor Gigantismus und Korruption in den Sportverbänden

Olympische Spiele 2032 an Rhein und Ruhr - so will es eine private Initiative um Sport- und Eventmanager Michael Mronz. Aktuell befinden sich Mronz und seine Kollegen auf einer Werbetour durch die Region - es soll erste Überzeugungsarbeit in der Bevölkerung geleistet werden.

Denn Mronz und Co. wissen natürlich um die bröckelnde Akzeptanz bei den Menschen, was die Ausrichtung sportlicher Großveranstaltungen betrifft. Zuletzt scheiterten derlei Projekte an negativen Voten in Hamburg und München. "Die Skepsis an der Ausrichtung derartiger Sport-Großveranstaltungen ist ein weltweites Phänomen", sagt Wolfgang Maennig.

Experte Wolfgang Maennig - Olympische Spiele sind seine Spezialität

Wolfgang Maennig

Wolfgang Maennig

Der ehemalige Leistungssportler, der 1988 Olympiasieger im Rudern wurde, ist heute Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Uni Hamburg. Für die Olympiabewerbungen Berlin 2000, Leipzig 2012 verfasste er für die Bewerbungsgesellschaften Gutachten zur Finanzierbarkeit der Olympischen Spiele. Für München 2018 erstellte er zunächst ein Gutachten über die Bewerbungsausgaben, sodann eines über die Finanzierung der Olympischen Spiele.

Nach den fehlgeschlagenen Bevölkerungsvoten in München und Hamburg kamen er und sein Team zu folgenden Erkenntnissen:

1. Der Sport hat in der Bevölkerung an Ansehen verloren. "Das liegt in erster Linie an Skandalen, Korruption und Doping rund um den Leistungssport", sagt Maennig. Es liegt aber auch an anderen Entwicklungen, für die der Sport keine Verantwortung trägt: "Für die Jugend ist es heute weniger erstrebenswert, sich mit einem Olympiasieg zu schmücken. Da sind andere Dinge wichtig geworden, die für Anerkennung und Selbstfindung ausschlaggebender sind. Zum Beispiel die Zahl der Likes und Follower in den sozialen Medien."

2. Ein falsches Selbstverständnis der Olympischen Familie. "Nach Barcelona 1992, als die Stadt milliardenschwere Finanzspritzen aus ganz Europa erhielt, wollten die Bewerber mit einem Olympia-Zuschlag vor allem in die Lage kommen, ihre Staatsregierungen um Milliarden erpressen zu können, um ihre Stadt zu entwickeln. Es ging nicht mehr darum, die besten Athleten der Welt zu beherbergen. Leider hat die Olympische Familie zu lange beim Irrglaube mitgemacht, Olympia sei ein Stadtentwicklungsprogramm", sagt Maennig.

3. Die Menschen sehen Stadtentwicklung oft skeptisch. "Es ist eine generelle Angst vor steigenden Mieten und Preisen in der Bevölkerung entstanden und Olympia gilt Manchen als besonders preistreibend. Und sie glauben, in der Bauphase werde es staubig, laut und stauig."

Maennig: "Der Leistungssport hat an Ansehen verloren"

Sportschau 04.10.2019 13:09 Min. Verfügbar bis 04.10.2020 ARD

90 Prozent der Sportstätten sollen schon da sein

Michael Mronz hat ein Konzept verfasst, das 14 Städte umfasst. Er setzt bei seiner Konzeption auf den Aspekt Nachhaltigkeit und wirbt damit, dass schon heute 90 Prozent der benötigten Sportstätten vorhanden seien. So sollen beispielsweise die Kanurennen auf der Regattabahn in Duisburg stattfinden, Tennis im Düsseldorfer Rochusclub, Basketball in Bonn und Düsseldorf, Boxen in Krefeld und Fechten in der Kölner Messe.

"Dies dürfte die größte Stärke der Bewerbung sein", sagt Sportökonomie-Professor Dr. Torsten Schlesinger von der Ruhr-Uni Bochum im Interview mit dem WDR. Doch er gibt auch zu bedenken: "Es wird Kosten für Modernisierungen oder Kapazitätserweiterungen bei den Sportstätten geben, um den Forderungen des IOC Rechnung zu tragen. Entscheidend wird vielmehr sein, die Sportstätten in einem nachhaltigen Nutzungskonzept nicht nur exklusiv für den Spitzensport, sondern auch dem Breitensport bereitzustellen."

Hartung: "Vertrauen ist verloren gegangen"

Max Hartung, Säbelfechter, zweimaliger Olympiateilehmer und aktuell Aktivensprecher im DOSB, schlägt in die gleiche Kerbe: "Die Menschen haben zuletzt das Vertrauen in die großen Sportverbände und die Organisatoren von Großevents verloren. Entscheidend wird sein, dass die Funktionäre mit größtmöglicher Transparenz versuchen, dieses Vertrauen zurück zu gewinnen."

Max Hartung: "Sportler können nur gemeinsam Einfluss nehmen" Sportschau 01.10.2019 05:21 Min. Verfügbar bis 01.10.2020 Das Erste

Für Maennig wäre für ein positives Bevölkerungsvotum zwingend nötig, dass die Initiative zu einer Bewerbung "von unten" kommt. "Das muss eine Art Grass Root Bewegung sein. Angestoßen von Teilen der Bevölkerung selbst. Nur dann wird sich die breite Masse solidarisieren und begeistern lassen" .

Nur ohne Kosten Aussicht auf Erfolg

Mronz hat diese Entwicklung mutmaßlich selbst bereits erkannt und sagt: "Ich werbe nicht für die Bewerbung, sondern zunächst einmal um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, die Vision Rhein Ruhr City 2032 voranzubringen." Es sei "sachlogisch", so Mronz, die Bewerbung nicht voranzutreiben, wenn sie sich in den nächsten Monaten als "nicht nachhaltig" herausstellen sollte.

Weil die Ausschreibungskriterien noch nicht veröffentlicht seien, hält er eine Kostenschätzung zum jetzigen Zeitpunkt für unseriös. Für Wolfgang Maennig ist ein transparenter Umgang mit dem Finanzierungsmodell hingegen unumgänglich, was das Bevölkerungsvotum angeht: "Nur, wenn den Menschen schlüssig erklärt werden kann, dass die Olympische Spiele nichts kosten werden, werden sie positiv votieren."

Stand: 21.10.2019, 10:10

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