Olympia-Macher wollen schnell Nachfolger für OK-Chef bestimmen

Toshiro Muto, Leiter des Organisationskomitees für Tokio

Rücktritt von Yoshiro Mori

Olympia-Macher wollen schnell Nachfolger für OK-Chef bestimmen

Der Rücktritt von Olympia-Organisationschef Yoshiro Mori soll keine Verzögerungen bei der Vorbereitung der Sommerspiele in Tokio zur Folge haben. Ein Nachfolger soll in Kürze bestimmt werden.

Das sagte der Geschäftsführer des Organisationskomitees, Toshiro Muto, am Freitag (12.02.2021) nach einer Sondersitzung in Tokio. Unter Leitung von OK-Ehrenpräsident Fujio Mitarai solle dazu eine Arbeitsgruppe je zur Hälfte mit Frauen und Männern besetzt werden, Athletenvertreter würden eine zentrale Rolle spielen.

Als Kandidatin für Moris Nachfolge gilt Medienberichten zufolge Japans Olympia-Ministerin Seiko Hashimoto. Zunächst hatte es geheißen, der Bürgermeister des Olympischen Dorfes, Saburo Kawabuchi, solle Mori ersetzen. Der 84-Jährige habe jedoch in der Sondersitzung gesagt, er verzichte auf die Nachfolge Moris.

Das OK beschloss zudem, sich stärker für die Gleichstellung einsetzen und die Zahl von Frauen in Führungspositionen erhöhen zu wollen. Auch dafür solle eine Arbeitsgruppe eingesetzt werden.

Skandal um sexistische Kommentare

Mori war zuvor wegen eines Skandals um sexistische Kommentare zurückgetreten. Der 83-Jährige zog damit die Konsequenzen aus seinen Aussagen, die einen internationalen Aufschrei ausgelöst hatten. "Meine unangemessene Aussage hat viel Chaos verursacht. Ich möchte ab heute als Präsident zurücktreten", sagte Mori.

Mori hatte Medienberichten zufolge in der vergangenen Woche in einer Sitzung des japanischen Olympia-Komitees (JOC) gesagt, Frauen würden Meetings in die Länge ziehen, weil sie "Schwierigkeiten haben, sich präzise auszudrücken". Treffen mit vielen Teilnehmerinnen würden daher "viel Zeit in Anspruch nehmen".

Der Ex-Premierminister hatte wenig später für die Aussagen um Entschuldigung gebeten, dabei aber auch erklärt: "Ich höre diese Dinge häufig. Ich spreche in letzter Zeit nicht viel mit Frauen, also weiß ich das nicht."

Sturm der Entrüstung

Die Berichte über Moris Äußerungen hatten in Japan einen Sturm der Entrüstung entfacht. Premierminister Yoshihide Suga erklärte, solche Kommentare "sollten nicht erlaubt sein", das Internationale Olympische Komitee (IOC) bezeichnete die Aussagen als "absolut unangemessen".

Eine Umfrage des japanischen Senders NHK ergab, dass 36 Olympia-Sponsoren Moris Aussagen für "inakzeptabel" halten.

Tokios Olympia-Chef entschuldigt sich nach frauenfeindlichen Äußerungen

Sportschau 04.02.2021 01:20 Min. Verfügbar bis 04.02.2022 ARD Von Kathrin Erdmann


IOC von sicherer Olympia-Austragung überzeugt

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) sieht die Spiele in Tokio durch den Rücktritt von Mori nicht beeinträchtigt. "Das IOC wird mit seinem Nachfolger weiterhin Hand in Hand zusammenarbeiten, um sichere und gefahrlose Olympische Spiele in 2021 in Tokio auszurichten", sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Das IOC bleibe "so überzeugt wie zuvor von der sicheren und erfolgreichen Ausrichtung" Olympischer Spiele im Sommer in Tokio, hieß es in der Mitteilung.

Bach sagte, er respektiere Moris Entscheidung völlig und könne die Gründe dafür nachvollziehen. "Gleichzeitig wollen wir ihm für seinen bedeutenden Beitrag zur Organisation der verschobenen Olympischen und Paralympischen Spiele Tokio 2020 in den vergangenen Jahren danken", sagte Bach.

Das IOC unterstütze den Prozess der Nachfolger-Suche und sehe sich "gestärkt durch das standhafte Engagement" der Regierungen Japans und Tokios, des Olympischen Komitees Japans und des Organisationskomitees. Die wegen der Corona-Pandemie verlegten Spiele sollen vom 23. Juli bis 8. August 2021 in Tokio stattfinden.

dpa/sid | Stand: 12.02.2021, 11:27

Darstellung: