Scharfe Kritik am Deal von IOC und Airbnb

Auf einem Laptop und einem Bildschirm im Büro der Airbnb Germany GmbH sind das Logo des Unternehmens und eine Auswahl von Unterkünften zu sehen (gestellte Szene)

Olympia

Scharfe Kritik am Deal von IOC und Airbnb

Von Niklas Schenk

Das IOC freut sich über eine "innovative Partnerschaft", Frankreichs Hoteliers schimpfen über einen "ungeheuerlichen" Deal: Airbnb wird Partner der Olympischen Spiele. Vor allem in Paris, Austragungsort der Spiele 2024, wird der Deal heftig kritisiert.

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo schrieb Anfang der Woche einen Brief. An IOC-Präsident Thomas Bach. Beide pflegen aktuell einen regen Austausch, schließlich ist Paris Austragungsort der olympischen Sommerspiele 2024. Was Hidalgo ihm auf wenigen Zeilen schrieb, dürfte Bach nicht erfreut haben. "Airbnb ist ein Faktor, der zum Anstieg der Mietpreise beiträgt und den Mangel an Wohnungen auf dem Mietmarkt verschärft“, schrieb Hidalgo. Außerdem kündigte sie neue Gesetze gegen die Plattform an. An der Verschlechterung der Wohnsituation in Paris sei Airbnb mitschuldig.

Bach spricht von einer innovativen Partnerschaft

Das klang dann doch ganz anders als das, was Bach einen Tag zuvor verkündet hatte. Eine "innovative Partnerschaft" sei der auf neun Jahre ausgelegte Deal mit Airbnb. Damit könne eine "nachhaltige Ausrichtung der Olympischen Spiele" sichergestellt und dem Gastgeber "ein Erbe hinterlassen" werden. Organisationskosten könnten ebenso reduziert werden wie der Bedarf an Neubauten. Außerdem steigere die Zusammenarbeit die Möglichkeit für die lokalen Gastgeber und auch die Sportler, die über Airbnb eigene Vermarktungsangebote einstellen können dürfen, Umsatz zu machen. Sportler könnten über Airbnb dann etwa Fans zum Meet and Greet einladen und natürlich während der Spiele auch in vom IOC angemieteten Airbnb-Wohnungen leben.

Bis Olympia 2028 in Los Angeles wollen das IOC und Airbnb zusammenarbeiten. Wie viel Geld das dem IOC einbringt, ist noch unklar. Klarer ist, dass die Einnahmen der Hoteliers in den Austragungsorten selbst wohl sinken würden. "Es ist ungeheuerlich, dass eine Firma, die auf der gesamten Welt Deregulierung vorantreibt, ein globaler Partner des IOC wird", heißt es nun in einer Mitteilung des französischen Hotelverbandes UMIH. Dessen Präsident Laurent Duc erklärte im Sender RTL„Es ist ein Kampf David gegen Goliath. Airbnb zahlt überhaupt keine Steuern in Frankreich – und wird jetzt offizieller IOC-Partner! Da sehen wir rot. Und das ist kein einfacher Ärger mehr, das ist nackte Wut.“

Hoteliers unterbrechen Olympiavorbereitungen

Als erste Konsequenz haben die Hoteliers angekündigt, ihre Teilnahme an der Organisation der Sommerspiele 2024 vorerst auszusetzen. Die Hotelbetreiber warten nun etwa auf die Antwort auf die Frage, ob für Airbnb die selben Regeln wie für sie gelten sollen. Hoteliers müssen beispielsweise einen 24 Stunden-Rezeptionsdienst oder ein Frühstücksangebot anbieten. Nach Angaben der Pariser Organisatoren sind über den Verband bereits mehr als 40.000 Hotelzimmer für Olympia 2024 reserviert.

Frankreich ist in Europa einer der größten Märkte für Airbnb. Die Hauptstadt Paris hat aber strikte Auflagen verhängt - so darf die maximale Vermietdauer für eine Wohnung 120 Tage im Jahr nicht übersteigen. Paris zählt zu einer Allianz europäischer Größstädte, die gemeinsam gerade gegen Airbnb vorgehen. Dazu gehören auch viele deutsche Städte wie Berlin oder München, aber auch Barcelona oder Amsterdam. Die Städte werden Airbnb vor, dass viele Wohnungen zweckentfremdet werden. Außerdem würde sich durch Kurzzeit- oder Dauervermietungen an Touristen der Flair ganzer Viertel verändern. Zudem würde Airbnb die Wohnungsnot vergrößern und dadurch wuchernde Mieten begünstigen.

München verhängt hohe Strafen

Laut des Magazins "Gründerszene" werden bei 27 Prozent der Vermietungen auf Airbnb professionelle Ganzjahresvermietungen kompletter Wohnungen angeboten. In München drohen bei illegaler Vermietung Bußgelder von bis zu 500.000 Euro.

sid, dpa, Gründerszene Magazin, Süddeutsche, Zeit, New York Times | Stand: 22.11.2019, 12:42

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