Korruptionsverdacht - Japans NOK-Chef tritt zurück

Olympische Spiele 2020: Japans NOK-Präsident Takeda tritt zurück Sportschau 20.03.2019 00:43 Min. Verfügbar bis 20.03.2020 Das Erste

Tokio 2020

Korruptionsverdacht - Japans NOK-Chef tritt zurück

Mit zwei Millionen US-Dollar soll Japans NOK-Chef Tsunekazu Takeda die Olympia-Bewerbung Tokios für 2020 nach vorne gebracht haben. Angesichts der Korruptionsvorwürfe hat er nun seinen Rücktritt erklärt.

"Bei einem Treffen am 27. Juni, wenn ich mein Rentenalter erreicht habe, werde ich meine Amtszeit beenden und zurücktreten", sagte Takeda - und beteuerte weiter seine Unschuld: "Ich habe nichts Illegales getan. Ich werde mich bemühen, meine Unschuld zu beweisen."

Der Vorwurf: Zwei Millionen Dollar, um Stimmen zu beschaffen

Bei dem Korruptionsverdacht gegen Takeda geht es um eine Zahlung von zwei Millionen Dollar an die in Singapur ansässige Beraterfirma "Black Tidings". Diese soll wiederum in Verbindung zum früheren Leichtathletik-Weltverbandspräsidenten Lamine Diack gestanden haben. Der Senegalese stand 2015 im Zentrum von Ermittlungen wegen Geldwäsche und Bestechlichkeit.

Der Vorwurf: Das Geld soll bei Diack gelandet sein, der damals ein einflussreiches IOC-Mitglied und damit ein potenzieller Stimmenbeschaffer war. Takeda gehörte damals in führender Position dem Bewerbungskomitee von Tokio an. Tokio stach im zweiten Wahlgang Istanbul mit 60:36 aus.

Er habe die finale Unterschrift unter den Kontrakt gesetzt, aber in den vorherigen Prozess sei er nicht involviert gewesen, hatte Takeda erst im Januar betont. Es habe keinen Grund gegeben, den Deal in Frage zu stellen, so Takeda. Die französische Justiz ermittelt gegen ihn wegen Korruptionsverdachts.

Seine Amtszeit will Takeda beenden

Yasuhiro Yamashita könnte Tsunekazu Takeda als NOK-Chef folgen.

Yasuhiro Yamashita könnte Tsunekazu Takeda als NOK-Chef folgen.

"Ich bedauere es, dass ich für so einen Wirbel gesorgt habe", sagte Takeda. "Aber es liegt in meiner Verantwortung als Präsident, meine Amtszeit noch zu beenden." Deshalb werde er erst am 27. Juni zurücktreten, auch als Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees werde er aufhören.

Takeda hatte Aussicht auf eine Wiederwahl als NOK-Präsident, nachdem das Komitee für ihn eine Ausnahme bei der Altersbegrenzung von 70 Jahren gemacht hatte. Als Favorit für seine Nachfolge gilt nun Yasuhiro Yamashita, Goldmedaillen-Gewinner im Judo von 1984.

Spiele 2020 kosten nun 22 statt 6 Milliarden

Die Versprechen des IOC, 2020 mehr Nachhaltigkeit, Bescheidenheit und Transparenz walten zu lassen, erfüllen sich bislang nicht. Der japanische Rechnungshof hat in der vergangenen Woche errechnet, dass die Spiele nach jetzigem Stand 22 Milliarden Euro teuer werden. Bei der Bewerbung war von sechs Milliarden Euro die Rede gewesen.

nch/dpa | Stand: 20.03.2019, 11:37

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