Trotz Widerstands: IOC billigt Athleten-Erklärung

IOC-Präsident Thomas Bach (2.v.l.) bei der Vollversammlung in Buenos Aires, 2018

Vollversammlung Internationales Olympisches Komitee

Trotz Widerstands: IOC billigt Athleten-Erklärung

Die Athleten sind das Herz der olympischen Bewegung. Eine Deklaration soll sie nun vor Missbrauch, Doping und Diskriminierung schützen. Bei der Ausarbeitung des Dokuments fühlen sich viele Sportler allerdings übergangen.

Entgegen der Kritik zahlreicher Athleten hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) bei seiner Versammlung in Buenos Aires die umstrittene Erklärung über die Rechte und Pflichten der Sportler (Athletes Declaration) gebilligt. Die IOC-Mitglieder nahmen das Dokument am Dienstag (09.10.2018) einstimmig an.

Die Erklärung war von der IOC-Athletenkommission ausgearbeitet worden. Das Dokument soll die Sportler vor Missbrauch, Doping und Diskriminierung schützen. Dennoch regte sich kurz vor der IOC-Versammlung in Buenos Aires Widerstand gegen die Erklärung. Bemängelt wurde vor allem, dass die breite Masse der Profisportler nicht angehört wurde.

Athleten drücken Bedenken über Unklarheiten aus

Athletenvertreter und Menschenrechtsorganisationen appellierten an das IOC, die Athletencharta nicht im Hauruck-Verfahren durchzudrücken. "Wir unterstützen die Idee hinter der Initiative, haben aber einige Bedenken bezüglich der Verabschiedung des Dokuments", hieß es zuletzt in einer gemeinsamen Erklärung mehrerer Sportlergremien, darunter der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).

In der bisherigen Fassung gewähre die Erklärung den Sportlern nicht ausreichenden Schutz, hieß es in dem Schreiben an IOC-Präsident Thomas Bach. Zudem sei unklar, wie Verletzungen der Rechte sanktioniert würden. "Wir, die Athleten, die so viel für den Sport geopfert haben, bitten darum, dass eine Erklärung aufgesetzt wird, die uns schützt, der wir vertrauen und die wir unterstützen können", schrieben die Sportler.

Viele Sportler wollen Mitspracherecht

Die Präsidentin des Deutschen Fechter-Bundes, Claudia Bokel, die von 2012 bis 2016 der IOC-Athletenkommission vorsaß, sagte dazu im ZDF-Morgenmagazin am Dienstag: "Zumindest gibt es Athletinnen und Athleten und auch Athletenkommissionen, die sagen: Wir würden da gern mitreden, aber wir haben nicht das Gefühl, dass unsere Stimme gehört wird."

Max Hartung, Athletensprecher im Deutschen Olympischen Sportbund, sagte ebenfalls im ZDF: "Ich denke, das ist ein grundsätzlicher Trend, den das IOC gerade wahrnimmt und den es gar nicht aufhalten kann."

Die IOC-Athletenkommission hat 20 Mitglieder, darunter die Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann aus Köln. Den Vorsitz hat seit den Winterspielen im Februar in Pyeongchang die frühere Schwimmerin Kirsty Coventry aus Simbabwe inne.

Neun neue Mitglieder im IOC-Gremium

Bei der Vollversammlung hat das IOC auch neun neue Mitglieder in sein Gremium gewählt. Dazu zählen unter anderem die 24-jährige Afghanin Samira Asghari, die sich in ihrem Land für Frauenrechte stark macht, Andrew Parsons (Brasilien), Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC), und Morinari Watanabe (Japan), Vorsitzender des Internationalen Turnerbundes (FIG). "Sie ist eine Frau, die fantastische Arbeit leistet, um den Frauensport in Afghanistan zu fördern" sagte IOC-Präsident Bach über Asghari, die als Kapitänin in der afghanischen Basketball-Nationalmannschaft gespielt hatte, bevor sie mehrere Rollen in der Sportverwaltung Afghanistans bekleidete.

Flüchtlingsteam auch bei Olympia 2020 am Start

Das IOC möchte Flüchtlingen auch den Weg zu den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio ebnen. Bach gab auf der Versammlung bekannt, dass wie schon 2016 in Rio de Janeiro erneut ein Flüchtlingsteam an den Spielen teilnehmen soll. 2016 waren zehn Sportler, darunter die in Berlin lebende syrische Schwimmerin Yusra Mardini, für das Flüchtlingsteam unter der Flagge des IOC an den Start gegangen. Das IOC hatte damals Trainer und Betreuer gestellt.

sid/dpa | Stand: 09.10.2018, 19:44

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