IOC erhält schwierige Bewerbungen für 2026

IOC Session 2018

IOC-Versammlung in Buenos Aires

IOC erhält schwierige Bewerbungen für 2026

Von Chaled Nahar

In Buenos Aires beginnt die Versammlung des Internationalen Olympischen Komitees. Im Mittelpunkt stehen die Bewerbungen für die Winterspiele 2026. Die drei Kandidaten haben allerdings unterschiedliche Unwägbarkeiten für das IOC.

Bei der 133. IOC-Versammlung in Buenos Aires, die am Montag und Dienstag (08./09.10.2018) stattfindet, geht die Vergabe der Olympischen Winterspiele 2026 in die entscheidende Phase. Nach 2020 (Sommerspiele Tokio), 2022 (Winterspiele Peking), 2024 (Sommerspiele Paris) und 2028 (Sommerspiele Los Angeles) sind die Winterspiele 2026 die derzeit einzige offene Veranstaltung für die nähere Zukunft.

Drei Kandidaten sind übrig geblieben: Calgary, Stockholm sowie Mailand gemeinsam mit Cortina d'Ampezzo. Die türkische Stadt Erzurum hatte das IOC-Exekutivkomitee in der vergangenen Woche wegen mangelhafter Infrastruktur aus dem Kreis der Bewerber gestrichen. Graz, Sion und Sapporo waren schon zuvor aus unterschiedlichen Gründen ausgeschieden.

Drei Kandidaturen, drei große Probleme

Bei dem Treffen im Hilton-Hotel am Jachthafen Puerto Madero sollen die Delegierten nun die drei verbliebenen Bewerber zu offiziellen Kandidaturen erheben. IOC-Vizepräsident Juan Antonio Samaranch jr., Sohn des früheren gleichnamigen IOC-Präsidenten, lobte die drei Bewerbungen. Die Kandidaten verfügen seiner Ansicht nach "über große Wintersporterfahrung und eine gute Infrastruktur".

Doch es läuft nicht alles glatt für das IOC. Denn alle drei Bewerbungen bringen Unwägbarkeiten für die finanziell wichtige Veranstaltung mit sich:

Calgary: In der kanadischen Stadt steht am 13. November ein nicht bindender Bürgerentscheid darüber an, ob Calgary seine Bewerbung aufrecht erhalten soll. Eine Umfrage im August deutet auf einen engen Ausgang hin: 53 Prozent sollen sich demnach für eine Ausrichtung der Spiele ausgesprochen haben. Volksbefragungen haben für Olympische Sommer- oder Winterspiele schon in zahlreichen Städten das Ende der Bewerbungen bedeutet. Auch wenn einige nicht bindend für die Politik waren, gaben sie häufig den Ausschlag.

Stockholm: Die Bewerbung kämpft weiter um staatliche Unterstützung. Die vom IOC geforderten staatlichen Garantien - darunter beispielsweise die Steuerfreiheit - konnte die Bewerbung noch nicht abgeben. Bis Januar müssten alle Garantien stehen, sagte Bewerbungschef Richard Brisius im Branchendienst "gamesbids.com". Ein weiterer Zeitverzug könnte nun durch den anstehenden Regierungswechsel nach der Parlamentswahl im vergangenen September entstehen.

Mailand/Cortina d'Ampezzo: Die Bewerbung aus Italien erlebte bereits einige Rückschläge, vor allem als sich Turin aus dem zunächst drei Städte umfassenden Projekt verabschiedete. Ebenfalls steht hier die staatliche Unterstützung aus: Innenminister Matteo Salvini sagte zwar zu, eine italienische Bewerbung mit Mailand und Cortina d'Ampezzo zu befürworten, die Regierung wolle aber keine Investitionen finanzieren.

IOC-Präsident Bach: "Kein Plan B"

IOC Präsident Thomas Bach

IOC Präsident Thomas Bach

Die IOC-Session hat im September 2019, wenn die Entscheidung fällt, nach jetzigem Stand also die Wahl zwischen drei (noch) nicht perfekten Kandidaten. Doch was passiert, wenn sich einer oder mehrere der drei Bewerber aus politischen oder finanziellen Gründen doch noch von der Kandidatur verabschiedet?

"Es gibt keinen Plan B", sagte IOC-Präsident Thomas Bach am Samstag in Buenos Aires. "Und wir werden uns an keinen Spekulationen beteiligen." Er verwies auf das große Interesse anderer Städte für die Sommerspiele 2032. Pläne für Bewerbungen gibt es beispielsweise in Indonesien, Korea, Nordrhein-Westfalen und Indien.

Kritik wird kleingeredet

Am Samstag sprach Bach beim Forum "Olympism in Action", das das IOC ins Leben rief. Bei einer Podiumsdiskussion zu den Perspektiven künftiger Ausrichter von Olympischen Sommer- oder Winterspielen traf Bach auch auf Chris Dempsey, der die erfolgreiche Kampagne zu Bostons Ausstieg aus dem Rennen um die Olympischen Sommerspiele 2024 geführt hatte. Dempsey kritisierte erwartungsgemäß die Garantien, die die Steuerzahler in den Ländern dem IOC geben müssten. Es gebe keine positiven ökonomischen Effekte für die Ausrichter, sagte er.

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Bach winkte ab und stellte die Kompetenz von Dempsey infrage: Von den fünf Personen auf dem Podium habe nur Dempsey noch nie Olympische Spiele ausgerichtet, wisse aber alles besser, sagte Bach. Boston galt als Kandidat für die Sommerspiele 2024, die Stadt zog sich aber später wegen immer lauter werdender Kritik zurück.

Stand: 08.10.2018, 13:12

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