Deutsche Olympiainitiativen: Zwischen Ernst und Skepsis

Thomas Bach leitet IOC-Exekutive

IOC-Exekutive in Lausanne

Deutsche Olympiainitiativen: Zwischen Ernst und Skepsis

Von Tom Mustroph (Lausanne)

Beim Treffen des Executive Board des IOC wurden die Hymne der Jugendwinterspiele in Lausanne 2020 und das Emblem von Paris 2024 vorgestellt. Die deutschen Olympiavorhaben spielten noch keine Rolle.

Viel Betrieb beim IOC. Die Gastgeberstädte der nächsten vier Olympischen Spiele machten dem Executive Board des IOC bei dessen turnusmäßiger Tagung ihre Aufwartung. Überraschung löste die Delegation von Paris 2024 aus. Sie hielt an dem Vorhaben fest, die olympischen Surfwettbewerbe mehr als 15.000 Kilometer von Paris entfernt auf Polynesien stattfinden zu lassen. In den Zeiten des wachsenden Klimabewusstseins ist das ein waghalsiges Vorhaben.

Debatten über die deutschen Olympiaträume wurden nicht geführt. "Rhein Ruhr City 2032" sammelt Unterstützung für die Sommerspiele 2032. In Thüringen sorgte eine ebenfalls private Initiative für die Winterspiele 2030 kürzlich für Aufmerksamkeit.

Rhein Ruhr wird ernst genommen

"Es gibt noch keinen Zeitplan für die einzelnen Schritte des Vergabeprozesses für 2030 und 2032", sagte der Sportdirektor des IOC, Christophe Dubi, der Sportschau. Dubi zeigte sich immerhin angetan von "Rhein Ruhr City 2032". "Wir waren dort bei einer Konferenz über die zukünftigen Bewerberstädte. Es ist ein neuer Ansatz, den wir machen, und er ist sehr erfolgreich. Wir sind in Gesprächen mit Interessenten für 2030, 2032, sogar bis 2036", sagte Dubi.

Während "Rhein Ruhr" in Lausanne als Kandidat ernst genommen wird, schließlich machte auch NRWs Ministerpräsident Armin Laschet schon seine Aufwartung bei IOC-Präsident Thomas Bach, wollte sich zu "Thüringen 2030" niemand äußern.

Die Chancen für Olympische Spiele an Rhein und Ruhr Aktuelle Stunde 21.10.2019 06:08 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Die Idee dazu hatte der Sprecher der VR Bank in Schmalkalden, Mike Helios, vor kurzem in die Welt gesetzt. Auf Sportschau-Nachfrage betonte Helios, dass er bei dem Olympiavorhaben nicht in der Funktion als Pressesprecher der Bank operiere. "Es ist eine Idee, die sich aus dem Mauerfall-Jubiläum speist. Wir wollen, dass 40 Jahre nach dem Mauerfall sich ein geeinigtes Land als Olympiagastgeber präsentiert", sagte er.

Skepsis gegenüber Thüringen

Weil die Initiative nicht mit den Sportfachverbänden und auch nicht mit der Landespolitik abgestimmt war, stieß sie weitgehend auf Skepsis. "Die Initiatoren haben bislang mit uns nicht gesprochen. Wir wissen gar nicht detailliert, was sie vorhaben", sagte Stefan Hügel, Präsident des Landessportbundes Thüringen, der Sportschau. Als kompletten Gegner der Idee will sich Hügel aber auch nicht dargestellt sehen. "Wir begrüßen natürlich jede Initiative, Sportgroßveranstaltungen nach Deutschland und erst recht nach Thüringen zu holen. Finanziell sind aber schon die beiden Weltmeisterschaften im Biathlon und Rennrodeln 2023 eine Herausforderung für das Land", meinte er.

In Lausanne ist vor allem die Skepsis der Sportfunktionäre aus Deutschland angekommen. "Es ist erst einmal eine Sache des DOSB, sich damit zu befassen", sagte ein IOC-Sprecher der Sportschau. Ein Gespräch mit DOSB-Präsident Alfons Hörmann stehe immerhin an, versicherte Thüringen-Promoter Helios der Sportschau.

Bachs Zukunft spielt eine Rolle im Vergabeprozess

Entscheidungen über die Vergabe wird es mindestens bis 2021 nicht geben. Dann endet das Mandat von IOC-Präsident Thomas Bach. Noch ist unklar, ob er sich wieder zur Wahl stellen will. Auf keinen Fall wolle er aber potentielle Nachfolger im Falle der Olympischen Spiele 2030 und 2032 vor vollendete Tatsachen stellen, hieß es im Flurfunk des olympischen Hauses. Die Amtsperiode ab 2021 endet acht Jahre später; Entscheidungen über 2030 und 2032 schon jetzt würden also gleich zwei Amtszyklen betreffen.

Zuständig für die Sichtung der Interessenten sind ohnehin die in diesem Jahr neu isntallierten Future Host Commissions. Die für den Wintersport wird von dem Rumänen Octavian Morariu geleitet, die für die Sommerspiele von der Norwegerin Kristin Kloster Aasen.  Beide sind IOC-Mitglieder, sitzen aber nicht im Executive Board.

Nord- und Südkorea favorisiert - wenn

Interesse an den Winterspielen 2030 hatten bereits Salt Lake City (USA), Sapporo (Japan) sowie Barcelona und die Pyrenäenregion (Spanien) geäußert. Sapporo, das seine Bewerbung für 2026 wegen Erdbebenschäden zurückzog, ist hier momentan favorisiert.

Klarer politischer Favorit für die Sommerspiele 2032 wäre eine gemeinsame Bewerbung von Nord- und Südkorea - sollte sie denn zustande kommen. Außerdem macht sich das australische Brisbane stark. Dort gibt es aber auch politischen Widerstand. Nach einem Treffen in Lausanne im September wurde Annastacia Palaszczuk, Ministerpräsidentin des australischen Gliedstaates Queensland, mit der Bemerkung zitiert: "Wenn die Spiele keinen realen Nutzen für diesen Staat bringen, dann werden wir die Bewerbung nicht weiter treiben." Vor einer ähnlichen Tiefenprüfung steht jetzt "Rhein Ruhr City 2032". "Thüringen 2030" ist selbst davon noch einige Ringe entfernt.

Stand: 05.12.2019, 08:51

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