Ein Jahr vor Olympia - "Vieles ist wieder auf Null"

Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC)

ARD-Korrespondentin berichtet aus Tokio

Ein Jahr vor Olympia - "Vieles ist wieder auf Null"

Der Countdown läuft: Am 23. Juli 2021 sollen die Olympischen Spiele in Tokio beginnen. ARD-Korrespondentin Kathrin Erdmann hat sich vor Ort ein Bild vom Stand der Dinge gemacht.

Viele Athleten sind skeptisch, Japans Bevölkerung winkt schon ab - doch die Olympia-Macher geben im Wettlauf mit Corona nicht auf. Genau ein Jahr vor Beginn der verlegten Spiele von Tokio - und einen Tag vor der ursprünglich angesetzten Eröffnungsfeier - setzen die Organisatoren am Donnerstag (23.07.2020) ein Zeichen der Hoffnung. Im leeren Olympiastadion wird ein Video veröffentlicht, das die Botschaft von Respekt und Dankbarkeit enthält und den Athleten Mut machen soll, die an den Spielen (23. Juli bis 8. August 2021) teilnehmen wollen.

Bach hat ein "Gänsehauterlebnis"

Die Nachricht geht um 20 Uhr um die Welt, dann, wenn ein Jahr später die Eröffnungsfeier beginnen soll. IOC-Präsident Thomas Bach sprach von einem "Gänsehauterlebnis", das die Welt am Donnerstag erwartet und pries erneut die Chancen, die die Spiele in Tokio bieten. "Wenn alles seinen richtigen Weg geht, wird Olympia in Tokio das erste Fest nach Corona, das die Welt vereint", sagte Bach und sprach von einem "besonderen Meilenstein für die ganze Welt".

Thomas Bach: "Gesundheit aller Teilnehmer gewährleisten" Sportschau 22.07.2020 01:24 Min. Verfügbar bis 22.07.2021 Das Erste

Japans Bevölkerung hat jedoch kaum noch Lust auf das Spektakel. Laut Umfrage der nationalen Nachrichtenagentur Kyodo lehnte die Mehrheit der Befragten in Japan eine Austragung im nächsten Sommer ab. 36,4 Prozent gaben an, dass die Spiele nochmal verlegt werden sollten, 33,7 Prozent plädierten für eine Absage; nur 23,9 Prozent bekannten sich zu Olympia im nächsten Jahr. Die Unlust resultiert auch daraus, dass Japan die Pandemie nicht in den Griff bekommt. Zuletzt stiegen die Infektionszahlen wieder dramatisch an, insgesamt sind knapp 27.000 Menschen infiziert, die Zahl der Toten stieg auf über 1.000.

"Andererseits eine neue Herausforderung"

ARD-Korrespondentin Kathrin Erdmann traf vor Ort Laura Lindemer, eine Japanologin aus Würselen mit einem Büro in Tokio. Lindemer fasst ihre Eindrücke so zusammen: "Viele Sachen sind wirklich wieder auf Null, leider. Ist natürlich schade, wenn man einmal so weit gekommen ist, aber andererseits ist es nochmal eine neue Herausforderung. Die Sachen, die wir einmal organisiert haben, davon kann man ja auch einige übernehmen – und kann jetzt Vieles bestimmt noch wesentlich besser machen."

Wie die medizinische Sicherheit der Athleten und Zuschauer im nächsten Jahr gewährleistet werden soll - da sieht Lindemer noch Luft nach oben: "Die Japaner sind ja schon immer sehr, sehr vorsichtig, tragen zu bestimmten Zeiten schon immer Maske. Es wird aber auch viel mit Desinfektion gearbeitet. Das kann man jetzt schon sagen: Da brauchen wir noch mehr."

Olympia 2020 ist und bleibt eine Herausforderung

Sportschau 22.07.2020 02:31 Min. Verfügbar bis 22.07.2021 ARD Von ARD-Reporterin Kathrin Erdmann


"Spiele werden einzigartig und anders"

Der Franzose Tristan Lavier, im Organisationskomitee für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, sagt im Gespräch mit Erdmann: "Es ist klar, dass diese Spiele einzigartig und anders als die bisherigen sein werden. Was das heißt? Ich weiß es nicht, ich glaube, das kann momentan niemand genau sagen."

Dass die Japaner momentan andere Sorgen haben als die Olympischen Spiele, sieht auch Tristan ein. Trotzdem muss er in seiner Position natürlich an die Austragung glauben und klingt ein wenig wie Thomas Bach, wenn er sagt: "Die Spiele können nach einem Jahr, das wir alle vergessen wollen, ein Symbol der Auferstehung sein."

Olympia 2020 - eine organisatorische Mammutaufgabe

Sportschau 22.07.2020 03:02 Min. Verfügbar bis 22.07.2021 ARD Von ARD-Reporterin Kathrin Erdmann


Stand: 23.07.2020, 10:18

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