Motorrad - Jonas Folger und der lange Weg zurück

Jonas Folger

Grand Prix auf dem Sachsenring

Motorrad - Jonas Folger und der lange Weg zurück

Vor zwei Jahren wurde Jonas Folger am Sachsenring in der MotoGP sensationell Zweiter. Danach folgte wegen gesundheitlicher Probleme ein Karriereknick. Jetzt kämpft er wieder um den Anschluss.

Als Jonas Folger 2017 den Sachsenring beben ließ, konnte niemand ahnen, welches Martyrium dem Rennfahrer bevorstand. Ein lange nicht erkanntes Burnout-Syndrom sorgte für den Karriereknick und viele Fragen, dem Highlight vor zwei Jahren mit der sensationellen Fahrt auf Platz zwei in der MotoGP folgte eine Zeit der Ungewissheit. Am Wochenende kehrt Folger zurück, allerdings unter völlig anderen Vorzeichen.

Gut 21 Monate hat Folger keine Motorradrennen bestritten. Wegen Erschöpfungszuständen verpasste er 2017 die letzten vier Läufe seines Rookie-Jahres in der Königsklasse und räumte den Platz bei Tech3 Yamaha für die darauffolgende Saison freiwillig. Erst viel später kam heraus, was dahinter steckte: Folger konnte nicht mehr, physisch und mental.

Ersatzfahrer beim Petronas-Team

Folger zog den Stecker, noch vor einem Jahr war alles offen. "Ich weiß nicht, ob ich wieder Rennen fahre", sagte der Familienvater aus Oberbergkirchen, heute geht es ihm wieder besser. Seit dem Vorjahr testet er für den Hersteller Yamaha MotoGP-Maschinen, und seit einigen Wochen ist er auch wieder Rennfahrer - wenn auch nur in der Moto2.

In Barcelona und Assen kam Folger als Ersatzmann für den Malaysier Khairul Idham Pawi im Petronas-Team zum Einsatz. Beim Großen Preis von Deutschland folgt am Sonntag (07.07.2019) nach derzeitigem Stand der dritte und vorerst letzte Start in diesem Jahr. Doch Folger will zurück in den Motorrad-Zirkus, Kiefer Racing hat für 2020 schon Interesse angemeldet.

Schwierige Umstellung

Dass der "nächste Schritt zurück in den Rennsport" derart schwierig werden würde, hat Folger nicht erwartet. In Spanien (19.) und in den Niederlanden (17.) reichte es nach Kollisionen nicht für WM-Punkte, Folger hatte sich zuvor "bei weitem mehr erhofft. Mir fällt die Umstellung auf die Moto2 nicht so leicht, wie angenommen."

Folger war zuletzt 2016 eine volle Saison in der mittleren Klasse gefahren. Er holte zwei Siege, fünf Podiumsplätze und wurde im Klassement Siebter. Es war seine Empfehlung für den Aufstieg zu den Großen um Valentino Rossi, doch seither ist viel passiert. In der Moto2 stellt etwa Triumph statt Honda den Einheitsmotor, und dieser hat 765 und damit 165 Kubik mehr als der Vorgänger.

Kleinere Brötchen backen

Das müsste Folger nach 13 Einsätzen in der MotoGP (1000 ccm) eigentlich entgegenkommen, doch alle Theorie ist grau. Dass er die neue Kalex mit Triumph-Aggregat im Herbst schon einmal gefahren ist, habe kaum geholfen. "Bei einem Test bekommt man gar keine richtigen Aufschlüsse, weil man kaum mit anderen Fahrern zusammen auf die Strecke geht", sagt Folger.

Und so muss der fünfmalige Grand-Prix-Sieger vorerst kleinere Brötchen backen, ein Punkt wäre schon ein Erfolg. Das Comeback ist für Folger aber ohnehin vor allem eine "Standortbestimmung hinsichtlich meiner Verfassung". Nachdem Folger vor zwei Jahren auf dem Sachsenring hinter dem spanischen Weltmeister Marc Marquez über die Ziellinie gefahren war, gratulierte ihm MotoGP-Legende Valentino Rossi auf der Auslaufrunde per Handschlag. Unvergessene Momente, Gedanken daran werden beim Rückkehrer in diesen Tagen sicherlich hochkommen.

sid | Stand: 03.07.2019, 11:48

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