Prozess gegen Ex-Leichtathletik-Chef um Monate verschoben

Lamine Diack beim Prozess in Paris

Leichtathletik

Prozess gegen Ex-Leichtathletik-Chef um Monate verschoben

Bestechung, Geldwäsche, Korruption: Es sind schwere Vorwürfe gegen den inzwischen 86-jährigen Lamine Diack. Ab Montag (13.01.2020) hätte sich der ehemalige Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) deshalb in Paris vor Gericht verantworten müssen. Doch der Prozess wurde direkt um mehrere Monate vertagt.

Die Vorsitzende Richterin Rose-Marie Hunault begründete die Entscheidung mit Verfahrensfragen. Das Land Senegal habe erst jetzt Auskünfte übermittelt, um die Ermittlungsrichter bereits 2016 gebeten hätten.

Zehn Jahre Gefängnis drohen

Der 86-jährige Senegalese, der sich wegen mutmaßlichen Betrugs, Korruption, Veruntreuung und Geldwäsche verantworten muss und seit November 2015 unter Hausarrest steht, war selbst zur Prozesseröffnung erschienen.

Dem früheren Leichtathletik-Paten drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis. Mehr als vier Jahre lang wurde ermittelt, die Anklageschrift ist 90 Seiten lang. Mit Diack muss sich einer der einst mächtigsten Sportfunktionäre der Welt wegen seiner Gier und Rücksichtslosigkeit verantworten.

Diack führte den Weltverband 16 Jahre lang

Diack führte den Weltverband von 1999 bis 2015 offenbar wie ein Sonnengott. "Ich opfere meine Familie für den Sport. Diack ist in meinen Augen eine Person, die den Sport für seine Familie opfert", sagte einmal Marius Vizer, ehemaliger Präsident aller Sport-Weltverbände, über den mittlerweile 86-Jährigen.

Diack wird vorgeworfen, als Leichtathletik-Chef Bestechungsgelder für vertuschte positive Dopingtests erpresst zu haben, vor allem von Athleten aus Russland. Über drei Millionen Euro sollen dabei zusammengekommen sein. Außerdem sollen Veranstaltungen verschoben, Stimmen für Großereignisse wie Olympische Spiele verkauft worden sein. Die französischen Ermittler wurden tätig, nachdem die ARD 2014 über die Vertuschung von Dopingfällen in der russischen Leichtathletik berichtet hatte.

"Der größte Skandal im Weltsport"

Diack selbst tat die Vorwürfe als Verschwörung und "gezielte Kampagne" ab, "um die Medaillen neu vergeben zu können". In der Leichtathletik sei man "überzeugt, dass 99 Prozent unserer Athleten sauber sind. Wir sind schließlich nicht der Radsport."

"Wenn ich eine Skala aufstelle von null bis zehn, und zehn ist der größte Skandal im Weltsport, dann würde ich diesen bei zehn einstufen", sagt Clemens Prokop, der ehemalige Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), der in seinen 16 Amtsjahren immer wieder mit den Diacks zu tun hatte. Die "ganze Bandbreite" des Falles sei entscheidend. "Es werden Athleten erpresst, es werden Veranstaltungen verschoben, es wird Stimmenkauf betrieben – es wird alles gemacht, was mit den Idealen des Sports völlig unvereinbar ist", sagt Prokop. Seit er gemeinsam mit Lamine Diack die WM 2009 in Berlin vorbereitete, so sagt Prokop, sei ihm die "diese Truppe" der Diacks "sehr suspekt" vorgekommen.

Auch der Sohn ist angeklagt - bleibt aber unbehelligt

Neben Diack Senior sind weitere Personen angeklagt: unter anderem sein Sohn Papa Massata Diack, der etwa 1,7 Millionen Euro in Luxusuhren investiert haben soll.

Papa Massata Diack, der sich im Senegal aufhalten soll und von der dortigen Regierung nicht ausgeliefert wird, bezeichnete die Ermittlungen gegen sich und seinen Vater zuletzt als "Hexenjagd", sein Vater werde "als Geisel" gehalten. "Die Rollen waren klar verteilt: Der Vater leitete den Verband, und der Sohn handelte im Auftrag des Vaters die Verträge aus. Allein diese Interaktion zwischen Vater und Sohn ermöglichte es dem Sohn, sich über Jahre mittels der Unterstützung seines Vaters zu bereichern", schrieben die Ermittler der Pariser Staatsanwaltschaft in ihrem Bericht.

sid, dpa | Stand: 13.01.2020, 15:54

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