IOC reagiert auf Hitze in Tokio: Marathon wird wohl nach Sapporo verlegt

Läuferinnen beim Marathon WM 2019

Olympische Spiele 2020 in Tokio

IOC reagiert auf Hitze in Tokio: Marathon wird wohl nach Sapporo verlegt

Das Hitze-Chaos beim Marathon bei der Leichtathletik-WM 2019 hat Konsequenzen für Olympia 2020: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will den Marathon-Wettbewerb ins kühlere Sapporo verlegen.

Sapporo liegt rund 800 Kilometer von Tokio entfernt. Die Organisatoren der Olympischen Spiele 2020 in Tokio wollen diese Entscheidung akzeptieren. "Das IOC und der Leichtathletik-Weltverband unterstützen den Plan. Können wir da als Organisatoren 'Nein' sagen?", fragte OK-Chef Yoshiro Mori am Donnerstag (17.10.2019). "Wir müssen das akzeptieren. Es geht nicht darum, ob der Plan gut oder schlecht ist."

Am Mittwoch hatte das Internationale Olympische Komitee (IOC) überraschend erklärt, die Marathon- und Geherwettbewerbe in die Ausrichterstadt der Olympischen Winterspiele 1972 verlegen zu wollen. In Sapporo sollen die Bedingungen im Vergleich zu Tokio erträglicher sein. Die endgültige Entscheidung soll auf einer Sondersitzung am 30. Oktober und 1. November in Tokio fallen. Das IOC diskutiert mit dem Leichtathletik-Weltverband IAAF, dem Organisationskomitee, den NOKs und den TV-Anstalten.

Tokio 2020: Auf der Suche nach Maßnahmen gegen große Hitzewelle Morgenmagazin 19.09.2019 01:39 Min. Verfügbar bis 19.09.2020 Das Erste

Die IOC-Ankündigung erwischte die Verantwortlichen auf der nördlichsten japanischen Insel unvorbereitet. "Ich war sehr überrascht, dass das IOC ausdrücklich Sapporo erwähnt hat, aber gleichzeitig fühle ich mich geehrt", sagte Sapporos Bürgermeister Katsuhiro Akimoto. Seine Amtskollegin aus Tokio reagierte zurückhaltender. "Es war eine sehr unerwartete Ankündigung. Wir wissen, dass viele Bürger Tokios sich sehr darauf freuen und bereits Vorkehrungen getroffen haben", sagte Yuriko Koike: "Ich möchte, dass wir von allen Standpunkten aus diskutieren, was das Beste ist."

IOC verteidigt Entscheidung

John Coates, Vorsitzender der für Tokio 2020 zuständigen IOC-Kommission, verteidigte die Vorgehensweise. "Für Tokio 2020 kam es ein bisschen überraschend, das kann ich verstehen", sagte er in einem Interview mit der japanischen Presseagentur "Kyodo News": "Wir mussten schnell handeln und wollten keine Spekulationen. Es war besser, damit herauszukommen und zu sagen, was unser Plan ist. Wir wollen, dass die Sportler jedwede Möglichkeit haben, ihre beste Leistung abzurufen. Wir wissen jetzt, dass dies in der Hitze in Tokio nicht möglich ist."

In Tokio werden während der Olympischen Sommerspiele Temperaturen von bis zu 35 Grad erwartet. Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Katar waren zuletzt mehrere Läufer bei vergleichbaren Temperaturen bei den Marathon- und Geher-Wettbewerben zusammengebrochen oder hatten aufgegeben. Nur 40 der 69 Teilnehmerinnen kamen beim Frauen-Marathon ins Ziel.

DOSB-Präsident Hörmann lobt "ermutigendes Signal"

Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), nannte es "ein ermutigendes Signal, dass das IOC die jüngsten Erkenntnisse der Leichtathletik-WM so schnell und konsequent aufgreift und im Sinne der Sportler entscheiden will".

SID/dpa/red | Stand: 17.10.2019, 13:59

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