Ex-Leichtathletikchef Diack gesteht einige Vorwürfe vor Gericht ein

Lamine Diack vor dem Pariser Gericht, das den Prozess verhandelt, in dem Diack sich wegen Korruptionsvorwürfen verantworten muss

Prozess gegen Skandalfunktionär

Ex-Leichtathletikchef Diack gesteht einige Vorwürfe vor Gericht ein

Der frühere Leichtathletik-Weltverbandspräsident Lamine Diack hat am Mittwochnachmittag (10.06.2020) erstmals im Prozess vor einem Pariser Strafgericht ausgesagt. Nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP räumte Diack dabei einen Teil der Vorwürfe gegen ihn ein. Er habe während seiner Amtszeit entschieden, Disziplinarverfahren gegen gedopte russische Athleten zurückzuhalten.

Es sei Diack vor allem um die finanzielle Gesundheit des früheren Weltverbandes IAAF (heute World Athletics) gegangen, zitierte die Agentur den 87 Jahre alten Senegalesen.

Die Enthüllung so vieler Fälle auf einmal hätte einen Skandal ausgelöst und die Verhandlungen mit den Sponsoren belastet. "Die finanzielle Gesundheit der IAAF musste gesichert werden, und ich war bereit, diesen Kompromiss einzugehen", begründete Diack. Durch die Verzögerung konnten Athleten etwa noch an den Olympischen Spielen 2012 in London teilnehmen.

Diack gesteht: Positive Dopingproben vertuscht

Während seines 30-minütigen Auftritts vor Gericht schweifte Diack mehrmals ab, sprach teilweise unzusammenhängend und wurde nicht konkret. Richterin Rose-Marie Hunault musste den teils chaotischen Monolog zwischenzeitlich unterbrechen. Im Anschluss bestätigte Diack dann aber die Aussage seines früheren Anti-Doping-Chefs Gabriel Dolle, wonach positive Proben vertuscht werden sollten, um einen Skandal zu verhindern.

Anklage wegen Betrugs, Korruption und Geldwäsche

Diack ist wegen Betrugs, Korruption, Veruntreuung und Geldwäsche angeklagt. Ihm drohen bis zu zehn Jahre Haft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll Diack, der von 1999 bis 2015 IAAF-Chef war, direkt oder indirekt 3,45 Millionen Euro (3,9 Millionen Dollar) von Athleten, die des Dopings verdächtigt waren, erpresst haben. Daran will Diack allerdings nicht beteiligt gewesen sein.

dpa/sid/red | Stand: 11.06.2020, 15:00

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