Skandalfunktionär Diack sagt Mittwoch vor Gericht aus

Lamine Diack

Leichtathletik

Skandalfunktionär Diack sagt Mittwoch vor Gericht aus

Die Anklage spricht von einem "wahrhaft kriminellen System", die Angeklagten beteuern eisern ihre Unschuld. Ab Montag (08.06.20) sollte der Prozess gegen den Leichtathletik-Paten Lamine Diack und dessen mutmaßliche Komplizen endlich Fahrt aufnehmen. Ein Urteil war ursprünglich im Januar erwartet worden.

Der Hauptangeklagte Diack soll nun am Mittwoch aussagen. Das wurde am Montag zum Auftakt der Verhandlung vor der 32. Kammer des Strafgerichtshofs in Paris bekannt.

Antoine Beauquier, Anwalt des ebenfalls angeklagten Diack-Sohnes Papa Massata, hatte einen weiteren Aufschub beantragt, den die Richter allerdings zurückwiesen. Zwei seiner Kollegen, die Diack junior vertreten, könnten wegen der Corona-Pandemie nicht nach Frankreich einreisen, hatte Beauquier argumentiert.

Papa Massata Diack entzieht sich im Senegal der französischen Strafverfolgung. Sein Vater Lamine, bis 2015 Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes, steht dagegen in Frankreich unter Hausarrest, am Sonntag wurde er 87 Jahre alt.

Vorwürfe gegen Diack - Geldwäsche, Korruption, Dopingvertuschung

Zu feiern gab es nichts, zu schwer wiegen die Anklagepunkte. Diack senior wird Geldwäsche, bandenmäßige Kriminalität sowie aktive und passive Korruption vorgeworfen. Ihm drohen bis zu zehn Jahren Haft und eine hohe Geldstrafe. Zu Beginn des Jahres war der Prozess am ersten Verhandlungstag verschoben worden. Die Behörden im Senegal hatten Papa Massata Diack befragt, den einstigen Marketing-Berater des Weltverbandes. Die Ergebnisse mussten ausgewertet werden. Die Neuaufnahme am 3. Juni wurde ohne Angaben von Gründen auf Montag verlegt.

Lamine Diack (l.), Wladimir Putin

Diack (l.), Putin bei der Leichtathletik-WM in Moskau

Nach jahrelangen Ermittlungen wird der Prozess gegen die Diacks und ihre mutmaßlichen Mitstreiter weltweit mit Spannung erwartet. Lamine Diack wird vorgeworfen, Bestechungsgelder für vertuschte positive Dopingtests erpresst zu haben. Allein 23 russische Athleten sollen jeweils zwischen 100.000 und 600.000 Euro gezahlt haben, um bei den Olympischen Spielen 2012 in London und den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau starten zu können.

Insgesamt sollen Diack und seine Komplizen 3,45 Millionen Euro Schmiergeld für fallengelassene Dopingdelikte kassiert haben. Der einst mächtige Strippenzieher beteuert seine Unschuld. "Ich werde der Welt zeigen, dass ich kein Bandenchef bin, der Athleten freispricht", hatte Diack im Januar gesagt: "Ich bedauere die Verzögerung natürlich. Ich dachte, wir würden schnell vorankommen, damit meine Rückkehr nach Hause näher rückt."

Internationaler Haftbefehl gegen Diack junior

Neben Diack senior und seinem Sohn Papa Massata sind vier weitere Personen angeklagt: Walentin Balachnitschew, der Ex-Präsident des russischen Verbandes sowie Schatzmeister unter Diack, der ehemalige russische Cheftrainer Alexej Melnikow, Gabriel Dolle, ehemaliger Direktor des Anti-Doping-Programms des mittlerweile umbenannten Weltverbandes, und Habib Cisse, ein ehemaliger Berater Diacks. Nur Dolle und Cisse sollen neben Lamine Diack vor Gericht erscheinen.

Diack junior, der laut Anklage neben seinem Vater die Schlüsselfigur in einem "wahrhaft kriminellen System" gewesen sein soll, ist in seiner senegalesischen Heimat sicher, die Regierung in Dakar weigert sich trotz internationalen Haftbefehls, ihn an Frankreich auszuliefern. Auch gegen Balachnitschew und Melnikow liegen Haftbefehle vor, aber auch sie dürften fehlen, wenn am Montag der Prozess fortgesetzt wird.

dpa/sid/red | Stand: 08.06.2020, 16:23

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