Judoka Johannes Frey: "In Tokio gebe ich Vollgas"

Johannes Frey (r.)

Judo-WM in Tokio

Judoka Johannes Frey: "In Tokio gebe ich Vollgas"

Judoka Johannes Frey hat in einem Jahr zehn Kilogramm Körpergewicht zugelegt, um zusammen mit seinem Bruder bei Olympia 2020 dabei sein zu können. Im Interview spricht er über diese Umstellung, seine Ziele bei der bevorstehenden WM und über seine bis zu 40 Kilogramm schwereren Gegner.

Die Brüder Johannes und Karl-Richard Frey standen beide jahrelang in der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm auf der Judomatte. Vor eineinhalb Jahren wechselte der 22-Jahre alte Johannes Frey die Klasse, damit beide Brüder eine Chance haben, bei Olympia 2020 in Tokio dabei zu sein. Bei der WM (25.08. bis 01.09.2019), die ebenfalls in Tokio stattfindet, können sich beide für Olympia qualifizieren.

sportschau.de: Herr Frey, Sie haben jahrelang in der Gewichtsklasse bis 100 Kilogramm gekämpft und gehen jetzt bei der WM in Tokio in der Klasse ab 100 Kilogramm an den Start. Wie viel wiegen Sie denn eigentlich im Moment?

Johannes Frey: Momentan liegt mein Gewicht bei 115 Kilogramm. Ich habe innerhalb eines Jahres etwa zehn Kilogramm zugenommen, nachdem ich die Gewichtsklasse gewechselt habe.

Können Sie kurz erklären, wie es zu dem Wechsel in die Schwergewichtsklasse kam?

Frey: Es ist so, dass mein Bruder Karl-Richard Frey auch sehr erfolgreich im Judosport unterwegs ist und wir lange Zeit beide in der Klasse bis 100 Kilogramm gekämpft haben. Da sich beim Judo pro Gewichtsklasse nur ein deutscher Athlet für Olympia qualifizieren kann, haben wir zusammen mit dem Bundestrainer und unserem Vater entschieden, dass ich den mutigen Schritt gehe und die Klasse wechsle, damit wir beide die Chance haben, uns für Tokio 2020 zu qualifizieren.

Judoka Johannes Frey über seine neue Gewichtsklasse und die WM in Tokio

Sportschau 23.08.2019 08:56 Min. Verfügbar bis 23.08.2020 ARD Von Jakob Halbfas

Wie ist ihr Verhältnis zu Ihrem Bruder - was macht es aus, dass Sie beide zusammen bei der WM dabei sind?

Die beiden Brüder Johnannes (l.) und Karl-Richard Frey

Die beiden Brüder Johnannes (l.) und Karl-Richard Frey

Frey: Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meinen beiden Brüdern. Mit Karl-Richard wohne ich zusammen, wir sind wie beste Freunde. Es ist das erste Mal, dass ich mit ihm zusammen auf einem so großen Turnier kämpfe. Er hat ja schon zwei WM-Medaillen und schon ein bisschen mehr Erfahrung. Er nimmt mir da ein bisschen die Spannung. Es ist ein sehr gutes Gefühl, seinen Bruder bei so einem Turnier dabeizuhaben. 

Wie war für Sie die Umstellung, plötzlich nicht mehr darauf achten zu müssen, unter 100 Kilogramm zu wiegen, sondern möglichst viel Masse aufzubauen?

Frey: Das ist natürlich eine schwere Umstellung, weil man nicht einfach nur Fett zunehmen soll. Das ist ein gezieltes Zunehmen von Muskeln, wobei es wichtig ist, nicht die Schnelligkeit und die Explosivität, die mich auszeichnet, zu verlieren. Das ist jetzt nicht so einfach wie man sich das vorstellt, aber ich habe das jetzt erstmal gut hinbekommen. Mit meinen 115 Kilogramm bin ich momentan sehr zufrieden, aber bis zu den Olympischen Spielen lege ich noch ein paar Kilos drauf.

Was hat sich dadurch in Ihrem Alltag verändert, worauf mussten Sie besonders achten?

Frey: Am Anfang habe ich noch sehr darauf geachtet, wie viele Kalorien ich esse - wichtig war, dass ich auf über 4.000 Kalorien komme. Wir haben auch einen Ernährungsberater in unserem Team, der mir dann gute Tipps gegeben hat. Ich hatte in der Anfangszeit weniger Turniere und konnte so mein Aufbau- und Krafttraining durchziehen.

Gegner sind bis zu 40 Kilogramm schwerer

Wie sieht das bei ihren aktuellen Gegnern aus, die schon immer in der Schwergewichtsklasse kämpfen: Sind die deutlich schwerer als Sie?

Frey: Ja, ich bin der Leichteste in der internationalen Konkurrenz. Es gibt Athleten, die bis zu 40 Kilogramm mehr wiegen. Dennoch konnte ich mich schon behaupten und sehr starke Leute, wie den Vize-Weltmeister schlagen. Wie erwähnt zeichnet mich die Schnelligkeit und Explosivität aus, und damit kommen die schweren Athleten oft nicht zurecht. Ich konnte schon einen Grand Prix gewinnen und bin zweimal deutscher Meister im Schwergewicht geworden.

Jetzt kann man sich nur schwer vorstellen, wie es jemand schafft, der 40 Kilogramm weniger wiegt, seinen Gegner auf die Matte zu werfen. Was hat sich an ihrem Stil gezwungenermaßen in den vergangenen zwei Jahren geändert?

Frey: Ich habe meinen Kampfstil ein bisschen verändert. Zusammen mit dem Bundestrainer Richard Trautmann haben wir neue Techniken entwickelt, die ich sehr gut gegen die schweren Athleten anwenden kann. Das sind tiefe zweibeinige Techniken, die jetzt zu meinen Spezialtechniken gehören.

"Einfach nur Freude"

Am Sonntag (25. August) beginnt nun Ihre erste WM bei den Senioren. Das erste Mal kämpfen Sie am Samstag (31. August). Wie groß ist die Vorfreude?

Frey: Das ist schon aufregend - zusammen mit meinem Bruder bei einer WM zu sein – und dann noch in Japan, im Mutterland des Judosports. Ich glaube es gibt nichts Schöneres. Das macht mir einfach nur Freude.

Die WM ist gleichzeitig auch ein Qualifikations-Turnier für Olympia. Ist es ein realistisches Ziel, sich kommende Woche zu qualifizieren?

Frey: Ja, das ist ein realistisches Ziel. Es gibt bei der WM viele Punkte für die Olympiarangliste und da fehlen mir noch ein paar Punkte, damit ich sicher dabei bin. Mein Ziel ist es erstmal, jeden Kampf zu gewinnen, gut zu kämpfen und fit zu sein. Mein Selbstbewusstsein ist groß genug, um zu sagen, dass ich am Ende unter die ersten sieben kommen möchte. Dafür werde ich Vollgas und mein Bestes geben.

Das Interview führte Jakob Halbfas.

Stand: 24.08.2019, 08:57

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