Schwerer Rassismus-Vorwurf gegen Judo-Trainer

Judokampf (Symbolbild)

Rechtsausschuss des Deutschen Judo-Verbandes tagt

Schwerer Rassismus-Vorwurf gegen Judo-Trainer

Ein Trainer soll einen Judoka der U21-Nationalmannschaft rassistisch beleidigt und angegriffen haben. Mit dem Fall beschäftigt sich jetzt der Rechtsausschuss des Verbandes.

Der Landessportbund Berlin hat am Montag (04.11.2019) einen seiner Trainer von seinen Aufgaben entbunden. Der Übungsleiter soll Anfang Oktober im Trainingslager der Junioren-Nationalmannschaft in Kienbaum den 18 Jahre alten Losseni Koné rassistisch beleidigt und körperlich angegriffen haben. Der Athlet aus Hamburg hat afrikanische Wurzeln. "Der Landessportbund hat den Trainer am Montagabend freigestellt", bestätigte LSB-Sprecher Oliver Weiß der Deutschen Presse-Agentur.

Verfahren vor dem Rechtsausschuss

Auch der Deutsche Judo-Bund (DJB) hat Untersuchungen aufgenommen. Dies bestätigte DJB-Präsident Peter Frese dem Sport-Informationsdienst (SID). "Den Vorfall hat es gegeben", sagte Frese. Der Rechtsausschuss des DJB habe sofort ein Verfahren eingeleitet und wird sich am Freitag mit dem Thema beschäftigen. Bis dahin will sich der DJB auch nicht mehr zu dem Thema äußern. Es wurde Stillschweigen vereinbart. "Ich habe verschiedene Versionen gehört, kann aber nicht sagen, was wirklich passiert ist. Das soll die Verhandlung zeigen", sagte Frese.   

Bei dem betreffenden Trainer soll es sich um Frank Möller handeln. Möller ist einer der erfolgreichsten deutschen Judoka. Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta holte er für Deutschland die Bronze-Medaille. "Da widerspreche ich nicht", sagte Frese dem SID. Der nicht beim DJB angestellte Möller flog jedenfalls aus dem Betreuerteam für die Junioren-WM in Marrakesch/Marokko (16. bis 19. Oktober).

Auf Strafanzeige verzichtet

Der Trainer soll Konè "Schnauze, Bimbo!" zugerufen haben. Zudem soll er ihn aus seinem Schlafraum gezogen und mit dem Handballen gegen den Kiefer geschlagen haben. U21-Bundestrainer Pedro Guedes soll dem Sportler dann zur Hilfe geeilt sein. Das alles berichtet Koné selbst im Interview mit der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ). Der junge Sportler verzichtete auf eine Strafanzeige.

Mündliche Anhörung

Am Freitag in Potsdam sollen nun die Beteiligten sowie die Zeugen der Auseinandersetzung vor dem Rechtsausschuss befragt werden. Dem gehören neben dem Vorsitzenden Dr. Joachim Bechtold vier weitere Mitglieder an. Dem beschuldigten Trainer drohen, falls der Rechtsausschuss Koné Glauben schenkt, unter anderem ein "Verweis" eine "Amtsausübungssperre" oder auch "die Suspendierung von allen Ämtern".

vdv/sid/dpa | Stand: 07.11.2019, 09:17

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