Handball-EM - besonderes Spiel für Trainer Groener

Der deutsche Bundestrainer Henk Groener

Turnier in Frankreich

Handball-EM - besonderes Spiel für Trainer Groener

Für Bundestrainer Henk Groener ist das EM-Spiel der deutschen Handballerinnen gegen sein Heimatland Niederlande ein ganz besonderes - und das muss er auch noch unbedingt gewinnen.

Jetzt kommt es also zum Spiel "Henk gegen Holland". Am Mittwoch (12.12.2018) trifft Bundestrainer Henk Groener mit den deutschen Handballerinnen bei der EM in Frankreich auf die Niederlande. Das Duell mit seinem Heimatland wird für den 58-Jährigen zu einem emotionalen Wiedersehen.

Denn die Niederländerinnen hatte Groener von 2009 an quasi aus dem Nichts bis ins WM-Endspiel 2015 und ins Olympische Halbfinale 2016 geführt. Eine ähnliche Erfolgsgeschichte möchte er nun auch gerne mit den deutschen Frauen einleiten. Dafür braucht es gegen das Team seiner Nachfolgerin Helle Thomsen im Hauptrunden-Finale aber zwingend einen Sieg.

DHB-Team hofft aufs Halbfinale - Amelie Berger warnt vor Niederländerinnen Sportschau 10.12.2018 05:42 Min. Verfügbar bis 10.12.2019 Das Erste

Behnke: "Nicht rechnen"

Doch selbst wenn es so kommt, könnte das am Ende nicht reichen für den Einzug ins Halbfinale. Nach der bitteren 25:26-Niederlage gegen Ungarn sind die Deutschen auf Schützenhilfe angewiesen. Denn im Kampf um Platz zwei mischt auch noch Rumänien mit. Helfen würde dem Team beispielsweise ein Sieg Spaniens gegen Rumänien und ein Remis zwischen Rumänien und Ungarn. Problem: Da das Duell mit der Niederlande das letzte Hauptrundenspiel ist, könnte schon vor dem Anpfiff alles vorbei sein.

"Wir fangen nicht an zu rechnen, sondern wir schauen nur auf uns und wollen die Niederlande schlagen. Dann sehen wir, wofür es am Ende reicht", sagte Spielführerin Julia Behnke. Bei Punktgleichheit zweier Teams entscheidet der direkte Vergleich. Haben drei oder mehr Teams dieselbe Punktzahl, entscheidet eine separate Tabelle

"Ein ganz normales Spiel für mich"

Groener sieht der Partie locker entgegen: "Das ist ein ganz normales Spiel für mich, auch wenn das Interesse von außen natürlich sehr groß ist. Aber wir bereiten uns genauso vor wie auf jede andere Partie."

In Groeners Trainerstab steht in Debbie Klijn eine weitere Niederländerin. Die 42-Jährige war viele Jahre Nationaltorhüterin, spielte aber fast ihre gesamte Karriere in Deutschland (Frankfurt/Oder, Leverkusen, Buxtehude) und ist heute in Buxtehude und beim DHB Torwarttrainerin. "Wir wollen den Niederländerinnen das Leben so schwer wie möglich machen. Aber auch für mich ist diese Partie ein Spiel wie jedes andere auch", sagte sie.

Man kennt sich

Fast alle Niederländerinnen spielen oder spielten in der Bundesliga. Eine, die dort ihre internationale Karriere begann, ist Lois Abbingh. Die 26-Jährige hatte ihre erste Auslandsstation beim VfL Oldenburg, läuft nun für den russischen Topklub Rostow am Don auf. Sie feierte unter Groener ihr Debüt im Nationalteam, wurde bei der WM 2017 als zweitbeste Torschützin ins All-Star-Team gewählt. "Henk kennt unsere Mannschaft bestens, wir wissen, wie Henk spielt - daher glaube ich nicht, dass eine Seite einen Vorteil hat. Angesichts unserer Ergebnisse in den vergangenen Jahren sind wir eher in der Favoritenrolle als Deutschland", meinte sie.

Bestelltes Feld hinterlassen

Rio 2016 war nach sieben Jahren der krönende Abschluss von Groeners Zeit als Nationaltrainer seines Heimatlandes. Im September 2016 endete die Ära, seit Januar 2018 ist er für die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) zuständig. Groeners Nachfolgerin, die Dänin Thomsen, übernahm ein bestelltes Feld, führte die Niederlande bei der EM 2016 erneut ins Finale - und wie schon 2015 gab es eine Niederlage gegen Norwegen. Bei der WM 2017 in Deutschland kam es bereits im Halbfinale zu diesem Duell, erneut verloren die Niederländerinnen, sicherten sich am Ende aber Bronze.

Das und noch mehr ist auch für Deutschland theoretisch noch drin. Auch wenn die Ausgangslage kompliziert und die Restchance gering ist. "Dass wir vor unserem letzten Hauptrunden-Spiel noch Chancen auf die Finalspiele in Paris haben, hätte vorher keiner gedacht", sagte Groener.

dpa/sid | Stand: 11.12.2018, 12:33

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