Handball-WM - Neuer Vertrag für Frauen-Trainer Henk Groener

Bundestrainer Henk Groener motiviert sein Team

Weltturnier in Japan

Handball-WM - Neuer Vertrag für Frauen-Trainer Henk Groener

Von Frank van der Velden

Die deutschen Handball-Frauen gehören bei der WM in Japan nicht zum Favoritenkreis, haben aber berechtigte Hoffnungen auf ein erfolgreiches Turnier. Erfolgstrainer Henk Groener hat schon vor dem Turnierstart Grund zur Freude.

Die Generalprobe ist gründlich misslungen. Die deutschen Handballerinnen verloren vergangene Woche den Härtetest vor der Weltmeisterschaft in Japan mit 29:33 (16:17) gegen Montenegro. In den drei jüngsten Testspielen gab es damit nur einen Sieg.

Dennoch gibt es Hoffnung, dass das Team von Bundestrainer Henk Groener in Asien eine gute Rolle spielen kann. Da ist zum einen der unerschütterliche Optimismus, den die Mannschaft und der Coach kurz vor dem Turnierstart an den Tag legen. So sprach Groener von einem klaren "Fortschritt im Vergleich zu unseren letzten Länderspielen".

Spielerinnen wissen, was zu tun ist

Auch die Spielerinnen blieben nach der Niederlage im letzten Test gelassen. "Wir wissen genau, woran wir bis zur WM noch arbeiten müssen. Ich bin optimistisch, dass wir dort mit einem Sieg starten können", sagte Shenia Minevskaja. Kim Naidzinavicius sah "noch viel Luft nach oben", und Julia Behnke erklärte: "Das wird schon bis zur WM. Wer die Generalprobe versaut, macht den Auftritt umso besser."

Zunächst machbare Gegner

Gegen Montenegro passte es vor allem in der Abwehr oftmals nicht. Vorne ließ ein ums andere Mal die Chancenverwertung zu wünschen übrig, insgesamt fehlte es an Konstanz. Helfen könnte der Spielplan. Nach dem Start gegen Brasilien am Samstag (30.11.2019) geht es gegen Australien. In beiden Partien sind die deutschen Frauen die Favoritinnen und können sich - so die Hoffnung - weiter einspielen, die Abläufe automatisieren, Fehler abstellen. Zwei Siege würden zudem Selbstvertrauen geben. Erst danach stehen die schweren Partien gegen die Handball-Großmächte Dänemark und Frankreich an. Zum Abschluss der Vorrunde geht es dann gegen Südkorea. Die ersten drei Teams ziehen in die Hauptrunde ein.

Naidzinavicius wieder dabei

Der Kader ist besser besetzt als der vor einem Jahr bei der EM. Das liegt vor allem an Kim Naidzinavicius. Die Spielführerin hat wegen zweier Verletzungen die WM 2017 und die EM 2018 verpasst. Die Rückraumspielerin ist die unumstrittene Führungspersönlichkeit im Team und gilt als komplette Handballerin, die offensiv wie defensiv glänzt, die ein Spiel lenken und entscheiden kann - eine Unterschied-Spielerin mit Weltklasseformat. Im Rückraum agiert sie meist an der Seite der beiden hoch veranlagten Toptalente Alicia Stolle und Emily Bölk. Auch gegen Montenegro ging vom Rückraum viel Torgefahr aus und das Trio kurbelte das teils rasante Tempospiel an.

Kontinuität, Blockbildung und eine gute Bank

Was die Kadernominierung angeht, verzichtete Groener auf Experimente. Zwölf der 17 Spielerinnen waren schon bei der EM 2018 in Frankreich dabei. "Wir sind mit der Mannschaft bei der EM einen guten ersten Entwicklungsschritt bei einem Großturnier gegangen. Durch die Kontinuität im Kader wollen wir in Japan weiter zusammenwachsen", sagte der Trainer.

Wichtig könnte auch die Blockbildung werden. So stellen der deutsche Meister SG BBM Bietigheim und Pokalsieger Thüringer HC je fünf Spielerinnen. Die Blöcke sind aus dem Bundesliga-Alltag eingespielt. Julia Behnke (Rostow Don/Russland) und Shenia Minevskaja (Brest Handball/Frankreich) bringen zudem Auslandserfahrung mit.

Gegen Montenegro zeigte sich, dass auf den zweiten Anzug Verlass ist, das Potenzial von der Bank ist groß. Groener wechselte zur Pause fast komplett durch, die deutsche Defensive stand danach deutlich besser. Vor allem Alina Grijseels und Minevskaja empfahlen sich für WM-Einsätze.

Groeners Vertrag vorzeitig verlängert

Was zudem für die deutsche Mannschaft spricht, ist ihr Trainer. Der Niederländer, der die "Oranje"-Frauen 2015 ins WM-Endspiel und ein Jahr später bei den Olympischen Spielen ins Halbfinale führte, steht für Erfolg. Groener hat das DHB-Team im Frühjahr 2018 übernommen, es nach der verpatzten Heim-WM 2017 radikal neu aufgestellt und es vor einem Jahr bei der EM in Frankreich immerhin auf Platz zehn geführt. "Auch wenn die Weltspitze uns noch etwas voraus ist, sind wir mittlerweile auch ein Gegner, auf den niemand gerne trifft", sagt der 59-Jährige selbstbewusst.

Die Belohnung für die Verdienste kam schon einen Tag vor Turnierstart: Der DHB gab die vorzeitige Vertragsverlängerung bis zum 31. Dezember 2021 bekannt. Der alte Vertrag hatte eine Laufzeit bis nach den Sommerspielen 2020 in Tokio.

Das Ziel heißt Tokio

Gemeinsam mit dem Team - und auch das ist eine Stärke - geht Groener das WM-Turnier realistisch an. Vom Halbfinale ist nicht die Rede, so vermessen ist keiner. Das klare Ziel ist Platz sieben. Der wäre gleichbedeutend mit einem Ticket zu einem Olympia-Qualifikationsturnier im März 2020. Denn über der WM in Japan steht die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio.

Platz sieben - das hört sich nicht sonderlich hochgesteckt an. Dennoch ist dieses Ziel im Hinblick auf Tokio enorm motivierend. Das Potenzial dazu hat die junge deutsche Mannschaft. Trotz der verpatzten Generalprobe gegen Montenegro.

Stand: 29.11.2019, 11:52

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